Die Elektrik ist veraltet, das Dach nicht mehr tragend: Der Bürgermeister hat Gruitens größten Veranstaltungssaal geschlossen – für immer.

Stadtteil
Großbild Stefan Fries

Die Stadt hat das mehr als 30 Jahre alte Bürgerhaus in Gruiten aus Sicherheitsgründen geschlossen. Der Pfarrsaal im Dorf wäre eine Alternative, muss allerdings entsprechend baulich verändert werden.

Gruiten. Bürgermeister Knut vom Bovert hat mit sofortiger Wirkung die weitere Nutzung des Bürgerhauses untersagt. Dies hat er am Mittwoch via E-Mail mitgeteilt. Die davon betroffenen Vereine und Initiativen wurden bereits am Montag darüber informiert, dass sie sich nach einer neuen Versammlungsstätte umsehen müssen.

Die Sicherheit der Beschäftigten und Nutzer ist nicht mehr gewährleistet

„Wir hatten ja den Auftrag, zu prüfen, ob wir das Bürgerhaus über den 30. Juni dieses Jahres hinaus nutzen können“, erinnert vom Bovert. Und das mit dieser Aufgabe betreute Fachunternehmen hat nicht nur erhebliche Mängel in den Elektroinstallationen festgestellt, sondern auch „bautechnische Unzulänglichkeiten der tragenden Dachkonstruktion“.

Deshalb kann die Stadt als Betreiberin des Bürgerhauses die Sicherheit der Beschäftigten und Nutzer der Versammlungsstätte nicht mehr gewährleisten. Eine kurzfristige Beseitigung der Sicherheitsrisiken sei nicht möglich. „Allein für eine intensivere Prüfung der Dachkonstruktion müssten wir einen fünfstelligen Betrag investieren“, sagt vom Bovert auf Nachfrage.

Die von der Schließung betroffenen Mieter seien bereits informiert. Die Stadt bemühe sich, den Nutzern anderweitige Versammlungsstätten zu vermitteln. „Wir mussten unter anderem einer privaten Hochzeitsfeier absagen“, sagt vom Bovert. „Das ist uns sehr unangenehm.“

Und jetzt? „Wir befinden uns in intensiven Gesprächen zur Ertüchtigung des Pfarrsaals im Dorf“, sagt vom Bovert. Optimistischer klingt Pfarrer Reiner Nieswandt.

Nicht nur die Awo Gruiten muss sich nach einer alternativen Versammlungsstätte umsehen. Betroffen von der sofortigen Schließung des Bürgerhauses sind auch der Slowenische Kultur- und Sportverein Maribo Hilden, der dort am 18. Februar mit 250 Gästen Karneval feiern wollte. „Wir haben eine slowenische Band engagiert“, sagt Vorsitzender Anton Dogsa. „Die müssen wir bezahlen, auch wenn wir die Feier absagen.“ Der Bürger- und Verkehrsverein Gruiten will seine Jahreshauptversammlung im März im Gemeindesaal der evangelischen Gemeinde Gruiten abhalten.

Swantje Sigel, die seit mehr als zehn Jahren Trödelmärkte im Bürgerhaus organisiert, bedauert die Schließung sehr. „ich bin auf der Suche nach einer Alternative“, sagt sie. Den für den 25. Februar geplanten Trödelmarkt muss sie jetzt absagen. „Ich habe bereits 80 Telefonate geführt, alle Verkäufer darüber informiert, die jetzt natürlich auch ihr Geld zurück bekommen.“

Wo das DRK Gruiten künftig seine Blutspende-Termine organisiert, ist noch nicht entschieden.

Das Gremium wird künftig in der Aula des Gymnasiums Adlerstraße tagen.

„Die Verträge zwischen der katholischen Kirchengemeinde und dem Verein Phoenix sind so gut wie unterschriftsreif“, sagte er am Mittwoch auf Nachfrage. In der kommenden Woche werde der Kirchenvorstand von St. Nikolaus über das Regelwerk entscheiden, „damit wir es bald als Grundlage für die weiteren städtischen Entscheidungen vorlegen können“, sagt Nieswandt.

Zum Advent, so Pfarrer Nieswandt, könnte der Pfarrsaal genutzt werden

Werden die Mittel im Haushalt bereitgestellt, könnten entsprechende Bauanträge gestellt und mit den Arbeiten für den Umbau in den Sommerferien begonnen werden. „Zum Advent könnten wir den Saal eröffnen“, sagt Nieswandt optimistisch und betont: „Wir wollen ein Angebot für alle Gruitener schaffen, alle sollen davon profitieren.“ Auch jetzt schon, wie Nieswand versicherte. „Solange die Bauarbeiten nicht begonnen haben, stellen wir den Saal gerne zur Verfügung.“

Für die Awo Gruiten ist der Pfarrsaal zurzeit noch keine Alternative. „Der Saal und seine Küche sind zu klein“, sagt Marlies Weidenfeld. Die zweite Vorsitzende der Awo Gruiten klingt resigniert. „Wir wissen nicht, wo uns der Kopf steht“, sagt sie.

Die nächste Veranstaltung der Awo Gruiten am 22. Februar hänge in der Luft. „Die Karten sind verkauft, und wir haben die ersten Sachen eingekauft. Wir wissen gar nicht, was wir damit jetzt machen sollen.“

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