Bildgewaltig und gelungen überzeichnet: Strawinskys Oper „The Rake’s Progress“.

Der Größenwahn berauscht Rakewell (Matthias Klink, vorne) und Nick Shadow (Bo Skovhus).
Der Größenwahn berauscht Rakewell (Matthias Klink, vorne) und Nick Shadow (Bo Skovhus).

Der Größenwahn berauscht Rakewell (Matthias Klink, vorne) und Nick Shadow (Bo Skovhus).

Hans Jörg Michel

Der Größenwahn berauscht Rakewell (Matthias Klink, vorne) und Nick Shadow (Bo Skovhus).

Düsseldorf. Zu pompösen, ironisch verschrägten Barock-Klängen stolziert der junge Mann Tom Rakewell im Sommeranzug Hand in Hand mit seiner neuen Braut, der überprächtig geschmückten Halbwelt-Matrone Baba the Turk, die Freitreppe zu einem Grand-Hotel empor.

Der Playboy, dem man hier noch den roten Teppich auslegt, ist die tragikomische Hauptfigur der Oper „The Rake’s Progress“ des russischen Frühmodernen Igor Strawinsky. In dem gleichermaßen ernsten wie sarkastischen Stück nach einem Libretto des Autoren-Paars Wystan Hugh Auden und Chester Kallman dreht es sich um Geld, Liebe, Charakterschwäche und den Pakt mit dem Bösen. Am Ende geht der rücksichtslose Lebemann unter, verarmt, wird gar verrückt und findet selbst durch die treue Liebe seiner Verlobten Anne Trulove keine Rettung.

Alle 20 Minuten wechseln das Bühnenbild und das Ambiente

Farbenfroh und bilderreich haben Regisseurin Sabine Hartmannshenn, Bühnenbildner Dieter Richter und Kostümschneiderin Susana Mendoza die Glamour-Geschichte in Szene gesetzt. Alle 20 Minuten wechselt das Ambiente, und man freut sich schon wie ein Kind auf die nächste Bebilderung, während es hinter dem geschlossenen Vorhang immer wieder trappelt und rumpelt.

Beengt fängt es an mit der hölzernen Veranda des Heims der Familie Trulove, wo Tom Rakewell noch ein in Anne verliebter armer Schlucker ist. Nach plötzlicher Beerbung eines ominösen Onkels wendet sich das Blatt. Der Zuschauer bekommt eine grelle Bar zu Gesicht, wo Tom seine zwielichtigen neuen Freunde freihält. In einem runden Metallgestell mit Panoramablick über London gerät der Protagonist ein letztes Mal in Zweifel ob des Lebenswandels. Doch der diabolische Verführer Nick Shadow reißt Rakewell immer tiefer hinein in die Welt des Scheins.

Die Inszenierung überzeichnet die im Stück angelegten Stereotype bis zum Karikaturhaften. Und genau das macht den Reiz der Produktion aus. Hinzu kommen enorme darstellerische und sängerische Leistungen. Allen voran: Tenor Matthias Klink als Rakewell. Er verfügt über eine strahlende Stimme mit lyrischem Schmelz sowie große Wandlungsfähigkeit – vom Hänfling über den Salonlöwen bis zum Irren, der sich für den Schönheitsgott Adonis hält. Charismatisch und dämonisch agiert der berühmte dänische Bariton Bo Skovhus als Nick Shadow. Anett Fritsch als Anne Trulove bezaubert mit lyrischen Sopran. Und Mezzosopranistin Susan Maclean beweist als schrill-barocke Baba the Turk komödiantisches Talent und Diven-Potential.

Wertung:
Inszenierung: vier von fünf Punkten
Sänger: fünf von fünf Punkten
Orchester: vier von fünf Punkten

 

Termine: Drei Stunden mit Pause, Vorstellungen Freitag (25.Mai), 19.30 Uhr und Sonntag (27. Mai), 15 Uhr sowie 8., 27., 29. Juni, 19.30 Uhr und 1. Juli, 15 Uhr.

 

Karten: Tel. 0211/89 25 211.

Im Orchestergraben präsentiert Generalmusikdirektor Axel Kober mit den Düsseldorfer Symphonikern eine reiche Palette an Klangfarben. Ob klassizistischer Prunk oder Anklänge tirilierender Jahrmarktmusik – man trifft den Charakter der facettenreichen Partitur.

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