Der 19-jährige Säbelfechter Robin Schrödter aus Ratingen trainiert in Dormagen für die Olympischen Spiele 2016 in Brasilien.

Säbelfechter Robin Schrödter mit seiner Ausrüstung in der Kleiderkammer des TSV Bayer Dormagen.
Säbelfechter Robin Schrödter mit seiner Ausrüstung in der Kleiderkammer des TSV Bayer Dormagen.

Säbelfechter Robin Schrödter mit seiner Ausrüstung in der Kleiderkammer des TSV Bayer Dormagen.

Stefan Büntig

Säbelfechter Robin Schrödter mit seiner Ausrüstung in der Kleiderkammer des TSV Bayer Dormagen.

Ratingen/Dormagen. Um Treffer geht es im Leben von Robin Schrödter. Seit der dritten Klasse. Tag für Tag lauert er darauf, dass seine Gegner Schwäche offenbaren und ihre Konzentration für den Bruchteil einer Sekunde verlieren. Dann fährt er seinen Arm aus und stößt zu.

Auf dem muffigen Flur mit dem braun-genoppten Gummifußboden, der an eine Bundeswehr-Kaserne erinnert, wartet der 19 Jahre alte Säbelfechter vor der Halle des TSV Bayer Dormagen auf den Trainingsbeginn. „Hier trainieren die Besten“, sagt er. Neben ihm hängen etliche Fotos von Nachwuchstalenten an der weißen Steinwand. „Sieger“, prangt darüber. Auch Robin ist einer von ihnen.

„Der Konkurrenzkampf ist groß – aber er bleibt in der Halle.“
Robin Schrödter

In Dormagen werden die Tickets für glanzvolle Olympia-Sportstätten gelöst. Nicolas Limbach hat es von hier aus nach London geschafft. Rio 2016, das ist der Traum von Robin Schrödter.

In drei Wochen steht für den großen dunkelblonden Mann, der mit seinen wachen blauen Augen noch ein wenig jungenhaft wirkt, die nächste Etappe auf der olympischen Route an: ein World- Cup im polnischen Sosnowiecz.

Nur die besten beiden deutschen Säbelfechter sind dabei

In manchen Momenten schleichen sich zu dem Ehrgeiz auch Zweifel in den Kopf. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich es zu den Olympischen Spielen schaffe und ich vier Jahre für ein Turnier opfere, zu dem ich vielleicht gar nicht fahren darf.“ Nur die beiden besten deutschen Säbelfechter – sofern sie unter den 16 besten der Weltrangliste sind – dürfen 2016 antreten. „Ich bin ja nur einer unter vielen. Hier machen genug andere solche Ergebnisse wie ich.“ Der Konkurrenzkampf sei groß – „aber er bleibt in der Halle“, sagt Robin lächelnd.

In der Schul-AG in Ratingen hielt er zum ersten Mal einen Säbel in der Hand. Vor fünf Jahren wechselte er zum TSV Bayer Dormagen und gehört mittlerweile zur Junioren-Nationalmannschaft. „Irgendwann, also wenn man halt immer gewinnt, dann muss man sich entscheiden, ob man das professionell machen will“, sagt er und zieht verlegen die Schultern hoch – überheblich will der 19-Jährige auf keinen Fall klingen.

Seit dem Abitur ist Fechten der „Hauptberuf“

Nachdem er im Sommer seine Abi-Prüfungen am Carl Friedrich von Weizsäcker-Gymnasium bestanden hat, zog er in ein Zimmer im Internat des Vereins. Morgens und abends ficht er, macht Kraftübungen oder verbessert die Beinarbeit. Bis zu 20 Stunden in der Woche. „Zeit für was anderes habe ich kaum“, sagt er. Feiern und manchmal auch abstürzen wie seine Freunde, das passt nicht in den Trainingsplan.

 „Das war manchmal schon Mist, wenn die Kumpels in der Schule nach dem Wochenende erzählt haben, was ich auf einer Party verpasst habe. Ich war dann irgendwo auf einem Turnier. Wenn ich dann auch noch verloren habe, kam schon der Gedanke ‚Warum mache ich das eigentlich?’ Aber wenn ich gewonnen habe, dann dachte ich ‚okay, es lohnt sich’.“

Nach und nach schlurfen die anderen Junioren zum Training und feixen miteinander. Der Blonde mit den breiten Schultern im orangefarbenen Fußballtrikot bleibt kurz stehen, ballt seine Hand und begrüßt Robin mit einer „Ghettofaust“.

Zweieinhalb Stunden Training haben die Säbelfechter vor sich. Das untere Drittel der Hallenwände ist mit blauen und verschrammten Holzlatten vertäfelt. Innen riecht es nach dem ranzigen Lederbezug von alten Sprungkästen und Gummi. Die Sohlen der Sportschuhe quietschen grell auf dem bräunlichen PVC-Boden. Dazu kracht aus dem hinteren Bereich der Halle, wo eine andere Gruppe bereits trainiert, das Metall der Säbel aufeinander.

In einer eher tristen Halle wird für goldene Träume trainiert

In einer kleinen Kammer wird das kostspielige Equipment – eine Ausrüstung kostet rund 600 Euro – aufbewahrt. Robin greift sich eine der Masken, die bis zur Decke hoch nebeneinander an der Wand hängen, darunter die weißen Anzüge.

Links aus der Ecke zieht er seinen zerkratzten Säbel aus einem Ständer. Es ist ein ziemlich grauer Ort für die goldfarbenen Hoffnungen des deutschen Leistungssports. „Gibt schon schönere Hallen“, sagt er, bevor er sich die Maske aufzieht und es an diesem Abend wieder nur um das Eine geht: treffen, bevor es der andere tut.

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