Düsseldorfs Stadtteil Flingern wird zum Zentrum der Avantgarde-Händler. Am Freitag eröffnen sie das Galerie-Wochenende.

Ines Kadel und Moritz Willborn aus Karlsruhe sind frisch zugezogen.
Ines Kadel und Moritz Willborn aus Karlsruhe sind frisch zugezogen.

Ines Kadel und Moritz Willborn aus Karlsruhe sind frisch zugezogen.

Dorothee Fischer ist mir ihrer Galerie seit vier Jahrzehnten in Flingern.

Helga Meister /dpa, Bild 1 von 2

Ines Kadel und Moritz Willborn aus Karlsruhe sind frisch zugezogen.

Düsseldorf. Am Freitag zwischen 18 und 22 Uhr erwarten zehn Galeristen geradezu eine Völkerwanderung nach Düsseldorf-Flingern: Das galerie-Wochenende wird eröffnet. Ihre Vernissagen mit den Künstlern in einstigen Fabriken, Tonwerkstätten, Postämtern und Schaufensterläden gelten als Event, zu dem Kunstfreunde aus dem Rheinland und dem Bergischen, Frankfurt wie Hamburg anreisen.

Der Stadtteil mausert sich seit etwa drei Jahren zu einem Zentrum der Gegenwartskunst, das mit manchem Museum mithalten kann. Für die Galeristen ist die Nähe zum Hauptbahnhof ein Standortvorteil, in gerade mal einer halben Zugstunde erreicht man die wichtigste deutsche Kunstmesse Art Cologne. Außerdem sind die Mieten recht günstig, mit meist zehn Euro pro Quadratmeter kaum teurer als im Hinterhof.

Galerist Walter Conrads lobt die Dichte der Düsseldorfer Szene

Der jüngste Zuzug kommt aus Karlsruhe und lädt gerade die Kartons aus. „Für uns kam als Zweitsitz nur Flingern infrage,“ sagen Iris Kadel und Moritz Willborn, die bisher schon auf den Messen zwischen Turin und Basel mitmischen.

Der Galerist Walter Conrads hat seine Filiale in Berlin aufgegeben und lobt die Infrastruktur und die Dichte der Düsseldorfer Szene: „In 30 Minuten Fußweg gewinnt man Einblick in die Moderne.“ Er hebt die junge Anna Vogel aus der Taufe. Die Gursky-Schülerin geht recht respektlos mit der Fotokunst um, traktiert sie mit Cutter und Spraydose.

Die Kunsthändler kommen aus ganz verschiedenen Bereichen

Die Kunsthändler lieben die Landeshauptstadt. Iris Kadel sagt: „Hier gibt es eine spannende Akademie unter dem Wuppertaler Rektor Tony Cragg und potente Sammler wie Julia Stoschek, Monika Schnetkamp, Gil Bronner und Rheingold.“ Das Quartett unterhält sogar jeweils Privatmuseen, die für Ausstellungen geöffnet werden.

Die zehn Galerien liegen in Düsseldorf zwischen Acker-, Linden- und Birkenstraße. Sie haben sehr unterschiedliche Öffnungszeiten, die meisten sind der Internetseite zu entnehmen.

Bei Kadel/Willborn kosten Kunstwerke 1000 bis 25 000 Euro, bei Konrad Fischer Fotos von Gregor Schneider 3000 bis 8000 Euro und bei Conrads die von Anna Vogel ab 1500 Euro.

Die Galeristen sind ein buntes Völkchen. Kadel & Willborn haben Kulturwissenschaft, Philosophie und Design studiert, bevor sie anfingen, mit Kunst zu handeln. Philine Cremer, ebenfalls neu in der Stadt, überlegte in ihrer Babypause, ob sie ihren Job als Projektmanagerin bei Bayer wieder aufnehmen oder als Galeristin einsteigen sollte. Sie entschied sich für Flingern, wo sie asiatische Kunst heimisch machen will.

Linn Lühn hat als Künstlerin begonnen, 2001 eine Galerie in Köln eröffnet und war drei Jahre lang Sprecherin der Kölner Galeristen, bevor sie 2010 in die Landeshauptstadt kam. „Die Düsseldorfer unterstützen mich, indem sie präsent sind und bei mir kaufen,“ sagt sie. Sie sorgt für die Wiederentdeckung des 1945 verstorbenen Engländers David Burton und lobt seine „bunten, frischen und naiven Zeichnungen.“

Schütte und Schneider stellen in der Galerie Konrad Fischer aus

Alle Neuzugänge fühlen sich dem großen Namen der Galerie Konrad Fischer verpflichtet, die seit 55 Jahren besteht, davon 40 Jahre in Flingern. In einem zugigen Hinterhaus wird ein Who is Who der Gegenwartskunst präsentiert, von der Minimal Art bis zu den Preisträgern des Goldenen Löwens von Venedig, Thomas Schütte und Gregor Schneider. Der Installationskünstler aus Rheydt stellt sein Indien-Projekt vor, wofür Opfergaben für die Göttin Durga direkt aus dem Ganges in die Galerieräume transportiert werden.

Der Kunsthändler Paul Schönewald ist über Krefeld und Xanten nach Düsseldorf gekommen, wo er sich ein museales Ambiente in einer ehemaligen Fabrik einrichten ließ. Er gehört zu den erfolgreichsten Kunsthändlern, der den Besuchern gern erklärt, wie man die zeitgenössische Kunst als profitable Alternative zu herkömmlichen Anlageformen nutzt.

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