Im Betrieb von Rudolf Weißert arbeiten Frau und Kinder mit. Die wollen die Bäckerei der Eltern einmal übernehmen.

Forstwald
Großbild Andreas Bischof

Familie Weißert in der Backstube: Marlies und Rudolf mit den Kindern Christian und Christina.

Krefeld-Forstwald. Wie der Vater so der Sohn, wie die Mutter so die Tochter – danach sieht es derzeit in der Familienbäckerei Weißert an der Hückelsmaystraße aus. Denn Christian Weißert (22) will seinem Vater Rudolf (57) in die Backstube folgen und Christina Weißert (26) zieht es wie Mutter Marlies (57) in den Verkauf. In einigen Jahren wollen die Geschwister gemeinsam den elterlichen Betrieb übernehmen – der Sohn als Bäcker, die Tochter als Verkäuferin und im Büro. „Früher wurden Bäckereien traditionell von einem Ehepaar geführt, und so ist es bei meiner Frau und mir ja auch. Wir fänden es aber toll, wenn uns unsere Kinder tatsächlich als Geschwisterpaar nachfolgen“, sagt Rudolf Weißert.

Weißerts Eltern haben den Betrieb 1960 gebaut

Seine Frau und er seien freudig überrascht, dass die Kinder diesen Weg gehen wollen. Danach sah es lange nicht aus. Tochter Christina hat eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht, Sohn Christian ist bereits ausgebildeter Koch. „Erst wollte ich nicht Bäcker werden, aber jetzt habe ich doch noch eine Ausbildung bei meinem Vater dran gehängt“, erzählt der 22-Jährige. „Der Bäckerberuf war bei ihm Liebe auf den zweiten Blick“, fügt Rudolf Weißert hinzu.

„In Zukunft wird es immer schwerer, nur mit Backwaren zu überleben.“
Christian Weißert

Er freut sich, dass die Kinder die Familientradition weiterführen wollen, denn bei den Weißerts liegt die Freude am Backen nicht nur in der Zukunft, sondern auch in der Vergangenheit. Rudolf Weißerts Eltern haben den Betrieb an der Hückelsmaystraße 1960 gebaut und waren sehr unglücklich, als sie erfuhren, dass beide Söhne Bäcker werden wollten – schließlich hatten sie nur einen Betrieb weiterzugeben. Den bekam Rudolf Weißert als älterer Bruder. Der acht Jahre jünger Holger Weißert lernte genau wie Rudolf im Familienbetrieb, machte dann aber eine eigenständige Bäckerei an der Inrather Straße auf, die bald ihr 25-jähriges Jubiläum feiert.

Momentan werden die beiden Betriebe unabhängig voneinander geführt, doch das könnte sich nach der Übernahme durch die jüngere Generation ändern. Christian Weißert denkt bereits darüber nach, wie eine Kooperation mit seinem Cousin, dem Sohn und Konditorlehrling von Holger Weißert, aussehen könnte. „In Zukunft wird es immer schwerer, nur mit Backwaren zu überleben, deshalb suche ich nach Möglichkeiten“, erzählt er. „Ich will zum Beispiel meine Kochausbildung nutzen und mir ein zweites Standbein aufbauen, indem ich hier in der Bäckerei beide Berufe kombiniere.“

Den Eltern gefallen die Pläne des Sohnes, denn sie merken, dass es kleine Bäcker immer schwerer haben. „Man muss mit der Zeit gehen und neue Entwicklungen zulassen“, sagt Rudolf Weißert. „Ich habe mich früher zum Beispiel vehement dagegen gewehrt sonntags zu backen, aber seit eineinhalb Jahren mache ich es doch – auch als Perspektive für später.“

Von rund 300 Kunden am Tag sind 60 Prozent Stammkunden

Zu seinen Spezialitäten zählt Rudolf Weißert außer den Grillagetorten und den Wochenendstuten das Holzofenbrot, das er dienstags, freitags und samstags mit Buchenholz backt.
 

Dienstags bis freitags von 6.30 bis 18 Uhr, samstags von 6.30 bis 13 Uhr, sonntags von 7.30 bis 11 Uhr und 13.30 bis 15.30 Uhr. Montag ist Ruhetag.
 

Adresse: Hückelsmaystraße 342, 47804 Krefeld; Telefon: 31 25 26.
 

Trotz der vielen Ketten laufe der Laden aber noch gut, betont Rudolf Weißert, der auch Vorstand der niederrheinischen Bäcker-Innung Krefeld-Viersen ist. „Wir haben zwischen 200 und 300 Kunden am Tag “, sagt er. Zum einen sei da die Laufkundschaft, die nach Erzählungen seiner Frau gerne auf den Haltestreifen vor der Tür parkt und kurz in die Bäckerei springt, wenn die Bahnschranke mal wieder unten ist. „Und dann haben wir noch gut 60 Prozent Stammkunden , die schon richtig dazugehören.“

Auf die familiäre Atmosphäre in der Bäckerei sind die Weißerts stolz - sowohl in Bezug auf die Kunden und die Mitarbeiter als auch mit Blick auf ihre eigene Ehe: „Es gibt bestimmt nicht viele Paare, die sich seit 40 Jahren zwischen zehn und zwölf Stunden sehen und sich noch nicht umgebracht haben“, sagt Marlies Weißert und lacht.

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