Von Karl-Gerhard Deußen
mit einem Kommentar von Karl-Gerhard Deußen
Vertreter des finnischen Konzerns Outokumpu sind in Krefeld. Verhandelt wird jetzt täglich.
Tor 2 von Thyssen-Krupp Nirosta mit IG-Metall-Fahnen: Am Freitag starten hier die Busse zur Kundgebung.
Krefeld. Der Titel sagt alles: Unter der Überschrift „Alarmstufe Rot“ ruft die IG Metall zur Teilnahme an der zentralen Großkundgebung am Freitag um fünf vor zwölf in Bochum auf. Dort werden Tausende von Stahlarbeitern erwartet, nicht nur aus den massiv bedrohten Thyssen-Krupp-Nirosta-Standorten Krefeld und Bochum, sondern auch aus anderen Städten und von anderen Unternehmen. Die Solidarität im Ruhrgebiet für die betroffenen Kollegen ist groß. Aus Krefeld werden Busse mit Nirosta-Beschäftigten zur Kundgebung erwartet. Mittwochmorgen um 8 Uhr soll in einer Koordinierungsrunde geklärt werden, wie viele Busse gebraucht werden.
Die Gewerkschaft befürchtet bei Verkauf massive Einschnitte
Laut IG Metall verdichten sich die Anzeichen für einen Verkauf der Edelstahlsparte von Thyssen-Krupp mit dem Namen Inoxum an den finnischen Konkurrenten Outokumpu. Gewerkschaft und Betriebsräte sind deshalb höchst beunruhigt: Sie befürchten, dass der Verkauf der Edelstahlsparte mit massiven Einschnitten für die Nirosta-Mitarbeiter einher gehen könnte: betriebsbedingte Kündigungen, Werksschließungen, Nichteinhalten der Vereinbarungen zwischen dem Thyssen-Krupp-Konzern und der IG Metall zur Trennung von Inoxum vom Mutterkonzern (die WZ berichtete).
Dienstagmittag um 12 Uhr, eine Stunde früher als zunächst vorgesehen, ist eine Delegation von Outokumpu in der Nirosta-Hauptverwaltung an der Oberschlesienstraße zu Gesprächen eingetroffen. Betriebsrat und IG Metall sprachen danach von schwierigen Gesprächen, die am Donnerstag fortgesetzt werden. Dienstag wurden die jeweiligen Positionen vorgestellt. Konkrete Ergebnisse gab es nicht. Der Betriebsrat informierte die Kollegen dann mit einem Schnellinfo. Inhalt u.a.: „Nach dem Gespräch steht fest: Unsere Befürchtungen sind berechtigt.“ Das Info ging auch zu dem vor Tor 2 installierten Bauwagen der IG Metall, der vor allem bei den Schichtwechseln von den Stahlarbeitern rege besucht wird.
Nach Oberbürgermeister Gregor Kathstede hat Dienstag auch der Krefelder SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Hahnen, der auch Mitglied des Landtages ist, an Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger geschrieben. Er fordert in dem offenen Brief u.a., dass keine betriebsbedingten Kündigungen erfolgen, dass die Flüssigphase in Krefeld erhalten und der geplante Umzug der Mitarbeiter aus Düsseldorf-Benrath nach Krefeld mit einer Investitionssumme von knapp 250 Millionen Euro beibehalten werde. Hahnen erinnert auch daran, dass Land und Bund 8,8 Millionen Euro in die Forschung und Entwicklung im Bereich der Krefelder Bandgießanlage zugesagt beziehungsweise bereits geleistet hätten.
Angesichts der Verkaufsgespräche zwischen Thyssen-Krupp und Outokumpu fordert die Gewerkschaft: „Keine betriebsbedingten Kündigungen. Zukunft und Beschäftigung sowie die Einhaltung der Vereinbarungen von Stainless Plus müssen gelten. Keine Schließung von Standorten.“
Die IG Metall rechnet bei Schließungen der Flüssigphasen an den Standorten Krefeld und Bochum wegen der weltweiten Überkapazitäten kurzfristig mit dem Verlust von bis zu 1000 Arbeitsplätzen, 500 davon in Krefeld. Langfristig könnten bis zu 2500 Arbeitsplätze in Deutschland in Gefahr sein, heißt es.
Kommentar
Nirosta - Das Misstrauen hat Geschichte
Die Sorgen des Betriebsrates zum geplanten Verkauf an das finnische Unternehmen Outokumpu basieren auch auf Erfahrung: 2003 hat Thyssen-Krupp den Quarto-Bereich (grobe Bleche) an die Finnen verkauft. Es folgten die üblichen Beteuerungen. mehr



