Die Theater AG der Gesamtschule lädt Kinder der Grundschule am Lerchenweg zum Vorlesetheater ein – ein Projekt des Ulla-Hahn-Hauses.

Bildung
Großbild Anna Schwartz

Theaterpädagogin Heike Werntgen (links) studiert die Bühnenstücke mit den Gesamtschülern ein.

Monheim. Emil zuckt zusammen. Ist das nicht eine Autohupe gewesen? Nein, es war Gustav, der Berliner Junge mit der Hupe. Mit ihm nimmt die Geschichte „Emil und die Detektive“ Fahrt auf. Schnell läuft er durch die Straßen und ruft die Detektive zusammen. Unter der „Parole Emil“ machen sie sich auf die Jagd nach dem Bösewicht –den sie am Ende natürlich auch schnappen.

Gustav heißt eigentlich Lars Ackermann, ist zehn Jahre alt und Fünftklässler an der Peter-Ustinov-Gesamtschule in Monheim. Seit Oktober studiert er einmal pro Woche mit der Theaterpädagogin Heike Werntgen (36) Bühnenstücke ein. „Emil und die Detektive“ haben er und die anderen sieben Mitglieder der Theater AG nur dreimal geprobt.

Jetzt stehen sie dort mit den Texten auf der Bühne, im Publikum die Klasse 1a der Grundschule am Lerchenweg. Ganz sicher und souverän lesen die Kinder. Dabei hat Lars bis vor wenigen Monaten eigentlich noch gar nicht gelesen, wie er später erzählt.

Die älteren Schüler fungieren als Lesevorbilder für die Jüngeren

„Vorlesetheater“ heißt die Form, die die Fünftklässler den Jüngeren präsentieren. Es soll zeigen: Theaterspielen funktioniert auch mit Textbuch in der Hand. Die Aufführung im „Treff“ der Gesamtschule ist ein Teil der Aktion „Vorlesepatenschaft“, die das Ulla-Hahn-Haus organisiert. Die erste Aufführung der Theater AG vor Erstklässlern fand bereits im Dezember statt, weitere sind geplant.

Grundschülern wird der Kontakt zur weiterführenden Schule erleichtert

Die Patenschaft verfolgt gleich mehrere Ziele: Den Grundschülern erleichtert sie die Kontaktaufnahme zur weiterführenden Schule. „Aber die ,großen’ Schauspielerinnen und Schauspieler sind für sie auch Lesevorbilder und stärken das eigene Leseinteresse“, weiß Julia Gerhard, Projektleiterin im Ulla-Hahn-Haus.

In der aktuellen Besetzung besteht die AG aus acht Fünftklässlern der Peter-Ustinov-Gesamtschule: Lars Ackermann, Samantha Grega, Johanna Fähling, Evelyn Kell, Alexandr Ickert, Denis Sulejmanovic, Finja Nonnenbroich und Antonia Dippmann.

 

Heike Werntgen (36) kommt einmal pro Woche als Externe in die Schule. Der Kontakt entstand über das medienpädagogische Zentrum Köln. Inzwischen hat sie mit fast allen Grundschulen in Monheim zusammengearbeitet. Die Gesamtschule ist die erste weiterführende.

Wie Lehrer „Vorlesetheater“ auch in ihren Unterricht einbauen können, haben 14 von ihnen bereits im vorigen Jahr bei einer Fortbildung gelernt. Im März bietet das Ulla-Hahn-Haus die nächste an. Es haben sich bisher 14 Lehrer angemeldet.

Bei Lars Ackermann hat genau das funktioniert. Seine Mutter hoffte bei ihm auf die positive Wirkung der Theater AG: „Sie meinte, dass dadurch vielleicht mein Interesse geweckt würde“, erinnert sich der Zehnjährige. Die Arbeit mit der Theaterpädagogin machte ihm von Anfang an Spaß. „Jetzt habe ich schon fünf Bücher gelesen“, berichtet Lars stolz.

Doch nicht nur das: Auch in Deutsch ist er eine glatte Note besser geworden. „Ich möchte nächstes Schuljahr mit der Theater AG weitermachen“, steht für den Fünftklässler fest.

Doch die Erstklässler sind an diesem Tag auch nicht bloß Zuschauer. Theaterpädagogin Heike Werntgen bindet sie im Anschluss an das Stück mit ein. In Reimform erzählt sie mit ihnen die gerade gehörte Geschichte kurz nach. Dabei müssen die Kinder die fehlenden Worte raten. „Seht ihr, man muss sich beim Lesen gar nicht so anstrengen, wenn man spielt. Anders als im Unterricht“, sagt Werntgen.

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