Eine SMS ermutigte Dichter Marek Heindorff zum Schreiben. Jetzt will der Mettmanner sogar einen Roman veröffentlichen.

Marek Heindorff setzt auf Rythmus und Wortklang. Seine Lesungen begeistern die Zuhörer.
Marek Heindorff setzt auf Rythmus und Wortklang. Seine Lesungen begeistern die Zuhörer.

Marek Heindorff setzt auf Rythmus und Wortklang. Seine Lesungen begeistern die Zuhörer.

Stefan Fries

Marek Heindorff setzt auf Rythmus und Wortklang. Seine Lesungen begeistern die Zuhörer.

Mettmann. Gedichte, die sich nicht reimen, mag Marek Heindorff (37) nicht. Für ihn muss Lyrik gut klingen, einen Rhythmus haben, sich reimen. Heindorff schreibt über das Leben, schreibt, „was aus mir raus muss“.

Versmaß und Form sind ihm egal. „Ich will keine Regeln einhalten“, sagt er. Auf den Klang der Worte, auf die Stimmung des Gedichts kommt es ihm an. Und auf eine gute Idee: „Ein jeder wird das Genie spüren, muss Kugeln nur zum Munde führen“, schreibt er beispielsweise mit einem Augenzwinkern über Mozart.

„Ich hatte anfangs schon die Hosen voll. “

Marek Heindorff

Im September des vergangenen Jahres hat Heindorff sein erstes Buch „Auf meinem Rücken“ herausgebracht. Darin finden sich Kurzgeschichten und Gedichte. Jetzt hat er erstmals öffentlich daraus vorgelesen, in der Stadtbibliothek – und war danach glücklich.

„Die Leute haben geklatscht und gelacht. Toll.“ Eine Zuhörerin ließ sich nicht nur ihr gerade gekauftes Buch vom Autor signieren, sondern sagte ihm auch noch, dass er sie zum Weinen gebrachte hätte. Heindorff war gerührt.

Sein Gespür für klangvolle Wortmelodien und -konstruktionen gefiel dem Publikum. Mit der abgeklärten Routine eines Profis leitete er seine Texte ein, kokettierte mit den Zuhörern und erwies sich als ausgezeichneter Unterhalter. „Aber ich hatte anfangs schon die Hosen voll“, sagt er nach der Lesung.

Marek Heindorff ist 37 Jahre alt und arbeite als Medienfachwirt in Düsseldorf. Er ist verheiratet, hat einen Sohn aus erster Ehe. Heindorff stammt aus Berlin, erlebte mit 14 Jahren den Fall der Mauer. Zeit seines Lebens hat der Autor, sagt er, mehr gelesen als geschrieben.

Sein Buch hat er bei BoD - Books on Demand GmbH herausgegeben. Dort werden Bücher nicht vorgedruckt, sondern dem Buchhandel virtuell zur Verfügung gestellt und bei Bestelleingang innerhalb von zwölf Stunden gedruckt und ausgeliefert. Heindorffs Buch kann im Mettmanner Buchhandel bezogen werden.

„Es gibt nichts Intelligentes, außer: man erkennt es“, schreibt Heindorff über seinen Aphorismus „Meine Texte“ und zitiert Erich Kästner („Es gibt nichts Gutes, außer: man tut es“) – den Dichter, der für ihn die größte Inspiration zum Gedichteschreiben war und ist. Aber auch Wilhelm Busch, Heinz Erhardt und Robert Gernhardt schätzt Heindorf.

Der 37-Jährige wuchs in Berlin auf, lebt seit vier Jahren in Mettmann

„Liest du noch, oder schreibst du schon?“, hat er einen Ikea-Werbeslogan umformuliert und daraus ein Gedicht für Gernhardt geschrieben, dessen Bücher in seinem Ikea-Reagl stehen. „Ich habe ihn mal getroffen und ihm das Gedicht geschenkt“, erzählt er. Wie der Schriftsteller die Zeilen fand, hat Heindorff nie erfahren. Gernhardt starb 2006.

In der Hauptstadt der DDR, in den Stadtteilen Köpenick und Pankow groß geworden, hat Heindorff schon als kleiner Junge geschrieben. Doch er musste 37 Jahre alt werden, um seine ersste Textsammlung auf 170 Seiten zu veröffentlichen. Heindorffs Schwiegermutter ist es zu verdanken, dass der Dichter sein Buch herausgab.

„Sie hatte was von mir gelesen und war so begeistert und stolz. Sie schrieb mir sofort eine SMS. Das hat mir Mut gemacht.“ Das Schreiben ist für den Mann, der seit mehr als vier Jahren in Mettmann lebt, ein Hobby. Dass er davon einmal leben könnte, glaubt er nicht.

Zurzeit arbeitet Heindorff an einem Roman. In einem Jahr soll er fertig sein. Es geht um einen jungen Mann, der ähnlich wie Herr Lehmann in Sven Regeners gleichnamigem Roman durchs Leben stolpert, verrät er.

Lob von Bibliotheksleiterin Marita Dubke

Marita Dubke, Leiterin der Stadtbibliothek, fand Marek Heindorff sehr mutig, sich einem Publikum zu stellen „Ich denke gerade darüber nach, ob das Schreiben die höhere Stufe des Lesens ist“, sagt sie nach der Lesung.

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