Von Karl-Gerhard Deußen
Am Dienstag war im Krefelder Werk Produktionsstart der Nahverkehrszüge für die russische Bahn.
Symbolischer Knopfdruck zum Produktionsstart eines 580-Millionen-Projekts (v.l.): Siemens-Chef Peter Löscher, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, Siemens-Mobility-Chef Hans-Jörg Grundmann und Vladimir Yakunin, Präsident der Russischen Eisenbahnen, in einer Werkshalle im Siemens-Werk Uerdingen.
Krefeld. Für Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer war es eine Premiere. Zum ersten Mal besuchte er den Siemens-Standort in Uerdingen an der Duisburger Straße. Er war gekommen, um einen Knopf zu drücken – zusammen mit Vladimir Yakunin, Präsident der Russischen Eisenbahnen (RZD) , mit Siemens-Chef Peter Löscher und dem Geschäftsführer der Siemens-Division Mobility, Hans-Jörg Grundmann.
Mit dem symbolischen Knopfdruck war der Produktionsstart für insgesamt 54 Regionalzüge vom Typ Desiro RUS verbunden. Diese Züge können bis zu 160 km/h schnell fahren und werden in Russland „Lastochka“ – die kleine Schwalbe – genannt.
Die Regionalzüge fahren bei den Olympischen Winterspielen 2014
38 werden in Uerdingen hergestellt und sollen im Herbst 2013 im russischen Sotschi in Betrieb gehen – dort, wo die Olympischen Winterspiele 2014 stattfinden. 16 weitere sollen von Siemens im Rahmen einer zunehmenden Lokalisierung der Zugfertigung in Russland gebaut werden, wahrscheinlich mit einem dort beheimateten Partner als Gemeinschaftsunternehmen. Das Gesamtvolumen des Vertrags zwischen RZD und Siemens aus dem Jahr 2009 liegt bei 580 Millionen Euro.
Damit folgt die „kleine Schwalbe“ dem „Wanderfalken“: „Sapsan“ nennen die Russen den Velaro RUS, den Super-Hochgeschwindigkeitszug aus Uerdingen (über 300 km/h). Der fährt bereits seit Ende 2009 auf der Strecke zwischen Moskau und St. Petersburg. „Schwalbe“ und „Wanderfalke“ werden auch wohl nicht die letzten Züge sein, die Siemens für die Russischen Eisenbahnen bauen wird. Mit 88 000 Kilometern Länge hat Russland nach den USA das zweitgrößte Schienennetz weltweit. Im Jahr 2008 hat Ministerpräsident Wladimir Putin ein Eisenbahn- und Infrastruktur-Entwicklungsprogramm mit einem Investitionsvolumen von 300 Milliarden Euro bis 2030 bewilligt.
Siemens Mobility hat in den vergangenen Jahren einige wichtige Aufträge für knapp zwei Milliarden Euro gewinnen können und ist heute nach eigener Aussage der erfolgreichste nicht-russische Anbieter im größten Flächenstaat der Welt. Von daher benutzte Siemens-Chef Peter Löscher gern das Bild, dass die „kleine Schwalbe“ Krefeld mit Sotschi verbinden wird.
Im Rahmen des gestrigen Produktionsstarts des Desiro RUS erfuhr die WZ Neues vom ICx, den Siemens für die Deutsche Bahn bauen wird. Er wird nicht auf der Plattform des Siemens-Super-Hochgeschwindigkeitszuges Velaro gebaut, da er dessen Geschwindigkeit nicht zu erreichen braucht (über 300 km/h).
Gewünscht ist von der Bahn ein Tempo zwischen 200 und 250 km/h. Für den neuen ICx wird Siemens ein komplett neues Zugsystem anfertigen. Ab 2013 wird der ICx gebaut.
Yakunin betonte, dass der gestrige Produktionsstart der Grundstein für eine prinzipielle Veränderung der russischen Regionalzüge darstelle: Sie werden komfortabel, energieeffizient und ökologisch im Sinne des Klimaschutzes. Das Projekt Desiro RUS schaffe neue Arbeitsplätze in Deutschland und Russland und sei der Beginn eines langen Weges in seinem Land.
Minister Ramsauer, der Sotschi als 18-Jähriger kennengelernt hat, weiß um den weltweit wachsenden Bedarf an Eisenbahnprodukten und zuverlässigen Technologien, wie Siemens sie anbietet. „Das Projekt Desiro RUS ist ein Leuchtturmprojekt für deutsch-russische Zusammenarbeit.“



