Stefan Herheim inszeniert an der Rheinoper Händels „Xerxes“ als ironisches Bilder-Spektakel.

Valer Barna-Sabadus (Xerxes) und Torben Jürgens (Ariodates) als prunkvolle Seefahrer des Barock-Theaters, ironisiert mit betont altertümlicher Illusionstechnik.
Valer Barna-Sabadus (Xerxes) und Torben Jürgens (Ariodates) als prunkvolle Seefahrer des Barock-Theaters, ironisiert mit betont altertümlicher Illusionstechnik.

Valer Barna-Sabadus (Xerxes) und Torben Jürgens (Ariodates) als prunkvolle Seefahrer des Barock-Theaters, ironisiert mit betont altertümlicher Illusionstechnik.

Hans Jörg Michel

Valer Barna-Sabadus (Xerxes) und Torben Jürgens (Ariodates) als prunkvolle Seefahrer des Barock-Theaters, ironisiert mit betont altertümlicher Illusionstechnik.

Düsseldorf. Die Bühne glüht vor knalligen Farben in Stefan Herheims Inszenierung der Oper „Xerxes“ von Georg Friedrich Händel. Alles, was man sieht, birst dabei vor Ironie. Denn der norwegische Star-Regisseur, der das Stück in Kooperation mit der Komischen Oper Berlin in Düsseldorf auf die Bühne bringt, kann und will die ursprünglich im antiken Persien angesiedelte Handlung nicht ernst nehmen.

Herheim überdreht alles bis hin zum Slapstick à la Muppet-Show, und es würde einen nicht wundern, wenn in dem Liebes-Drama plötzlich eine vor Eifersucht geladene Miss Piggy durchs Bild liefe. Der Hofstaat, der sich hier in überladenem Londoner Barock in Szene setzt, besitzt auch eine gewisse Ähnlichkeit mit der Klimbim-Familie.

Im Original-Stück geht es um ein ernstes Problem

Es geht im Original indes um ein ernstes Problem: Ein König, Xerxes, verliebt sich in die Verlobte seines Bruders und ist nicht davon abzubringen, eine Heirat mit ihr zu erzwingen. Durch geschicktes Taktieren werden am Ende die geordneten Verhältnisse wiederhergestellt und das Traumpaar Arsamenes und Romilda kommt doch noch glücklich zusammen.

Herheim tastet den Inhalt zwar kaum an, doch die Figuren (Kostüme: Gesine Völlm) wirken so schräg und bunt übermalt wie karnevaleske Karikaturen. Zudem verlegt er den Schauplatz ins Londoner Theater-Milieu des frühen 18. Jahrhunderts, also der Händel-Zeit.

Die Drehbühne (Heike Scheele) führt mal hinter und mal vor die Kulissen einer grotesken Theateraufführung. Das alles ist perfekt in Szene gesetzt, passend zur Musik wie eine Ballett-Choreografie. Herheim erweist sich als absoluter Kenner der Partitur. Doch wirkt seine Arbeit auch etwas gewollt und effekthascherisch. Er scheint dem Originalitäts-Diktat der Theater-Kultur unserer Tage unterworfen. Und so wirkt die Inszenierung wie das Werk eines Rastlosen, getrieben vom Ehrgeiz, alles zu hinterfragen und neu zu deuten.

30. Januar sowie 1., 6., 13., 15. Februar, 19 Uhr, sowie 3. und 17. Februar, 15 Uhr. Karten unter Tel. 89 25 211.

Gleichwohl: Die Zeit vergeht trotz der Länge des Stücks wie im Fluge. Anteil daran haben auch die fabelhaften Sänger: Die Countertenöre Valer Berna-Sabadus (Xerxes) und Terry Wey (Arsamenes) sind stimmlich und darstellerisch bestens gerüstete Liebes-Kontrahenten.

Ein Glücksgriff: Vokale Brillanz und schauspielerisches Talent

Und die zum Rheinopern-Ensemble gehörenden Sopranistinnen Anke Krabbe (Atlanta) und Heidi Elisabeth Meier (Romilda) erweisen sich mit vokaler Brillanz und schauspielerischem Talent als Glücksgriffe.

Auch aus dem ein gutes Stück angehobenen Orchestergraben dringt Wohlklang: Die Neue Düsseldorfer Hofmusik unter der Leitung des Barockspezialisten Konrad Junghänel musiziert zugleich feingliedrig und dynamisch. Dauer der Oper: dreieinhalb Stunden, dazwischen eine Pause.

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