Von Florian Schmitz
Die Qualität der Beiträge ist stark gestiegen. Die Sieger punkten mit kritischen Themen.
Roter Teppich bei der Ratinale für die Nachwuchsfilmer und -schauspieler vor dem Kino.
Ratingen. Am Freitagabend grassierte wieder Hollywoodfieber in der Innenstadt: Zum fünften Mal präsentierte das Jugendzentrum Lux die Premierenvorführung des Jugendkurzfilmfestivals „Ratinale“. Traditionell wurde der rote Teppich vor dem Kino ausgebreitet. Mit Spannung wurde anschließend im Lux auf die Entscheidung der Jury gewartet, welche Jungfilmer in diesem Jahr einen Ratinale-Löwen bekommen.
Drei Kurzfilme bekamen den begehrten Ratinale-Löwen
Aus neun Einsendungen musste die Jury drei Filme auswählen. Die Entscheidung fiel nicht leicht – hatte sich die Qualität der Filme doch in jedem Jahr gesteigert. Drei Kurzfilme bekamen schließlich einen der begehrten, rot lackierten Ratinale-Löwen: „Weit weg“, „Schwarze Couch“ und „Newstime“.
In „Weit weg“ geht es um ein Mädchen (gespielt von Katrin Roth), das aufgrund von Streitereien seiner Eltern nicht mehr weiter weiß. Einen Sprung vom Dach lässt sie in letzter Sekunde bleiben. An der Bushaltestelle setzt sich ein fremder Junge (Alex Rothe) neben sie und bietet ihr mit rettender Geste einen Keks an. Die Jury beeindruckte „Weit weg“ vor allem durch eindringliches Schauspiel und den punktgenauen Einsatz von Ton und Musik.
Katrin Roth (18), zum dritten Mal bei der Ratinale dabei, erklärt ihren ersten Siegerfilm so: „Wir wollten einen Film mit Botschaft machen und zeigen, wie sehr sich häusliche Gewalt auf Kinder und Jugendliche auswirkt.“ Sie kann sich übrigens vorstellen, nach dem Abitur auch beruflich in Richtung Schauspiel zu gehen.
Den Löwen für den „mutigsten Film“ vergab die Jury an „Schwarze Couch“. Nach einer durchzechten Nacht wacht ein Jugendlicher (Fabian Mönch) auf der Couch auf. Im Arm hat er seinen Kumpel (Alex Streckmann). Es stellt sich heraus, dass sie sich geküsst haben – was auch in aller Konsequenz auf der Leinwand zu sehen ist. Der Jugendliche lässt am nächsten Morgen aber keine Gefühle zu. Ein immer noch oft tabuisiertes Thema wurde mit viel Mumm und der entsprechenden schauspielerischen Leistung umgesetzt.
Die Ratinale-Löwen wurden zum fünften Mal vergeben. Die Verleihung ist Höhepunkt eines Ratinale-Jahres, das sich unter anderem aus Filmworkshops in Sommer- und Herbstferien zusammensetzt. 35 Jugendliche nahmen diesmal teil.
Alle neun Filme der Ratinale 2011 gibt es für fünf Euro auf einer DVD. Sie ist im Jugendzentrum Lux an der Turmstraße 5 erhältlich.
„Es war die beste Ratinale aller Zeiten“, befand Johannes Maas nach der Preisverleihung. Durch weitere Schauspielkurse und längere Beschäftigung der Jugendlichen mit den Filmen soll das Niveau weiter steigen.
Auch der Film „Newstime“ bekam eine Auszeichnung. In dem ebenfalls kritischen Werk beschäftigen sich die Filmemacher mit dem Einfluss der modernen Welt auf die Psyche. Ben (Stephan Sandfuchs) versinkt immer mehr in der Welt der Nachrichten. Er schaut nur noch fern. Selbst als ihn seine Freundin (Carolin Streckmann) verlässt und er mit seiner Schwester (Sabrina Sandfuchs) streitet. Düster mutet seine Zukunft an, als er nur noch vor drei Bildschirmen im Zimmer kauert.
Schließlich wurden noch zwei Löwen als Ehrenpreise vergeben: Lux-Leiter Johannes Maas überreichte sie an Stefan von Cassenberg und Daniel Oberbanscheidt für ihr jahrelanges und intensives Engagement in und um die Ratinale-Workshops.




