Von Benjamin Schruff
Dekosolo ist eine Ein-Mann-Cover-Band. Er spielt Lieder aus Disco, Pop, Folk und Rock. Den Songs verpasst er dabei seinen ganz eigenen Klang.
Dekosolo in seinem Proberaum – hier musiziert er etwa jeden zweiten Tag rund eine Stunde.
Krefeld. Den hochhaushohen Harmoniegesang von Agnetha und Anni-Frid kann Dekosolo mit seinen 46 Jahre alten Stimmbändern nicht imitieren. Auch die ausgefeilten Arrangements von Benny und Björn kann er mit seiner Gitarre und seinen beiden Effektgeräten nicht reproduzieren. Aber obwohl der funkelnde Diskokugel-Sound von Abba außerhalb seiner Möglichkeiten liegt, bringt auch Dekosolo die „Dancing Queen“ zum Tanzen.
Er spielt den Song mit geschlossenen Augen, nur hin und wieder schielt er zu seinem Notenständer, auf dem ein handgeschriebenes Textblatt liegt. „Natürlich ist das schwer“, sagt er, nachdem er den letzten Akkord geschlagen hat. „Aber das ist auch unglaublich toll!“ Und genau das sei auch das entscheidende Kriterium dafür, einen Song in sein Repertoire aufzunehmen: „Er muss mir gefallen.“
Obwohl er mit seiner „Dancing Queen“ beachtlichen Mut bewiesen hat – Dekosolo weiß auch was Demut ist: „Es gibt Songs, die ich wirklich gerne mag aber niemals covern würde.“ „Hotel California“ von den Eagles sei so ein Lied, „Bohemian Rhapsody“ von Queen auch: „Das wäre Frevel.“ Zu den Original-Versionen gebe es nämlich einfach nichts hinzufügen.
Trotz dieser vereinzelten Tabus, der Fundus, aus dem Dekosolo schöpfen kann, ist immer noch groß genug, bedient er sich doch bei Disco, Pop, Folk und Rock. Rund 100 Songs hat er im Programm, von denen einige allerdings „etwas eingerostet sind“.
Damit der Rost nicht Überhand nimmt, zieht sich Dekosolo regelmäßig zum Üben zurück. Meist in seiner Mittagspause, denn die Musik ist nur sein Hobby, sein Beruf ist Elektrotechniker. Seine Kunden kennen ihn unter dem Namen Dietmar Kohze. Sein Geschäft befindet sich direkt unter seinem Proberaum, schwappt sogar ein wenig hinein – Lichtschalter liegen in den Ecken und Stehlampen lehnen an den Wänden. Aber in der Mitte des Zimmers hat er auf einem roten Teppich sein Equipment aufgebaut: Ein Mikrofon, eine Mundharmonika, eine Ukulele, eine Gitarre, einen Harmonizer und eine Loop-Station.
Dekosolo hat bisher vor allem auf Pfarr- und Stadtteilfesten gespielt, ist aber auf der Suche nach Auftritten.
Die beiden Effektgeräte nutzt er dazu, seinen Sound „etwas anzudicken“. Mit dem Harmonizer kann er seine Stimme doppeln, so dass er klingt wie Dekosolo plus Background-Sänger. Mit der Loop-Station kann er Akkorde aufnehmen und als Dauerschleife laufen lassen, während er mit seiner Gitarre neue Rhythmen anstimmt.
Schräge Version von „Psycho Killer“ auf der Ukulele
Diese technischen Tricks setzt er aber sparsam ein. Die halbakustische Gitarre bleibt sein wichtigstes Instrument. Auch Mundharmonika und Ukulele verwendet er nur selten, wobei Letztere bei „Psycho Killer“ von den Talking Heads die Waffe seiner Wahl ist: „Damit klingt das schön schräg.“
Ebenfalls ein wenig schräg klingt seine Version von „Walk on the Wild Side“. Den lakonischen Gesang von Lou Reed hat er drauf, auch die Akkorde bringt er akkurat. Trotzdem hat er ein entscheidendes Handicap: Er besitzt keinen Bass. Und das macht es schwierig, einen Song nachzuspielen, der auf einer der berühmtesten Basslinien der Musikgeschichte basiert. Aber er arbeitet daran: „Die Basslinie müsste ich irgendwie auf die Loop-Station bekommen, damit die im Hintergrund mitläuft.“
Er ist zuversichtlich, dass er das noch hinkriegt. Und wenn ein Song überhaupt nicht funktioniert, hat er immer noch seine Frau, eine harte aber ehrliche Kritikerin. Das letzte Mal äußerte sie sich, als er „Rock DJ“ von Robbie Williams probte: „Lass es!“


