Manfred Dohm ist als Sohn des Zirkuspaares „Die zwei Ericks“ in der Manege groß geworden. In der WZ erinnert er sich.

Inrath
Großbild Bischof, Andreas (abi), Bild 1 von 5

Als „Störenfried“ musste er absichtlich die falschen Töne blasen.

Krefeld. Am 18. November 1950 war Manfred Dohm schon einmal in der WZ. Als damals Fünfjähriger hat er in Harry Piels Film „Der Tiger Akbar - Panik im Zirkus Williams“ einen Clown gespielt. Täglich ist der Krefelder für die Dreharbeiten mit seinem Vater, auch einem Clown, nach Köln gefahren. Den Ausweis, der ihn berechtigte den Drehort zu betreten, hat er noch heute – unterschrieben von Kinderhand. „Da hätte ich auch gleich drei X machen können“ , sagt er und lacht.

Als Dreijähriger hat er schon seine Eltern in der Manege unterstützt

Die WZ-Ausgabe von damals bewahrt der 66-Jährige mit anderen Erinnerungsstücken auf. Viele Fotos zeigen ihn als kleinen Jungen mit Theaterschminke im Gesicht, im Hintergrund immer ein anderes Zirkuszelt, neben ihm sein Vater mit Melone auf dem Kopf und roter Clownsnase. „Meine Eltern sind früher als ’Die zwei Ericks’ unterwegs gewesen, immer mit einem anderen Zirkus“, erzählt Dohm. Schon im Kleinkindalter wurde er in die Auftritte seiner Eltern mit einbezogen. „Als ich drei Jahre alt war, bekam ich ein Tenorhorn. Wenn mein Vater als dummer August seinen Auftritt hatte, musste ich auf dem Instrument falsche Töne spielen und seine Show damit stören. Das brachte dann alle zum Lachen“, erinnert er sich. Dass er das Instrument gar nicht spielen konnte und ohnehin nur falsche Töne erzeugte, kam ihm dabei entgegen.

Den Zirkus hat Manfred Dohm im Blut. Sein leiblicher Vater war Artist, hat ihn aber gleich nach der Geburt ins Heim gegeben. Und dort haben ihn dann „Die zwei Ericks“ rausgeholt. Ab da war er von Frühjahr bis Herbst mit den Eltern unterwegs, im Winter kehrten sie zurück in die Krefelder Wohnung in der Nähe des Eisstadions. An die Nächte im Wohnwagen erinnert er sich gerne: „Pech war immer nur, wenn der eigene Wagen neben den Löwen stand, die brüllten so laut.“ Und je älter er wurde, desto umfangreicher wurde auch sein Part im Programm.

Mit sechs musste sich Dohm aber vom fahrenden Volk verabschieden, dann ging es in die Schule. „Meinen Eltern war es wichtig, dass ich immer dieselbe Schule besuchte.“ Von da ab verdienten die Eltern auf Jubiläen, Betriebs- oder Weihnachtsfeiern ihr Geld. Dann mit einer Akrobatik-Nummer auf mehreren Tischen und Stühlen, die übereinandergestapelt wurden. „Wir waren einer Agentur angeschlossen, die uns vermittelte.“ Oft hatten sie Auftritte in der Königsburg, aber sie sind auch bis nach Stuttgart gefahren.

Nach der Schule hat Manfred Dohm unter der Anleitung seines Vaters trainiert – Muskelaufbau. Nach einigen Jahren konnte er die Show seiner Eltern als Equilibrist, als Gleichgewichtskünstler unterstützen. Trepp auf, Trepp ab, auf Stühle und Tische kletterte der Jugendliche – alles im Handstand. „Meinen Lehrern und Klassenkameraden musste ich das immer vorführen, die haben es mir sonst nicht geglaubt.“

Der Vater war sein Förderer und Antrieb

Haben auch Sie Lust bekommen, mal in Ihrem Familienalbum zu stöbern? Dann schicken Sie uns doch Ihre Bilder per Post an die Westdeutsche Zeitung, Stadtteil-Zeitung, Rheinstraße 76 in 47799 Krefeld. Nach der Veröffentlichung bekommen alle Teilnehmer ihre Bilder wieder zurück. Sie können ihre Fotos auch mailen: stadtteile.krefeld@westdeutsche-zeitung.de
 

Eigentlich wäre Dohm gerne Artist geblieben. Doch es kam anders. „Als mein Vater plötzlich verstarb, war die Zeit vorbei.“ Da war er 14. Die Mutter nahm eine Stelle als Requisiteurin im Stadttheater an, Dohm fing eine Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten an. „Und über meine Mutter bin ich dann auch an Rollen im Stadttheater gekommen.“ Viele rieten ihm, nach der Ausbildung zur Schauspielschule nach Bochum zu gehen. „Mein Vater hat mich immer sehr gefördert. Als er starb, fehlte mir der Antrieb. Darum ist daraus nichts geworden.“

Stattdessen hat er sich eine Versicherungsagentur aufgebaut. Den Weg, den er eingeschlagen hat, bereut er nicht. Dennoch erinnert er sich immer gerne an seine Zeit im Zirkus. Mit seinem beiden Kindern, die heute erwachsen sind und selber Kinder haben, hat er keinen Zirkus, der in die Stadt kam, ausgelassen.

Leserkommentare