Von Dirk Lotze
Im Ausschuss diskutierten Politiker und Bürger intensiv über ein Konzept. Vor allem die Unterfeldhauser sind sauer.
Der Vorschlag der Verwaltung, auf den Grünflächen am Niermannsweg Bauplanung zuzulassen, hat für Unmut bei vielen Bürgern gesorgt.
Erkrath. Mit einem zusätzlichen Bürgerforum für alle Erkrather soll der Prozess um das Stadtentwicklungskonzept weiter gehen. Das hat der Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung einstimmig beschlossen. Vorher soll nichts weiter entschieden werden – über Leitbild und Ziele für die Stadt, über Umgang mit Bau- und Freiflächen für die nächsten 20 Jahre.
Sitzungssaal wurde für die zahlreichen Zuhörer umgeräumt
Rund 40 Zuhörer waren zum Ausschuss gekommen. Der Sitzungssaal im Rathaus war eigens umgeräumt worden. Der in den Tagen zuvor in den Medien ausgetragene Bürgerprotest ist im Rathaus angekommen, vorwiegend aus Unterfeldhaus. Die Ausschussmitglieder reagierten nervös. Erster mit dem Antrag, das Stadtentwicklungskonzept mit Rücksicht auf die Bürger in der Tagesordnung vorzuziehen, war Thorsten Spelter (CDU) – noch bevor der Vorsitzende Gerhard Paulus (SPD) Zeit hatte, die Beschlussfähigkeit festzustellen.
„Wir sind aus Unterfeldhaus. Man möge uns das nicht zum Vorwurf machen“, sagte Besucher Reinhard Parthe. Paulus hatte zuvor erklärt, Wortmeldungen von Bürgern aus anderen Stadtteilen bevorzugen zu wollen, weil im Bürgerforum vor einer Woche Stimmen aus Unterfeldhaus dominiert hatten. Besucher Günther Dyx nannte es eine Zumutung von Detlef Ehlert (SPD), dass er die Kritik der Anwohner als Einzelinteressen bezeichnet habe. Der Umgang mit Leerstand im Gewerbegebiet und der Vorschlag der Verwaltung, Bauplanung auf den Pferdekoppeln am Niermannsweg als Möglichkeit zuzulassen, erregte Unmut. „Die Unterfeldhauser stehen mit dem Rücken zur Wand. Das ist ganz klar: an der A 46 geht niemand spazieren“, sagte ein Zuhörer.
Die Debatte wurde hitzig geführt. „Hör mal zu, Kamerad“, fuhr Peter Knitsch (Grüne) den Vorsitzenden Paulus an. Der hatte Knitsch gebeten, sich kurz zu fassen, als der in der vierten Sitzungsstunde seinen dritten Änderungsantrag vorlegte. „Und dann werden wir die S-Bahn entsiegeln und einen Urwald daraus machen“, kommentierte Ehlert den Grünen-Vorschlag.
Der lange Weg zum Beschluss über ein weiteres Bürgerforum war geprägt von einer erneuten Generalaussprache über das Stadtentwicklungskonzept und um seine Grundlagen, die Voraussagen über die Einwohnerentwicklung in Erkrath. „Erkrath hat im letzten Jahr Einwohner gewonnen“, stellte Knitsch fest. Das Modell des Planungsbüros plan-lokal würde möglicherweise nicht stimmen – es sagt einen Einwohnerschwund voraus. Flächen zu prüfen sei nur ein ganz kleiner Teil des Stadtentwicklungskonzepts, sagte Thomas Scholle vom Planungsbüro „plan-lokal“.
Einhellige Kritik am Info-Abend in der vergangenen Woche
Im Auftrag der Stadt entwickelt das Dortmunder Ingenieurbüro plan-lokal ein Konzept zur Entwicklung der Stadt über die nächsten 20 Jahre.
Für ein neues Bürgerforum zum Stadtentwicklungskonzept sollen alle Erkrather eingeladen werden. Ein Termin steht noch nicht fest.
Einhellig kritisiert wurde der Informationsabend von „plan-lokal“ in der vergangenen Woche vor fast 400 Zuhörern im Bürgerhaus: zu viel Präsentation, zu wenig Bürgermeinungen. „Das finden wir auch, aber es ging nicht anders. Das sind hochkomplexe Prozesse, wenn man in die Wohnraumentwicklung eingreifen will“, sagte Scholle.
Bei einem neu anzusetzenden Bürgerforum sollen nun den Meinungen der Bürger die überwiegende Zeit eingeräumt werden, so lautet der Beschluss des Ausschusses.




