Gestern ist der erste Transport aus Italien in der der Müllverbrennungsanlage in Flingern abgeladen worden.

Gestern kurz vor 9 Uhr kippt ein Laster den ersten Müllberg aus Neapel auf den Hof der Verbrennungsanlage in Flingern. (Fotos (2): Eppinger)
Gestern kurz vor 9 Uhr kippt ein Laster den ersten Müllberg aus Neapel auf den Hof der Verbrennungsanlage in Flingern. (Fotos (2): Eppinger)

Gestern kurz vor 9 Uhr kippt ein Laster den ersten Müllberg aus Neapel auf den Hof der Verbrennungsanlage in Flingern. (Fotos (2): Eppinger)

Uwe Heinze nimmt Proben aus dem Müll für die chemische Analyse.

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Gestern kurz vor 9 Uhr kippt ein Laster den ersten Müllberg aus Neapel auf den Hof der Verbrennungsanlage in Flingern. (Fotos (2): Eppinger)

Düsseldorf. Es ist kurz vor 9 Uhr, als Freitag der erste Laster mit Abfall aus Neapel auf das Gelände der Müllverbrennungsanlage in Flingern rollt. Das, was sich in dem großen Container befindet, ist nichts für empfindliche Geruchsorgane. Selbst die Fachleute vor Ort rümpfen die Nase als der qualmende Müllberg auf den Hof gekippt wird.

Neben Verpackungen und Flaschen finden sich auch Bücher im Müll

"Das riecht deutlich stärker als der frische Hausmüll, den wir sonst bekommen. Auch der Grad der Verrottung ist dank der langen Lagerung und Transports deutlich fortgeschritten", sagt Stadtwerke-Sprecher Michael Pützhofen mit Blick auf den stinkenden Müllhaufen, in dem neben Flaschen, Verpackungen und Plastikteilen auch ein altes Buch und ein zerbeulter Vogelkäfig zu erkennen sind.

Gefahr für Menschen bestehe aber nicht. "Das ist ganz normaler Hausmüll wie er auch in Düsseldorf vorkommt", sagt der Leiter der Müllverbrennungsanlage, Gerhard Hansmann. Um wirklich auf Nummer sicher zu gehen, gebe es aber zahlreiche Überprüfungen. So wird in Leverkusen, wo die Müllcontainer auf ganz NRW verteilt werden, die Fracht auf Radioaktivität überprüft. In Hamburg hatte es bereits einen Fall gegeben, bei dem Jodpräparate aus Arztpraxen für Strahlung gesorgt hatten.

Vor Ort am Flinger Broich nimmt derweil Stadtwerke-Mitarbeiter Uwe Heinze Proben des Mülls, die im Labor chemisch untersucht werden. "Größere Verunreinigungen fallen aber auch schon bei Geruchs- und Sichtkontrollen auf. Sollten dennoch Schadstoffe in die Verbrennungsanlage kommen, werden diese später in den Filteranlagen herausgeholt", erklärt Hansmann. Bislang habe man aber bei Müll aus Italien nur positive Erfahrungen gemacht.

Insgesamt werden bis Ende Oktober 7500 Tonnen Abfall aus Neapel erwartet. Damit soll der Stadt geholfen werden, die Müllkatastrophe in den Griff zu bekommen. Deren Folgen kommen mit dem Zug in Containern nach Leverkusen, wo diese auf Lastwagen verladen werden und nach Flingern gebracht werden. Die ersten sechs Container, die jetzt in Düsseldorf in den Verbrennungsofen kommen, enthalten 80 Tonnen Müll.

Ein großes Geschäft sei der Müll aus Neapel nicht betont Hansmann. Diese machten nur anderthalb Prozent des pro Jahr verbrannten Mülls aus. Wie viel die Stadtwerke pro Tonne Müll verdienen, wollte der Chef der Müllverbrennungsanlage aber nicht verraten. "Darüber wurde von der Returo, die für ganz NRW mit Italien verhandelt hat, Stillschweigen vereinbart. Aber das ist ein Geschäft wie jedes andere. Ein goldene Nase verdienen wir uns dabei nicht."

Das sehen Umweltverbände wie der BUND anders. "Auch wenn der Müll der aus Neapel kommt nicht gefährlich ist, steht er doch für eine verfehlte Abfallpolitik in Europa: Eigentlich sollte Müll in erster Linie vermieden oder wenn er anfällt, zumindest vor Ort entsorgt werden", sagt Dirk Jansen, Geschäftsführer des BUND-Landesverbandes. Mit dem Abtransport, würde nur der Problemdruck weggenommen, und so Lösungen verzögert. "In Deutschland selbst sind die Müllverbrennungsanlagen völlig überdimensioniert, so dass Müll akquiriert werden muss, um Geld damit zu verdienen."

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