Über Kriegszeiten, Abschiede, Geschenke und Weihnachtsbäume.

WZ-Leser berichten über ihre besonderen Weihnachtserlebnisse.
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Doro Siewert

WZ-Leser berichten über ihre besonderen Weihnachtserlebnisse.

Krefeld. "Anfang Dezember 1949 wurde das Arbeitslager 72/36 im Südkaukasus geschlossen. Die letzten 400 Verschleppten aus Nieder- und Oberschlesien wurden zur endgültigen Heimfahrt vorbereitet, nachdem uns dieses jahrelang versprochen wurde. Mitte des Monats Dezember 1949 wurden wir dann in Viehwaggons gebracht. Die Fahrt ging über Baku, Russland und die Ukraine, Brest-Litowskj und durch das neue Polen nach Ostdeutschland. Umgestiegen in normale Personenzüge fuhren wir nach Heiligenstatt, wo wir am Nachmittag des 24.12.1949 ankamen. Es gab ein Überbrückungsgeld in Höhe von 30 Ostmark. Untergrebacht wurde ich mit circa 50 anderen Kameraden in einer Turnhalle mit Etagenbetten. Da keine Heiligabendstimmung aufkommen wollte, wurden die 30 Ostmark in alkoholische Getränke umgesetzt. Das Geld wäre einen Tag später ohnehin nichts mehr wert gewesen. Einen Tag später wurden wir mit Bussen über die Zonengrenze ins Heimkehrer-Lager "Friedland" gebracht. Vor dem Lager stand ein Zelt der Amerikaner und davor eine Frau in bunter Uniform. Sie lud uns ins Zelt ein, in dem es einen wunderbaren Kakao und hervorragende Kekse gab. So ein Getränk hatte ich seit Kindertagen nicht mehr bekommen. Ich danke der Heilsarmee noch heute dafür! Im Lager gab es danach Mittagessen und anschließend wurden wir vom amerikanischen Geheimdienst befragt, was wir alles gebaut hätten. Nachdem feststand, wo die meisten ihre Familien aufsuchen konnten, wurden die Fahrkarten angefordert. Viele wussten noch gar nicht, wo ihre Angehörigen, nachdem sie aus Schlesien vertrieben wurden, geblieben waren. Wer es wusste, war endlich drei Tage nach Heiligabend zusammen mit der Familie."

Harry Bindrich, Krefeld

"Wir kamen 1952 als Flüchtlinge aus dem Vogtland in den Westen ins Bergische Land, also meine Mutter, mein älterer Bruder und ich. Mein Vater war in Bautzen als politischer Häftling von 1949 bis 1956 inhaftiert. So waren das immer recht traurige Weihnachten! Nach verschiedenen Lageraufenthalten bekamen wir in einem Dort ind der Nähe von Wermelskirchen zwei Räume zugewiesen, einen Wohnraum unten bei den Wirtsleuten und eine Etage höher einen Schlafraum bei einem pensionierten Lehrerehepaar. Nach eigener Bescherung mit Tannenbaum und Schlitten darunter ging es zu der Lehrerfamilie hinauf. Sie saßen schon im festlich geschmückten Wohnzimmer, zusamen mit der Gemeindeschwester, einer Diakonisse! Ich musste nun ein Gedicht vor dem Tannenbaum aufsagen. Ich weiß noch genau, es war 'Weihnachten' von Joseph von Eichendorff. Dann bekam ich ein Buch mit Tiergeschichten und einen Teller mit Süßigkeiten. Anschließend wurden Weihnachtslieder gesungen, alle Strophen, der Lehrer war auch Organist in der evangelischen Dorfkirche, dazu drehte sich die Pyramide und das Räuchermännchen verströmte einen weihnachtlichen Duft. Ich denke immer wieder gerne an diese Zeit zurück, trotz Armut war sie für mein Leben prägend."

Carola Müller, 68 Jahre, Krefeld

„Es war das Jahr 1943, ich war 17 Jahre und wurde zum Kriegsdienst verpflichtet. Ich musste in einem Dortmunder Stahlwerk arbeiten. Sonst bekam man keine Lebensmittelkarten. In dem Stahlwerk arbeiteten Kriegsgefangene, Frauen und Männer aus Russland. Wir durften nicht mit ihnen sprechen. Es war kurz vor Weihnachten und unser Bäcker konnte noch Mehl auftreiben. Wir mussten lange anstehen, bekamen aber Brot und einen Kuchen. Mir war schon lange ein kleiner, schmächtiger junger Gefangener aufgefallen, der vor unserer kleinen Werkslokomotive hergehen musste um uns zu warnen. Da bin ich zu ihm gegangen – mit 17 hat man keine Angst – und gab ihm den Kuchen und ein kleines Geschenk. Er sah mich an und weinte. Ich weinte auch.“

Agnes Ahlmann, 88 Jahre, Krefeld

„Man, das war damals ein Weihnachtsfest für mich. Eine tolle Überraschung. Meine Mutter spielte im ganzen Hause den Weihnachtsmann für alle Kinder, auch für mich und meinen Bruder. Wir wohnten damals in Berlin-West. Mein Bruder bekam eine elektrische Eisenbahn mit Brücken, Stellwerk und so. Na und ich, knorke bok, einen strahlend weißen Kaufmannsladen aus Holz ganz gefüllt mit Attrappen, manche gefüllt mit Süßigkeiten. Aber das war komisch, nach einer Woche war mein Kaufmannsladen von der Bildfläche verschwunden, bis zum heutigen Tag, die Eisenbahn aber nicht! Ich war stinksauer, keine Erklärung, einfach nichts! Nach Jahrzehnten hörte ich ein Gespräch meiner Eltern unbewusst mit. Es gab vielleicht doch eine Erklärung: Unter unserer Wohnung waren Leute abgehauen, haben alles stehen und liegen lassen. Vielleicht war dieser Kaufmannsladen nur geliehen? Jedenfalls habe ich bis jetzt keine Erklärung bekommen.“

Margot Hirche-Grünauer, Krefeld

"Ich erinnere mich sehr an Weihnachten 1939, da war ja schon Krieg und ich hatte mir zu Weihnachten einen Puppensportwagen und eine Puppe gewünscht. Meine Eltern hatten mir diesen Wunsch noch erfüllen können. Durch Zufall fand ich den versteckten Puppenwagen mit Puppe in der Wohnung und bin einige Tage vor Weihnachten stolz draußen spazieren gegangen. Da ich Einzelkind war, wurde meine Mutter zu einer Berufsarbeit gezwungen und so war ich nach der Schule viel alleine zu Hause. Heiligabend habe ich mich natürlich sehr gefreut und das meinen Eltern erst in späteren Jahren erzählt. Meine Puppe Gisela besitze ich noch heute, hat auch einige Blessuren überstanden und sitzt bei mir auf der Couch."

Luise Eckardt-Moll, 83 Jahre, Krefeld

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