Von Tanja Albrecht
Seit einem Jahr fährt der Achtsitzer nach Alt-Erkrath. Die Zahl der Fahrgäste ist mit Einführung der neuen Strecke sprunghaft gestiegen.
Fahrerwechsel: Bernhard Lenze (links) und Jürgen Hampel fahren gerne den Bürgerbus.
Erkrath. Bürgerbus fahren macht glücklich: steigende Fahrgastzahlen, zufriedene Kunden und nach einem Jahr die gute Nachricht: „Wir fahren ohne Defizit.“
Am Donnerstag hat der Vorstand des Bürgerbus-Vereins zwölf Monate nach Inbetriebnahme des Achtsitzers im Stadtgebiet von Alt-Erkrath Bilanz gezogen. „Der Bürgerbus war von Anfang an eine Erfolgsgeschichte“, sagt Schriftführer Dieter Becker, auch wenn es in den Jahren nach der Vereinsgründung am 20. August 2006 nicht immer so aussah, als ob das Projekt jemals realisiert werden würde.
Mit neuer politischer Mehrheit ging plötzlich alles ganz schnell
„Öffentlicher Personennahverlehr ist immer ein Zuschussgeschäft“, sagt Becker. Der Verein habe mit drei Fahrgästen pro Runde kalkuliert, das hätte die Stadt Erkrath 10 000 Euro im Jahr gekostet. „Aber das lehnte die damalige politische Mehrheit ab“, sagt Becker. Erst als diese sich änderte, ging alles ganz schnell.
Die Stadt unterschrieb die Patronatserklärung und damit die Verpflichtung, ein Defizit von bis zu 10 000 Euro auszugleichen, der Verein begab sich auf die Suche nach einem Bus und vor allem Fahrern. 30 Frauen und Männer bekundeten ihr Interesse, am Ende waren es 18 (zwei Frauen, 16 Männer), die regelmäßig hinter dem Steuer des Kleinbusses Platz nehmen. „Wir suchen dringend weitere Fahrer“, sagt Becker, und seine Mitstreiter nicken. Die Kosten für Personenbeförderungsschein, Gesundheitsprüfung bei der Rheinbahn und Fahrprüfung übernimmt der Verein. „Es müssen höfliche, freundliche und hilfsbereite Menschen sein“, ergänzt Wilfried Hoffmann, stellvertretender Vereinsvorsitzender: „Und redselig muss man sein, denn geredet wird im Bus immer.“
1853 Fahrgäste nutzen im August das Angebot des Bürgerbusses
Vor zwei Monaten hat der Bürgerbusverein seine Strecke erweitert. Die Linie BB1 fährt jetzt auch in die Mühlenstraße und die Taubenstraße hoch. „Besonders dankbar sind die Bewohner am Kalkumer Feld“, sagt Wolfgang Peter: „Ich habe selten Menschen gesehen, die so glücklich sind über unser Angebot. Und das macht mich glücklich.“
Vorsitzender Jürgen Hempel, treibende Kraft beim Projekt Bürgerbus, konnte gestern aus gesundheitlichen Gründen nicht an dem Pressegespräch teilnehmen.
Von den 50 Mitgliedern des Bürgerbusvereins Erkrath sind 18 aktive Fahrer – alles Ehrenamtler. Gefahren wird in drei Schichten pro Werktag und einer am Samstag. Gesucht werden weitere Frauen und Männer, die sich ehrenamtlich hinter das Steuer setzen wollen.
Jürgen Hampel, Telefon 0211/400 69, Winfried Hoffmann, Telefon 0211/246290, Dieter Becker, Telefon 0211/253 934,
info@buergerbusverein-erkrath.de
Die Optimierung der Linienführung hat auch für einen sofortigen Anstieg der Fahrgastzahlen gesorgt. Waren es im Juni 1177 Erwachsene und Kinder, begrüßten die Bürgerbusfahrer einen Monat später schon 1558 Fahrgäste und im vergangen Monat 1853 Mitreisende. Mit der Folge, dass gerade zur „Rush-Hour“ am Markttag am Freitag der Bus nicht alle wartenden Fahrgäste mitnehmen kann. „Die bitten wir dann, zehn Minuten zu warten. Wir kommen dann wieder “, sagt Jens Reuker. Und nicht nur das: Allen wird beim Einsteigen geholfen, egal, ob sie einen schweren Einkaufswagen oder einen Rollator dabei haben. Wolfgang Peter: „Wir Fahrer sind eigentlich immer in Bewegung.“




