Ein Programmdirektor soll 2014 darauf achten, dass die Museen endlich alle an einem Strang ziehen.

Auch dieses barocke Sujet soll helfen, den Stein der Weisen zu finden: Giovanni Antonio Grecolinis „Die Erziehung Amors durch Venus und Vulkan“.
Auch dieses barocke Sujet soll helfen, den Stein der Weisen zu finden: Giovanni Antonio Grecolinis „Die Erziehung Amors durch Venus und Vulkan“.

Auch dieses barocke Sujet soll helfen, den Stein der Weisen zu finden: Giovanni Antonio Grecolinis „Die Erziehung Amors durch Venus und Vulkan“.

Horst Kolberg

Auch dieses barocke Sujet soll helfen, den Stein der Weisen zu finden: Giovanni Antonio Grecolinis „Die Erziehung Amors durch Venus und Vulkan“.

Düsseldorf. Alle vier Jahre investiert die Landeshauptstadt bis zu fünf Millionen Euro in ein Kunstfestival, das sich „Quadriennale“ nennt. Eine „Erfolgsgeschichte“, wie es Oberbürgermeister Dirk Elbers beschwört, ist sie bisher noch nicht geworden. Alle Kulturinstitute machten mit, aber jedes kochte sein eigenes Süppchen, verkaufte die Ergebnisse schlecht und überzog auch schon mal den Etat.

Nun zieht die Stadt die Reißleine und präsentiert den ersten Programmdirektor. Wolfgang Ullrich (45) verfasste mehrere Bücher zum Kunstbegriff und kuratierte vielbeachtete kunstsoziologische und -theoretische Ausstellungen in Karlsruhe und Berlin. Als „Moderator“ begleitet er das Ereignis vom 4. April bis August 2014 und pocht auf präzise Konzepte.

Das Leitthema für alle Projekte heißt „Über das Morgen hinaus“

Alle Museen und Ausstellungshäuser in der Stadt rücken in ihren Projekten die Zukunft in den Blick, selbst wenn sie Künstler aus der Vergangenheit präsentieren. Denn das Leitthema lautet: „Über das Morgen hinaus“. „Zurück in die Zukunft“ wäre ihm zu platt gewesen. Es gehe darum, sagte Ullrich gestern, sich aus der Fixierung auf die Gegenwart zu lösen und stattdessen Visionen in Kunst, Wissenschaft und Technik zu entdecken: „Die Geschichte der Zukunft ist immer auch die Geschichte der Kunst gewesen.“

Der Kunstpalast zeigt Brueghel, Dürer und Cranach, Pole und Beuys

Ein glanzvolles Spektakel plant das Museum Kunstpalast. Sein Thema: Wie einst Künstler und Wissenschaftler nach dem Stein der Weisen suchten. Ullrich erklärt: „Die Metamorphose, die Verwandlung des Gegenstands zu etwas Höherem, treibt die Menschen in allen Jahrhunderten an. Sie wollen neue Eigenschaften entdecken und die Natur verbessern.“ Beispiele findet der Kunstpalast nicht nur bei Brueghel und Cranach, Dürer und Rubens, sondern auch bei den Magiern Polke und Beuys. Die Erforschung der Wissenschaftsgeschichte übernimmt das Max-Planck-Institut in Berlin.

Ein Kontrastprogramm liefert das NRW-Forum. Es thematisiert die Ruine als Zeichen einer idealen Vergangenheit. K 21 hingegen steigt in den Abgrund, vergegenwärtigt Höllenvisionen und lässt die Amerikanerin Roni Horn das Innenleben eines Ameisenbaus zeigen. Es geht aber auch humorig zu, soll doch die U-Bahn-Station „Metro Net“ des verstorbenen Martin Kippenberger zu sehen sein. Sie machte im Deutschen Pavillon der Biennale von Venedig 2003 Furore, obwohl nichts zu sehen, sondern nur lauter U-Bahn-Lärm unter einem Gitter zu hören war. Da war keine Angst vor Tod und Teufel. Die Besucher quittierten die Sounds mit einem Lächeln.

Von Malewitsch über Mondrian bis zur Nanotechnologie

Wolfgang Ullrich, Jg. 1967, ist seit 2006 Professor für Kunstwissenschaften und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Er promovierte 1994 über Heidegger.

 

xDas Festival der bildenden Kunst in Düsseldorf läuft 2014 vom 4. April bis August und wird Anfang 2013 durch ein Symposion vorbereitet.

K 20 will sich den drei Heroen der Avantgarde zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts widmen, und zwar Kandinsky, Malewitsch und Mondrian. Unter dem Titel „Der weiße Abgrund Unendlichkeit“ geht es um die Schwerelosigkeit geometrischer Formen auf dem weißen, leeren Grund.

Die Gefahr dieser Quadriennale liegt darin, dass sie möglicherweise zu viel Theorie bietet. So reflektieren Kunsthalle und Kunstverein eine Schau des Philosophen Lyotard anno 1985 im Centre Pompidou in Paris. Lyotard nahm voraus, wie sich das Wissen im Zuge der Digitalisierung verändert. Nun untersuchen beide Institute, was aus seinen Ideen geworden ist.

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