Die braunen Werbetafeln an der A 57 wurden 2003 erstmals beantragt. Doch passiert ist bis heute nichts.

So sieht der aktuelle Entwurf für das Touristikschild aus. Bei der Bezirksregierung ist er noch nicht angekommen. Grafik: Stadt Krefeld
So sieht der aktuelle Entwurf für das Touristikschild aus. Bei der Bezirksregierung ist er noch nicht angekommen. Grafik: Stadt Krefeld

So sieht der aktuelle Entwurf für das Touristikschild aus. Bei der Bezirksregierung ist er noch nicht angekommen. Grafik: Stadt Krefeld

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So sieht der aktuelle Entwurf für das Touristikschild aus. Bei der Bezirksregierung ist er noch nicht angekommen. Grafik: Stadt Krefeld

Krefeld. Im historischen Linn gehören Jubiläen aller Art ja quasi zum Alltag. Einen besonderen Anlass zum Feiern könnte es 2013 geben: Dann jähren sich vermutlich zum zehnten Mal die Anstrengungen der Linner, ein Touristikschild für die Autobahn zu bekommen.

2003 hat Museumschef Christoph Reichmann die braune Werbetafel erstmals beantragt. So weit reicht auch die Akte zurück, die bei der Bezirksregierung Düsseldorf über den Vorgang geführt wird. Dort spricht man liebevoll von RTH-Schildern – das steht für Richtlinien touristischer Hinweisbeschilderung.

„Seit 2009 hat die Stadt Krefeld uns nicht mehr geantwortet.“

Stefanie Paul, Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf

Größe und Braunton der Schilder sind exakt festgelegt. Vorschriften gibt es auch darüber, was wann und warum beschildert werden darf. Darüber entscheidet regelmäßig eine Beraterkommission aus Kulturhistorikern und Tourismusfachleuten. Das ist so umständlich, wie es klingt – und so zogen die ersten sechs Jahre ins Land.

Denn Reichmann und seine Mitstreiter von den Museumsfreunden hätten gern die Linner Museen auf dem Schild verewigt gesehen: die Burg, die einzigartige archäologische Sammlung und das Haus am Andreasmarkt, das nicht ohne Grund Deutsches Textilmuseum heißt.

Bei der Aufschrift „Museen Krefeld-Linn“ fehlte der Kommission jedoch „das spezielle Alleinstellungsmerkmal“, wie Stefanie Paul, Sprecherin der Bezirksregierung erklärt: „Es gibt so viele Museen in der Gegend.“

Zwar gebe es heute eine „gewisse Inflation“ bei den braunen Touristikschildern, gibt Museumschef Christoph Reichmann zu. Dennoch hält er ein Schild für Linn nach wie vor für sinnvoll: „Wir können Werbung gebrauchen.“ Und auch auf dem neuen Entwurf sei die Burg ja prominent abgebildet.

Wenn die A 57 ausgebaut wird, werden im Bereich Oppum/Linn Lärmschutzwände aufgebaut, die etwa sechs Meter hoch sind. Reichmann befürchtet, dass man die Burg Linn dann von der Autobahn gar nicht mehr sehen kann. „Ein Schild wäre dann doppelt wichtig. Dann sieht man wenigstens, dass dort etwas Interessantes ist.“

Wenn die A 57 ausgebaut wird, werden im Bereich Oppum/Linn Lärmschutzwände aufgebaut, die etwa sechs Meter hoch sind. Reichmann befürchtet, dass man die Burg Linn dann von der Autobahn gar nicht mehr sehen kann. „Ein Schild wäre dann doppelt wichtig. Dann sieht man wenigstens, dass dort etwas Interessantes ist.“

2009 beschloss daher der städtische Denkmalausschuss die Aufschrift „Historischer Stadtkern Linn“. Zwar ist auch das nicht wirklich ein Alleinstellungsmerkmal: Wikipedia listet für NRW insgesamt 88 historische Stadtkerne auf. Dennoch hätte ein solches Schild laut Paul „gute Erfolgsaussichten.“

Zweimal haben Ehrenamtler jeweils 5000 Euro gesammelt

Doch die Neugestaltung hatte einen unangenehmen Nebeneffekt: Teile der geplanten Finanzierung zerplatzten mit lautem Knall. Schließlich hatten die Museumsfreunde bereits 5000 Euro für das Schild gesammelt. Als die Museen vom Entwurf verschwanden, zogen sie ihr Angebot zurück – laut Vereinssatzung dürfen sie nur diese finanziell unterstützen.

Doch Christoph Reichmann gab nicht auf. Er bekniete die historischen Gruppen und Vereine in Linn, sich stattdessen für das Schild einzusetzen. Erneut trugen Ehrenamtliche 5000 Euro zusammen. Weitere 5000 Euro aus seinem Etat hatte zuvor Oberbürgermeister Gregor Kathstede zugesagt.

Die beiden Schilder kosten insgesamt 17 100 Euro

Das macht 10 000 Euro, reicht aber nicht aus, denn die beiden Schilder kosten laut Stadt insgesamt 17 100 Euro. Neben 5000 Euro pro Schild zahlt man über zwölf Jahre etwa 7000 Euro für Pflege und Wartung. „Das ist nicht ungewöhnlich“, sagt Stefanie Paul. Rein rechnerisch fehlen somit noch 7100 Euro, die wohl aus dem städtischen Schilder-Etat kommen sollten.

Doch 2009, nachdem der Denkmalausschuss einstimmig das neue Schild beschlossen hatte, endet die Geschichte plötzlich und unerwartet. Auch der Aktenordner bei der Bezirksregierung hat seither keinen Zuwachs bekommen. „Seit 2009 hat die Stadt uns nicht mehr geantwortet“, erklärt Stefanie Paul. „Die Stadt sollte uns den neuen Entwurf einfach mal schicken.“

Dass dies binnen 27 Monaten nicht geschehen ist, begründet Dirk Senger vom Krefelder Presseamt wie folgt: „Beim städtischen Finanzierungsanteil, der deutlich überwiegende Teil der Kosten, handelt es sich um eine freiwillige Leistung. Aufgrund der Haushaltslage ist diese Finanzierung seitens der Stadt leider zurzeit nicht möglich. Sobald die Finanzierungsfragen definitiv geklärt sind, wird die Verwaltung erneut die Bezirksregierung anschreiben, die neue Grafik vorstellen und die Finanzierungszusage erteilen.“

Das klingt so, als könnten die Linner 2013 tatsächlich ein Jubiläum feiern.

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