Von Stephanie Traichel
Schülern werden künftig moderne Versuchsgeräte gestellt, um sie mehr für die wissenschaftlichen Berufe zu begeistern.
Kreis Mettmann. Emsig bearbeiten Nils und Julian die Flüssigkeiten in den Glasbehältern, stecken eine Elektrode hinein und beobachten gespannt den Monitor vor sich."Wir können den PH-Wert ablesen und daraus die Leitungsfähigkeit verschiedener Flüssigkeiten bestimmen", sagt Julian.
In der Stimme des 15-Jährigen schwingt Begeisterung. "Chemie macht einfach Spaß. Aber in der Schule reicht die Zeit einfach nicht." Drei Stunden pro Woche haben die beiden Zehntklässler ihr Lieblingsfach am Konrad-Heresbach-Gymnasium in Mettmann. Zu wenig, wie sie meinen. "Da kommen vor allem die Versuche zu kurz."
Das soll sich nun ändern. Nein, nicht die Stundenzahl wird erhöht, sondern eigens ein Labor aufgebaut, an dem Schüler künftig nach der Schule forschen können.
Das so genannte NEAnderLab wird am Berufskolleg Hilden entstehen. Dort sollen ab 2009 Mittelstufenschüler unter Anleitung tüfteln können. Hintergrund für dieses Projekt ist der Fachkräftemangel im Bereich Technik und Naturwissenschaften. Schon die Jüngsten sollen die Möglichkeit bekommen, ihre Ideen zu realisieren und das Interesse an diesen Bereich auszubauen.
Die Ausstattung an den Schulen ist ungenügend
"Unser Lehrer hat uns schon zugesagt, dass wir dabei sein können", sagt Julian. "An unserer Schule ist nämlich die Ausstattung einfach nicht so gut." Das ist genau der Knackpunkt. Es gibt viele Jugendliche, die von den Naturwissenschaften längst gepackt sind - aber weder der Chemiebaukasten aus dem Spielwarenladen, noch die Unterrichtsräume an den Schulen reichen aus, um den Wissenshunger zu stillen.
Um das zu ändern haben sich eine ganze Reihe von Unternehmen im Kreis Mettmann zusammengetan, um das ZdI-Zentrum (Zukunft durch Innovation) in Zusammenarbeit mit dem NRW-Ministerium Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie auf die Beine zu stellen.
Träger ist die Bürgerinitiative Erkrath initial, mit dabei sind auch der Kreis Mettmann, die Arbeitsagentur Düsseldorf und das Neanderthal Museum. Das will laut Ministerium auch Forschungspersonal schicken, das die Schüler bei ihren Arbeiten unterstützt. "Wie bestimme ich das Alter eines Fundstücks?" könnte eine der Aufgaben lauten.
Dabei soll aber kein klassischer Frontalunterricht stattfinden, sondern die Schüler sollen selbst grübeln und basteln. So haben Teilnehmer des bereits seit zwei Jahren bestehenden ZdI-Labors in Bochum eine kleine Recyclinganlage gebaut, die Glasscherben nach Farben sortiert.
"Vielleicht können wir dann auch mal mit gefährlicheren Stoffen arbeiten"
"Genau so etwas brauchen wir", stimmt Tobias Bach der Initiative zu. Er und zwei Freunde haben am Helmholtz-Gymnasium in Hilden einen Hybrid-Brennstoffzellen-Roller gebaut. Dazu haben sie einen handelsüblichen Roller benutzt und ihn selbstständig mit neuer Technik versehen.
Für die eifrigen Oberstufenschüler kommt das Projekt allerdings zu spät, denn sie sind zu alt. Das NEAnderLab Projekt ist für Schüler bis zur neunten Klasse ausgelegt. "Aber zumindest können die nach uns richtig was machen."
Dazu werden wohl auch Julian und Nils gehören. "Vielleicht können wir dann auch mal mit gefährlicheren Stoffen arbeiten. Es ist einfach interessant zu sehen, wie Chemikalien reagieren", schwärmt Nils.




