Vi-Kiong Song setzt in seinem Restaurant auf vegetarische Gerichte aus Gemüse, Tofu und Sojabohnen.

Vi-Kiong, Chris und Carmen Song (v.l.) bieten in ihrem Restaurant nur vegetarische Gerichte an.	Foto: A. Bischof
Vi-Kiong, Chris und Carmen Song (v.l.) bieten in ihrem Restaurant nur vegetarische Gerichte an. Foto: A. Bischof

Vi-Kiong, Chris und Carmen Song (v.l.) bieten in ihrem Restaurant nur vegetarische Gerichte an. Foto: A. Bischof

Bischof, Andreas (abi)

Vi-Kiong, Chris und Carmen Song (v.l.) bieten in ihrem Restaurant nur vegetarische Gerichte an. Foto: A. Bischof

Krefeld. Auf sein Fleisch verzichtet niemand gerne, zu beliebt sind Steaks, Filets und Currywurst. Doch es geht auch anders. Das beweist die Familie Song am Ostwall 216, denn dort betreiben die Willicher ihr vegetarisches Restaurant „Natur“. Kein Fleischgericht steht auf der Karte, ganz bewusst verzichtet die Familie auf Hähnchen, Schwein und Rind.

Und das, obwohl der vor kurzem herausgegebene „Fleischatlas 2013“ angibt, dass 85 Prozent der Deutschen täglich oder nahezu täglich Fleisch und Aufschnitt essen. Das macht 60 Kilogramm pro Kopf und Jahr.

Chris Song und sein Vater Vi-Kiong setzen dagegen auf Veggie-Fleisch. „Das ist ein Ersatz aus Tofu und Sojabohnen“, erklärt Chris Song. Je nach Zusammensetzung und Gewürzen wird daraus Ente, Hühnchen oder Garnele. Und schmeckt – wenn auch nicht identisch – doch sehr ähnlich, auch optisch ist es nicht weit vom Original entfernt. „Vielen meiner Freunden schmeckt es sogar besser“, sagt der 19-jährige Chris.

Beurteilen kann er selbst das nicht, schon seit seinem vierten Lebensjahr ist er Vegetarier. Auch seine Eltern verzichten auf Fleisch. Dabei will Chris das eigentlich gar nicht verzichten nennen. „Es gibt doch alles, selbst vegetarische Bratwurst. Und statt Döner esse ich einfach eine Salattasche.“

Andere zum Vegetarismus überreden will er trotzdem nicht. „Man kann ja niemanden zwingen“, sagt er. Es genüge schon, den eigenen Fleischkonsum zu reduzieren.

Die Ernährungsberaterin warnt: Fettige Wurst fördert Übergewicht

Der Atlas gibt an, wie viel Fleisch die Deutschen essen.

Der Fleischatlas 2013 ist herausgegeben worden von der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Bund für Umwelt und Naturschutz und der Monatszeitung „Le Monde diplomatique“.

Durchschnittlich 1094 Tiere verzehrt ein Deutscher in seinem Leben, darunter 46 Schweine und 945 Hühner. 85 Prozent der Deutschen essen täglich oder nahezu täglich Fleisch. 0,1 Prozent der Deutschen sind Veganer, ein Prozent der Männer Vegetarier, 2,2 Prozent der Frauen Vegetarierinnen.

Das sieht auch Andrea Stallmann, Ernährungsberaterin der deutschen Gesellschaft für Ernährung, so. „Wer zu viel Fleisch isst, bei dem kann sich der Harnsäurewert erhöhen“, erklärt sie. Viele äßen außerdem sehr fettiges Fleisch. „Kinderwurst zum Beispiel. Das fördert dann Übergewicht.“ Vegetarierin ist Stallmann nicht, jeden Tag Fleisch isst sie aber auch nicht. „Beim Einkauf ist es sinnvoll, darauf zu achten, wo es herkommt. Lieber weniger, aber dafür besser“, rät sie.

Chris Song und seine Familie beziehen ihr Veggie-Fleisch von einem bekannten Großhändler in den Niederlanden. Die Tofu- und Soja-Alternative soll auch die Umstellung auf eine vegetarische Ernährung erleichtern. „Wir wollen zeigen, dass die Ernährung dann nicht nur aus Gemüse besteht. Vegetarismus ist gesund und schmeckt“, ist Chris überzeugt. Er selber trinkt Protein-Shakes als Ausgleich, laut Ernährungsberaterin ist das aber nicht zwingend.

„Auch durch pflanzliche Lebensmittel kann man hochwertiges Eiweiß gewinnen. Zum Beispiel Getreideeiweiß oder Eiweiß aus Hülsenfrüchten“, erklärt Andrea Stallmann. „Es muss keinen Mangel geben.“ Anders sei das bei Veganern, die auf jegliche tierische Produkte – also auch auf Milchprodukte – verzichten. „Die müssen schon bewusst auswählen, um genügend Vitamine und Mineralstoffe zu sich zu nehmen“, sagt die Expertin.

„Die Nachfrage nach veganem Essen ist bei uns sogar größer als nach vegetarischem“, berichtet Chris Song. Denn obwohl man vegetarische Gerichte heute in vielen Restaurants findet, gilt das für veganes Essen nicht. Die Chancen in dem Imbiss der Songs sind dagegen gut – denn wer schon auf Fleisch verzichtet, der kocht auch problemlos ohne Milch und Eier.

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