In der Not wollen sie einander helfen: Zwölf ältere Menschen proben das Zusammenleben.

Gertrud Zovkic freut sich auf ihre neue Heimat.
Gertrud Zovkic freut sich auf ihre neue Heimat.

Gertrud Zovkic freut sich auf ihre neue Heimat.

So soll die Wohnanlage „Veenpark“ in Vennhausen aussehen. (Animation: Behrendt)

Gertrud Zovkic freut sich auf ihre neue Heimat.

Bernd Schaller, Bild 1 von 3

Gertrud Zovkic freut sich auf ihre neue Heimat.

Düsseldorf. Sie wollen etwas mehr sein als nur eine Hausgemeinschaft: Sie wollen sich gegenseitig helfen, respektieren und einander tolerieren. "Unser Ziel ist es, Hilfe im vorpflegerischen Bereich zu leisten, etwa für jemanden einkaufen und kochen, der krank ist", umreißt Gertrud Zovkic den sozialen Aspekt des Wohnprojektes an der Vennhauser Allee.
 
Hier hat sich eine Gruppe von Menschen, die im Alter zusammenleben wollen, zwei von sieben noch zu bauenden Häusern gesichert, um ihre Idee umzusetzen. "Jeder für sich - und doch nicht allein" ist sie überschrieben. Nach Zovkic’ Worten ist es das erste derartige Projekt, das in Düsseldorf realisiert wird.
 
Von ursprünglich 35 Leuten, die sich im Verein LIG (Leben in Gemeinschaft) kennengelernt haben oder sich vorher aus den Netzwerken kannten, sind zwölf übriggeblieben, die jetzt das gemeinsame Wohnen im Alter konkretisieren wollen.
 
Die Psychologin Gertrud Zovkic ist mit 75 Jahren die Älteste. "Älter als ich sollte niemand sein", lacht Zovkic, "sonst ist das Projekt zum Scheitern verurteilt." Gesucht werden weitere Mitstreiter, die zwischen 55 und 70 Jahre alt sind.

Lange haben sie recherchiert und Preise verglichen - beim "Veenpark" haben sie zugeschlagen. "Die Investoren haben alte Leute als Markt entdeckt, aber die Düsseldorfer Investoren sind zu gierig und bauen zu teuer", konstatiert Zovkic, die als Sprecherin ihrer Gruppe auftritt. Erst das Unternehmen "Plan plus Faktor" aus Frankfurt, das den Veenpark baut, habe akzeptable Vorstellungen entwickelt.

In Zahlen: Neun Euro kalt pro Quadratmeter, bei geförderten Wohnungen liegt der Quadratmeterpreis zwischen fünf und sechs Euro. Und das bei einer wirklich guten Ausstattung der Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen (50 bis 80 qm): Barrierefreiheit, Balkone, Parkett, Fußbodenheizung, bodentiefe Fenster, begrüntes Dach, ein Garten.
 
"Dazu kommt ein Gemeinschaftsraum von 60 Quadratmetern, hier können wir Veranstaltungen machen, uns treffen und klönen oder spielen", beschreibt die 75-Jährige die Zukunft der Wohngemeinschaft.
 
Sie hat zwölf Vormiet-Verträge abgeschlossen und ein Belegrecht für insgesamt 25 Wohnungen. "Wer sich mit unseren Zielen identifiziert, kann hier einziehen", sagt Zovkic. So einfach ist das. Zur Demographie: Es gibt mehr Singles als Paare, aber erstaunlicherweise ist das Geschlechter-Verhältnis fast ausgeglichen.
 
Die meisten sind Rentner und waren davor Krankenschwester, Sozialarbeiter, Bau-Ingenieur, Hausfrau und Sekretärin. Interessant: Fast alle haben irgendeine ehrenamtliche Tätigkeit übernommen - das hält wohl geistig und körperlich in Schwung.

Gute Infrastruktur und viel Natur in der Umgebung der Wohnanlage

Eine ländliche Umgebung und gleichzeitig eine gute Infrastruktur, das hebt den Veenpark ab von anderen Projekten. "100 Meter, und man ist im Wald", sagt Zovkic, und an der Vennhauser Allee finde man alles für die Grundbedürfnisse: Post, Bank, Supermärkte, Frisör. Wer mal weg will, hat auch kein Problem.
 
Zwei Buslinien und zwei S-Bahn-Verbindungen befinden sich ganz in der Nähe. Noch ist die Baugenehmigung zwar nicht erteilt, aber Gertrud Zovkic ist sehr optimistisch: "Im 1. Quartal 2009 ziehen wir hier ein."

Mehr Informationen unter Tel. 20 12 58 oder im Internet: www.lig-duesseldorf.de

Das Projekt Veenpark in Vennhausen

Planung Der Frankfurter Investor Plan Plus Faktor will 88 Wohneinheiten in sieben Häusern hochziehen. Die Wohnanlage verfügt auch über eine Tiefgarage. Mit einer Baugenehmigung wird bis spätestens Januar 2008 gerechnet, etwa ein Jahr später soll alles fertig sein.

Investition Rund 15,5 Millionen Euro will Plan Plus Faktor in die Wohnanlage investieren.

Wohnformen Der Investor legt Wert auf "zeitgemäße und innovative Wohnformen". Deshalb folge die Anlage der demographischen Entwicklung und dem Bedarf an bezahlbaren Wohnraum in enger Abstimmung mit dem Düsseldorfer Wohnungsamt. Wohnungen für Ältere (wie im Text links beschrieben) werden integriert.

Warum Düsseldorf? Im Gespräch mit der WZ erläutert Henry H. Faktor die Hintergründe seines Engagements in Düsseldorf. Er gründete die Firma 1996. "Mir gefällt Düsseldorf, ich habe die Stadt schon früher oft besucht." Schnelles Geld sei im geförderten Wohnungsbau nicht zu machen, ihm gehe es um nachhaltiges Investment. "Wir denken langfristig, mit einer guten Durchmischung von frei finanziertem und öffentlich gefördertem Wohnungsbau kann man auch ein gutes Geschäft machen." Es gehe ihm nicht um schnelles Kaufen und Verkaufen: "Wir wollen unsere Mieter halten und nehmen daher verhaltene Preise." Die Qualität genüge dabei durchaus gehobenen Ansprüchen.

Internet: www.planplusfaktor.de

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