Von Julian Liebner und Philip Rhoades
Ratingen. Die Tickets für London sind gelöst. Julia Mächtig und Jan Felix Knobel komplettieren das Startfeld der deutschen Mehrkämpfer bei den olympischen Spielen in wenigen Wochen. Beim Mehrkampfmeeting in Ratingen erreichten beide die erforderliche Norm von 6150 Punkten bei den Damen und 8200 Punkten bei den Herren.
Dabei machte es besonders Knobel am Ende nochmal richtig spannend. Nachdem er über die gesamten zwei Tage immer auf Olympiakurs war schwächelte er im abschließenden Lauf über 1500 Meter. Er kam mit 4:48:24 Minuten ins Ziel und hätte sich nicht viel mehr Zeit lassen dürfen. Die 629 Punkte, die er für diese Zeit bekam brachten ihn in der Gesamtabrechnung auf 8228 Punkte – nur 28 über der Norm. „Es sind sehr, sehr viele Steine von mir abgefallen. Es war vor allem Kopfsache. Jetzt fahre ich nach London“, freute er sich bei strömendem Regen im flutlicherhellten Ratinger Stadion.
In der Gesamtabrechnung sicherte sich Knobel den zweiten Rang – noch vor den starken Kubanern. Nur einer war an beiden Tagen nicht zu schlagen. Larbi Bourrada aus Algerien war, wie schon im vergangenen Jahr, der König von Ratingen. Damals stellte er mit 8302 einen neuen Afrikarekord auf. Dieses Jahr verbesserte er seinen Rekord um 30 Punkte.
Dabei begann der zweite Wettkampftag alles andere als viel versprechend für Bourrada. Bei den 110 Meter Hürden und beim Diskuswerfen hatte er einige Probleme. Die darüber angestaute Wut ließ er beim Speerwerfen raus. Mit 67,68 Metern warf er die drittbeste Weite. Besser waren nur die deutschen Patrick Spinner (67,70 Meter) und Knobel. Er warf alle drei Versuche über 70 Meter. Sein zweiter Versuch landete bei 71,38 Metern – nur zwei Zentimeter hinter dem Meetingrekord von Pascal Behrenbruch im vergangenen Jahr. Knobel zeigte sich über beide Tage in guter Verfassung und darf sich jetzt auf die olympischen Spiele freuen.
Bei den Damen zeichnete sich früh ab, dass Julia Mächtig nach London fahren würde. Sie begann den zweiten Wettkampftag mit einem Satz über 6,49 Metern im Weitsprung. Damit übernahm sie auch die Führung in der Gesamtwertung, die sie nicht mehr abgab. Als sie nach dem abschließenden 800 Meter-Lauf die Ziellinie überquerte reckte sie beide Fäuste in den Himmel. Ihre geschlagene Konkurrentin um das Olympiaticket, Maren Schwerdtner, gratulierte ich kurz darauf fair.
1. Julia Mächtig 6345 Punkte
2. Maren Schwerdtner 6000
3. Ellen Sprunger (SUI) 5989
1. Larbi Bourrada (ALG) 8332 Punkte
2. Jan Felix Knobel 8228
3. Yordani García (CUB) 8005
Überhaupt gingen die beiden über das gesamte Meeting sehr fair miteinander um. Von einem harte Konkurrenzkampf war nichts zu sehen. Mit 6345 Punkten sicherte sich Mächtig das Ticket für London locker. Auch Schwerdtner lieferte einen ordentlichen Wettkampf ab und erzielte glatt 6000 Punkte. „Unbeschreiblich. Ich wollte einfach nur sicher ins Ziel kommen“, kommentierte Mächtig die Olympiaqualifikation, bevor sie sich gemeinsam mit den anderen Siebenkämpferinnen vom Ratinger Publikum feiern ließ und sich verabschiedete.
„Die Bedingungen waren schwierig. Die Veranstalter haben das Beste daraus gemacht“, lobte Bundestrainer Claus Marek die Veranstalter vom TV Ratingen. „Wir haben uns geschworen noch ein paar Jahre zu machen.“ Nächstes Jahr wird das Meeting wohl wieder am Wochenende ausgetragen. Dann auch mit Jennifer Oeser, die dieses Mal wegen einer Verletzung nur als Zuschauerin dabei war.
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