Von Sema Kouschkerian Katharina Fuchs (Text) und Stefan Arend (Fotos)
Das Schaulaufen der Wagenbauer sorgt stets für Diskussionen. Die Karnevalisten am Rand vom Zoch gaben ihr Urteil ab.
Düsseldorf. Plagiator KT zu Guttenberg, Nervensäge Westerwelle, Missbrauchszentrum katholische Kirche, Dauerbaustelle Düsseldorf – die Wagenbauer um Jacques Tilly ließen es beim Zoch wieder kräftig krachen. Die Jecken am Straßenrand reagierten prompt: Zwischen Helau und Hände zum Himmel urteilten sie über die Mottowagen.
„Die arme Socke. Überall wo der auftaucht, wird er verrissen.“ Für zu Guttenberg hat Renate Ochsvalder nur noch Mitleid übrig. „Alle, die oben sitzen, haben Dreck am Stecken“, meint die Düsseldorferin. Solche Relativierung braucht Erich Caro an Karneval nicht. „Der Guttenberg-Wagen passt saumäßig“, sagt der 55-Jährige. „Die Wagenbauer müssen richtig gute Karikaturisten haben. Das kann ja kaum noch besser werden.“ Westerwelle als Nervensäge kann hingegen bei ihm nicht punkten. „Das ist ein abgegriffenes Thema.“
„Es gibt einfach Themen, die sich für eine Satire nicht eignen.“
Nadine Gorgs, 28 Jahre, über den Mottowagen zum Missbrauch.
Für Caroline Schönauer steht der Favorit fest, als die Burka-Schau vorüberzieht. „Super. Das ist wenigstens zum Lachen.“ Politische Satire sei ihr beim Karneval nicht so wichtig. „Hauptsache es macht Spaß.“ Auch Achim Engels gefällt der Wagen. „Er fährt sozusagen gegen die Verschleierung von Frauen in Deutschland. Die Idee ist super, die Umsetzung ein wenig makaber. Aber man muss provozieren, um ’was zu bewegen.“ Als der Priester mit Kind auf dem Schoß vorbeirollt, sind die Reaktionen geteilt. „Der Wagen ist großartig“, meint der 42-jährige Gerhard Kaiser. „Ein komplexer Sachverhalt mit wenigen Mitteln auf den Punkt gebracht.“ Tim Winter und Nadine Gorgs hingegen sind entsetzt. „Es gibt Themen, die sich für eine Satire nicht eigenen“, meint die 28 Jahre alte Nadine zum Missbrauchs-Mottowagen. Auch Ahmadinedschad als Hakenkreuz irritiert das Paar. „Mit diesem Symbol verbindet man so viel Leid. Das kann ich an Karneval nicht anders sehen“, sagt Nadine.
„An Karneval gibt es kein Tabu.“
Oliver Neumann, 31 Jahre, zum Hakenkreuz-Wagen
Steven Nowak hat gegen diese provokante Darstellung nichts einzuwenden. „Es kriegen doch alle ihr Fett ab: Muslime wie Christen.“ Und Oliver Neumann (31)sagt: „Ich finde den Wagen nicht verwerflich. An Karneval gibt es kein Tabu. Hakenkreuze sind Teil unserer deutschen Geschichte und damit müssen wir uns auseinandersetzen. Schweigen ist der falsche Weg.“
Andreas Bragoner beobachtet vor allem die lokale Politschau. Seit zwei Jahren lebt der Düsseldorfer in San Francisco, reist jedoch zu Karneval in die Heimat. Ihn amüsiert der Wagen um den Eurovision Song Contest, bei dem OB Dirk Elbers dem schwer verwundeten Klaus Wowereit den Liederwettbewerb vor der Nase weggeschnappt hat. „Ich finde das geil. Düsseldorf ist eine tolle Stadt.“
Wenn nur die Baustellen nicht wären – Anita Suppau gefällt der Buddel-Rheinbahn-Wagen bestens. „Mit diesem Wagen wird ein aktuelles und wichtiges Düsseldorfer Thema aufgegriffen“, sagt sie. Das gilt laut Rudolf Schneider auch für Kritik an den Ordnungsbehörden, die den Karnevalisten mit verschärften Sicherheitsbestimmungen das Leben schwer gemacht hatten. Schneiders Urteil: „Der Wagen ist ein bisschen einseitig. Hier wird vergessen, dass ein funktionierendes Ordnungssystem Karneval und Frohsinn erst möglich macht.“




