Langjähriger Mitarbeiter zeigt seine Arbeitgeber wegen fahrlässiger Tötung von 15 Bewohnern des Altenheims St. Josef an.

Die Qualität der Pflege alter Menschen (hier ein Symbolbild) ist Gegenstand der Vorwürfe, mit denen ein Heimmitarbeiter die Caritas konfrontiert.
Die Qualität der Pflege alter Menschen (hier ein Symbolbild) ist Gegenstand der Vorwürfe, mit denen ein Heimmitarbeiter die Caritas konfrontiert.

Die Qualität der Pflege alter Menschen (hier ein Symbolbild) ist Gegenstand der Vorwürfe, mit denen ein Heimmitarbeiter die Caritas konfrontiert.

dpa

Die Qualität der Pflege alter Menschen (hier ein Symbolbild) ist Gegenstand der Vorwürfe, mit denen ein Heimmitarbeiter die Caritas konfrontiert.

Krefeld. Er würde seine Schwiegermutter ohne Bedenken in die Obhut dieses Heimes geben. Hans-Georg Liegener, Geschäftsführer der Krefeder Caritas-Häuser, betonte gestern, welches Vertrauen er in das Altenheim St. Josef habe. Vertrauen, welches ein Pfleger, offensichtlich verloren hat. Der 61-jährige Mitarbeiter beschuldigt die Einrichtung an der Tannenstraße im Düsseldorfer „Express“, den Tod von 15 Bewohnern fahrlässig herbeigeführt zu haben. Eine entsprechende Anzeige liegt bei der Staatsanwaltschaft Krefeld vor und wird derzeit geprüft.

Caritas: Keine Defizite bei Betreuung oder Zahl der Angestellten

Die Heimleitung wies am Dienstag jegliche Schuld an den Todesfällen von sich, räumte aber ein, dass 2012 verhältnismäßig viele Menschen in St. Josef gestorben sind. Die Leitung verzeichnete 49 Todesfälle, in den beiden Vorjahren waren es 37 und 32. Hans-Georg Liegener erklärte jedoch: „Das ist keine ungewöhnliche Schwankung.“ Weder in der Betreuung noch bei der Zahl der Angestellten gebe es Defizite.

Unter anderem geht es um den Tod einer 101-Jährigen, die mit ihrem Rollstuhl eine Treppe heruntergestürzt und später im Krankenhaus gestorben ist. Liegener: „Wir hatten bei dieser Bewohnerin lediglich die Erlaubnis zur Fixierung, nicht die Verpflichtung.“ So ein Unglück sei tragisch, könne aber passieren. Auch in anderen Fällen soll es um schwere Stürze mit Todesfolge gehen.

Medizinischer Dienst hat elf der 15 Todesfälle bereits untersucht

Elf der 15 Todesfälle habe bereits der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) geprüft, den die Stadt als Heimaufsicht zu einer sogenannten „anlassbezogenen Prüfung“ in die Caritas-Einrichtung geschickt hatte. Das Ergebnis wurde dem Heim bislang nur mündlich mitgeteilt. Liegener: „Der MDK hat um drei Nachbesserungen gebeten, aber keine schwerwiegenden Mängel mitgeteilt.“

Bei den Versäumnissen sei es auch um Sturzprävention gegangen. Unter anderem hatte das Heim vergessen, einer Bewohnerin sogenannte „Stoppersocken“ anzuziehen, damit diese nicht aus ihren Schuhen rutscht.

Die Vorwürfe des Pflegers gehen deutlich über solche Versäumnisse hinaus. Geschäftsführer Horst Huber hatte mit dem langjährigen Mitarbeiter bereits Mitte November über die 15 strittigen Fälle gesprochen. „Ich dachte eigentlich, er hätte unsere Sicht der Dinge verstanden“, sagte Huber. Die Anzeige sei für alle sehr überraschend gekommen, zumal der Pfleger seit 23 Jahren in dem Krefelder Haus arbeitet – und bis heute angestellt ist.

Im Rahmen der gestrigen Pressekonferenz machte die Geschäftsführung auch einen Todesfall aus dem Fischelner Caritasheim Sassenhof öffentlich. Eine Bewohnerin hatte sich am 31. Oktober versehentlich mit dem Haltegurt ihres Rollstuhls erdrosselt. Das Personal habe versucht, die Todesursache zu verschleiern, weshalb eine Mitarbeiterin entlassen wurde.

Anzeige

 

Leserkommentare (3)


() Registrierte Nutzer