Die Kinderoper „Der gestiefelte Kater“ hatte am Sonntag vor ausverkauftem Haus Premiere.

Ein Bild wie aus dem falschen Märchen: In Svenja Tiedts Inszenierung muss der Kater die Prinzessin erst einmal wachküssen.
Ein Bild wie aus dem falschen Märchen: In Svenja Tiedts Inszenierung muss der Kater die Prinzessin erst einmal wachküssen.

Ein Bild wie aus dem falschen Märchen: In Svenja Tiedts Inszenierung muss der Kater die Prinzessin erst einmal wachküssen.

Pedro Mallnowski

Ein Bild wie aus dem falschen Märchen: In Svenja Tiedts Inszenierung muss der Kater die Prinzessin erst einmal wachküssen.

Düsseldorf. Dass man nur mit Eltern und Kindern ein komplettes Opernhaus füllen kann, hätte man sich vor Jahren nicht träumen lassen. Aber am Sonntag strömten rund 1300 Kinder und ihre Eltern ins Opernhaus, wo „Der gestiefelte Kater“ des Spaniers Xaviers Montsalvatge Premiere hatte. Auch die restlichen Vorstellungen der noch laufenden Spielzeit sind weitgehend ausverkauft.

Dabei gab’s einen Start mit Pannen: Der Vorhang öffnete sich, man schaute auf eine weiße Leinwand; dann schloss er sich wieder. Der Filmprojektor streikte kurzfristig. Als er endlich lief, wurde das Opernhaus zum Kino, denn die Vorgeschichte von der Ankunft des Katers beim Müller bis zu dessen Tod und der Teilung des Erbes, wird als Zeichentrickfilm erzählt – ohne Gesang und nur mit Musik untermalt. Inzwischen haben alle das Kätzchen, dem auf der Bühne Theresa Kronthaler Gestalt und Stimme leiht, ins Herz geschlossen. Nur der Müllerssohn nicht, der seinem tierischen Begleiter lieber das Fell über die Ohren ziehen würde.

Svenja Tiedts Inszenierung ist phantasievoll und hat viel Schwung

Dazu kommt es bekanntermaßen nicht, weil der Kater nicht nur der menschlichen Sprache mächtig, sondern auch sonst sehr clever ist. In fünf fantasievoll ausstaffierten Bildern (Bühne und Kostüme: Tatjana Ivschina) erzählt Regisseurin Svenja Tiedt die Wandlung des armen Müllersjungen zum Grafen von Carabas.

Bretterstapel und Matratze unter einem Brückenbogen symbolisieren sein anfängliches Clochardleben, Königsschloss, Badeszene am See und der Monsterpalast sind auf einer schiefen Ebene angeordnet. Temporeiche Szenen wie die Verwandlung des Zauberers in verschiedene Tiere bis zur Maus, die dann von der Katz gefressen wird, werden wieder als Trickfilmeinlage gezeigt.

Dieser Wechsel der Darstellungesebenen und die eingängige Musik Montsalvatges sind ausgesprochen kindgerecht, augenzwinkernde Doppeldeutigkeiten lassen die Inszenierung auch zum Genuss für Erwachsene werden. So wähnt man sich in der Palastszene zunächst im falschen Märchen: Wie in Dörnröschen sind alle erstarrt, der Koch hat die Hand zur Ohrfeige erhoben und der durch die Katzenklappe hereinschlüpfende Kater muss die Prinzessin erst einmal wachküssen.

Judita Nagyová gibt eine leicht überkandidelte Prinzessin und Dimitry Lavrov einen herrlich schüchternen Müllerssohn, der vom Kater in sein Glück geschuppst werden muss. Lang anhaltender Applaus, besonders für Theresa Kronthaler, belohnt Sänger, Orchester und Regie.

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