Obdachlosen-Einrichtungen wurden angeschrieben. Mobile Wahllokale in Altenheimen.

Nur mit einer Schablone können Blinde selbstständig wählen.
Nur mit einer Schablone können Blinde selbstständig wählen.

Nur mit einer Schablone können Blinde selbstständig wählen.

dpa

Nur mit einer Schablone können Blinde selbstständig wählen.

Düsseldorf. Wählen ist eigentlich ziemlich einfach. Zwei Kreuzchen, das war’s. Für zahlreiche Bürger ist das allerdings anders. Der Gang zur Wahlurne ist für sie ganz und gar nicht selbstverständlich.

Für die Insassen der JVA zum Beispiel ist er sogar unmöglich. Nur per Briefwahl können sie am 22. September ihre Stimme abgeben. Zumindest, wenn ihnen der Richter bei der Verurteilung das Wahlrecht nicht für einige Jahre aberkannt hat. Und wenn sie die Aufnahme ins Wahlregister fristgerecht beantragt haben. Doch obwohl ein Team der Stadt Ratingen die Gefangenen im Vorfeld der Bundestagswahl vor Ort informiert hat, ist das Interesse der Gefangenen äußerst gering. „Bei uns ist nur ein einziger Antrag eingegangen“, sagt André Dietz von der Stadt. Immerhin, bei der Landtagswahl waren es zwölf Anträge. Viele Insassen sind allerdings noch in ihrem Heimatort gemeldet und können dort ihre Stimme abgeben.

Für eine Mitarbeiterin der JVA ist die geringe Wahlbeteiligung keine Überraschung. „Die Häftlinge leben in einer abgeschotteten Welt, und das oft länger als eine Wahlperiode dauert. Da interessieren sich nur wenige von ihnen für Politik. Zudem haben wir viele Insassen, die nicht die deutsche Staatsbürgerschaft haben.“

Gering ist die Wahlbeteiligung erfahrungsgemäß auch bei Obdachlosen. 23 haben sich bislang im Düsseldorfer Wahlverzeichnis registrieren lassen, bis zum 1. September war das möglich. „Und das ist schon eine relativ hohe Zahl“, sagt Manfred Golschinski vom Wahlamt. 20 Obdachlosen-Einrichtungen habe die Stadt im Vorfeld der Bundestagswahl insgesamt angeschrieben.

Mobile Wahlvorstände steuern zehn Senioreneinrichtungen an

Allein zehn Obdachlose hat die Diakonie-Fachberatung Horizont vermittelt. Mehr als 400 Wohnungslose haben dort ihre Postanschrift. „Wir informieren unsere Besucher ausführlich über die Wahl. Obdachlose sind oft von Teilhabe an der Gesellschaft ausgeschlossen, deshalb finden wir es um so wichtiger, dass sie ihre Stimme abgeben.“

Seniorenheime

Liebfrauen Betreutes Wohnen, Degerstraße 59; Wohnanlage Düsseltal, Grafenberger Allee 341 b-d;
Phönix-Haus Rosmarin, Rosmarinstraße 12; St. Hubertusstift, Neusser Str. 25;
St. Martin, Wilhelm-Tell-Str. 9; Seniorenwohnpark Lessingplatz, Industriestraße 7–9;
St. Josefshaus, Schmiedestr. 16; CBT Wohnhaus Zur heiligen Familie, Alt-Heerdt 3 – 5; Heinrich-Zschokke-Haus, Hagener Straße 58; Otto-Ohl-Haus, J.-Raschdorff-Straße 2.

Ebenfalls mühsam ist die Wahl für viele Pflegebedürftige und Behinderte. Ohne Hilfe können Blinde beispielsweise nur mit einer Schablone wählen, in die der Wahlzettel eingezogen werden muss. Mehr als 1000 hat der Landesverband des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes bereits nach Düsseldorf verschickt. Für in ihrer Mobilität eingeschränkte Senioren in Altenheimen bietet die Stadt einen besonderen Service. Mobile Wahlvorstände steuern am 22. September zehn Einrichtungen (siehe Kasten) an.

Nicht darunter ist das Altenheim des EVK am Fürstenwall. Leiterin Claudia Abramowski: „In den meisten Fällen kümmern sich die Angehörigen, aber wenn jemand Hilfe verlangt, organisieren wir das über Ehrenamtliche.“

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