Rund 60 Menschen protestierten mit einem Schweigemarsch gegen die Schließung der Geburtshilfe.

Mit einem großen Transparent zogen rund 60 Krefelder in einem Schweigemarsch durch die Uerdinger Innenstadt.
Mit einem großen Transparent zogen rund 60 Krefelder in einem Schweigemarsch durch die Uerdinger Innenstadt.

Mit einem großen Transparent zogen rund 60 Krefelder in einem Schweigemarsch durch die Uerdinger Innenstadt.

Andreas Bischof

Mit einem großen Transparent zogen rund 60 Krefelder in einem Schweigemarsch durch die Uerdinger Innenstadt.

Krefeld. Die Stille ist beklemmender als jeder laute Protest. Rund 60 engagierte Menschen brechen am Samstag zum Schweigemarsch durch die Uerdinger Innenstadt auf. Sie wollen auf die Schließung der Geburtshilfe am Uerdinger St. Josefhospital aufmerksam machen. Auf der Kurfürstenstraße stoppt der Zug kurz vor dem Krankenhaus.

Einige Frauen tragen weiße Schilder um den Hals. Darauf ist ein schwarzes Grab mit einem toten Storch darin abgebildet. Die Botschaft: „Abschied für immer.“ Auf anderen Plakaten steht geschrieben: „500 gebürtige Krefelder im Jahr. – Egal? Frauengesundheit. – Egal? Recht auf Wahlfreiheit des Geburtsortes. – Egal?“ Auf anderen Transparenten ist zum Thema Storch zu lesen: „Ich bringe kein Geld, nur Kinder.“

Simone Philipsenburg-Benger ist Organisatorin des Schweigemarsches für den Kreisverband der Krefelder Hebammen. „Wir wollen heute auf die Situation aufmerksam machen, die sich für Krefeld ergibt. Es ist verheerend. Das können wir nicht einfach so hinnehmen.“

Beleghebamme Bärbel Ostermann zählt die letzten Stunden. „Um Null Uhr ist für mich hier Schluss. Ich werde künftig in Moers als Beleghebamme arbeiten.“

So manche Mutter würde den Hebammen überallhin folgen

Jessica Jansen ist mit ihren drei kleinen Kindern aus Hüls nach Uerdingen gekommen. „Ich habe alle im St. Josefshospital bekommen und mich dort immer wohl und gut aufgehoben gefühlt. Ich kenne alle Hebammen. Es war supertoll mit den Kleinen hier; auch im Stillcafé. Ich würde den Hebammen folgen, wenn ich noch ein Kind bekäme.“

Das St. Josefshospital hätte nach eigenen Angaben 800 Geburten pro Jahr haben müssen, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Seit 2008 gab es einen Negativtrend. Im Jahr 2011 waren es nur noch rund 500 Babys.

Mit der Schließung der Geburtshilfe zum 1. April ist eine 130 Jahre alte Tradition zu Ende gegangen.

Für Alexandra Kreuels ist das Aus der beliebten Abteilung fast ein Grund, kein Kind mehr zu bekommen. Ihre drei sind alle im Uerdinger Krankenhaus zur Welt gekommen. „Ich möchte heute Solidarität zeigen“, erklärt sie. „Ich bin über die Schließung sehr enttäuscht. Die Betreuung war immer sehr gut und familiär.“ Sabine Uhlig und ihr Sohn haben es vor zehn Monaten noch gerade geschafft. „Ich bin hier selbst schon geboren worden und wollt mein Kind hier auch gebären.“

Einer der begleitenden Polizisten ist selbst Uerdinger

Polizisten sichern den Schweigemarsch ab. Zwei sind besonders betroffen an diesem Morgen. Sie fühlen mit den Menschen. Frank Banduhn wurde selbst im Uerdinger Krankenhaus geboren, die Frau seines Kollegen Andreas Thoeren hat beide Kinder dort bekommen. „Die Schließung ist sehr schade“, sagen die beiden Polizeihauptkommissare. Ebenfalls beim Schweigemarsch dabei: Bezirksvorsteher Elmar Jakubowski.

Luitgard und Herbert Kamp stehen am Marktplatz und gucken wehmütig den stummen Protestanten hinterher. „Stück für Stück geht alles verloren“, sagen sie. „Wieder verschwindet eine lange Tradition.“

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