Zwei 18-Jährige sitzen in U-Haft, auch ein 15-Jähriger steht unter Verdacht.

Kommissar André Stratmann mit der Waffe der Kioskräuber und der Jacke, die Erencan K. verraten hat.
Kommissar André Stratmann mit der Waffe der Kioskräuber und der Jacke, die Erencan K. verraten hat.

Kommissar André Stratmann mit der Waffe der Kioskräuber und der Jacke, die Erencan K. verraten hat.

David Young

Kommissar André Stratmann mit der Waffe der Kioskräuber und der Jacke, die Erencan K. verraten hat.

Düsseldorf. Als Erencan K. am Dienstagabend zu seiner Wohnung in Düsseltal kam, standen plötzlich Polizisten vor ihm. „Er war sehr überrascht“, sagt Kriminalkommissar André Stratmann. Aber natürlich wusste der 18-Jährige, was man von ihm wollte. Einen Monat lang haben er und zwei Kumpels die Düsseldorfer Polizei in Atem gehalten und Schrecken unter den Kioskbesitzern verbreitet: Seit dem 23. November haben sie sieben Trinkhallen überfallen. Und gingen von Mal zu Mal brutaler vor.

Dreist waren sie von Anfang an: Am 23. und 26. November überfiel Erencan K. zwei Mal hintereinander denselben Kiosk an der Weseler Straße. Beim ersten Mal bedrohte er die Angestellte mit einem Baseballschläger, beim zweiten Mal war es schon ein Messer. Bei der nächsten Tat an der Siemensstraße am 27. Dezember tauchten die Räuber dann mit Pistole auf. Dort unterliefen Erencan K. zwei Fehler: Er stahl ein Smartphone, das kurze Zeit später im Stadtteil Zoo geortet wurde. Und er hinterließ einen Fingerabdruck.

Der Durchbruch gelang, als aufgrund der Handyortung ein Ermittler am Dienstag Bilder von jungen Straftätern aus Düsseltal und Zoo in der Polizeidatenbank durchsah. Und sie mit Videoaufzeichnungen aus den überfallenen Kiosken verglich. Dabei fiel sein Blick auf Erencan K., der schon wegen kleinerer Delikte vorbestraft ist. Der Abgleich der Fingerabdrücke brachte die Gewissheit: Der Abdruck vom Tatort stammt von dem 18-Jährigen.

Zivilpolizisten observierten daraufhin das Wohnhaus des jungen Mannes. Bis er um 18.10 Uhr ausgerechnet in jener auffälligen Collegejacke um die Ecke bog, die er auch bei mehreren Überfällen trug. Und in der Wohnung wurde die Waffe – eine harmlose Softairpistole – gefunden. Die Serie ist gestoppt. Keineswegs zu früh: Beim letzten Überfall am 11. Januar hatten die Täter nun auch Gewalt angewendet, eine Kioskinhaberin geschlagen.

Das Motiv: Erencan K. gibt an, Schulden zu haben

Erencan K. hat sechs Taten gestanden und seinen Komplizen Mehdi B. – ebenfalls 18 Jahre alt – verraten. Und der gestand dann auch den siebten Überfall. An zwei Taten soll zudem der erst 15 Jahre alte Sherif H. aus Meerbusch beteiligt gewesen sein. Während K. und B. wegen der Brutalität der Taten in U-Haft mussten, ist der Jugendliche wieder auf freiem Fuß.

Am 23. und 26. November wurde ein Kiosk an der Weseler Straße überfallen, am 27. Dezember einer an der Siemensstraße. Weitere Taten gab es am 29. Dezember (Golzheimer Straße), 2. (Nosthoffenstraße), 8. (Blücherstraße, Versuch) und 11. Januar (Oberrather Straße, Versuch).

Bei schwerem Raub mit Waffengewalt sieht das Strafgesetzbuch eine Strafe von nicht unter fünf Jahren Haft vor.

Zu seinem Motiv gab Erencan K. an, Schulden gehabt zu haben. Allerdings lag die Beute insgesamt im niedrigen vierstelligen Bereich. Nun drohen dem 18-Jährigen mehrere Jahre Haft. Die Eltern, sagt Stratmann, wussten von den Umtrieben nichts: „Aber man war auch nicht sehr verwundert.“

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