Das Arbeitslosenzentrum bietet eine Begleitung zum Jobcenter an. Ehrenamtler helfen Menschen, zu ihrem Recht zu kommen.

Jo Greyn ist der Leiter des Arbeitslosenzentrums.
Jo Greyn ist der Leiter des Arbeitslosenzentrums.

Jo Greyn ist der Leiter des Arbeitslosenzentrums.

Dirk Jochmann

Jo Greyn ist der Leiter des Arbeitslosenzentrums.

Krefeld. Das Kopfschütteln ist die wohl häufigste Reaktion bei dem 50. Treffen der zehn Mitglieder des Erstkontakterkreises im Arbeitslosenzentrum (ALZ) am Westwall. Schon seit 2006 begleiten die Ehrenamtler auf Wunsch Leistungsempfänger zum Jobcenter. Und sie wundern sich noch immer darüber, mit welcher Selbstverständlichkeit tagtäglich Unrecht durch ungerechtfertigte Leistungsminderungen geschehe. „Über 50 Prozent aller Rechtsfälle gehen zugunsten der Kläger aus“, so ein Begleiter, der beruflich im Recht zu Hause ist.

Begleiter beklagen diskriminierende Behandlung von Arbeitslosen

Jo Greyn, Leiter des ALZ: „Nach 13 Jahren Tätigkeit bin ich immer noch fassungslos, dass diese Zustände geduldet werden.“ Zwar habe sich der Umgang der Sachbearbeiter und Teamleiter mit den Antragstellern in den vergangenen Jahren gebessert, aber noch immer seien Inkompetenz in Sachfragen und unfreundliche bis diskriminierende Behandlungen an der Tagesordnung, beklagen die Begleiter. Das betreffe allerdings nur einen Teil des Personals, dessen Eignung und Ausbildung zu wünschen übrig lasse.

Sie berichten anhand vieler Beispiele von Erlebnissen aus dem Alltag. Aktuelles Beispiel: Einer Leistungsempfängerin wurde der Mietanteil gekürzt und ihr wurde unterstellt, dass sie kostenfrei im elterlichen Haus wohnt, obwohl sie Miete zahlt. Eine Begleiterin: „Mitunter werden die Arbeitslosen regelrecht drangsaliert, obwohl ihnen die Leistungen per Gesetz zustehen.“

Werner Fleuren, der die Begleiter beim ALZ betreut, ist sich sicher: „Allein schon die Präsenz der Begleiter, die bewusst eine zurückhaltende Position einnehmen, hat eine positive Wirkung.“ Die Sachbearbeiter seien zumeist umgänglicher und die Bearbeitung der Anträge erfolge schneller. Zur Not sorgten auch offizielle Beschwerden bei Teamleitung oder Beschwerdestelle für einen angemesseneren Umgangston.

Die Begleiter sollen und wollen vor allem ausgleichend zwischen den Parteien wirken. Manche kommen auf 30 Einsätze im Jahr. Deshalb werden sie regelmäßig geschult, unter anderem in Gesprächsführung und mittels eines Deeskalationstrainings. Eine Begleiterin meint, dass man auch die Lage eines Arbeitslosen vor Augen haben müsse, dessen heile Welt zusammenbricht. In diesen emotionalen Situationen rutsche auch einmal ein unbedachtes Wort heraus. Schon im Vorgespräch mit dem Klienten spreche man dies an.

Einige der Begleiter haben solche Situationen als Arbeitsloser selber erlebt, andere sind in sozialen Organisationen tätig.

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