Von Thomas Reuter
mit einem Kommentar von Thomas Reuter
Der Discounter will zur Wilhelmstraße ziehen. Ein neuer Bebauungsplan soll das verhindern.
Der Bereich der Wilhelmstraße zwischen Tönisheider Straße und Kreisverkehr Hammerstein soll für Einzelhandelsprojekte als Tabubereich ausgewiesen werden.
Wülfrath. Aldi, aber auch kein anderer Einzelhändler, soll sich auf Grundstücken an der so genannten Automeile ansiedeln können. Ein neuer Bebauungsplan soll das insbesondere für die nördliche Seite der Wilhelmstraße zwischen Tönisheider Straße und Hammerstein sicherstellen.
Der Discounter hat zwei Bauvoranfragen laufen, die die Areale von den Firmen Hommel und Ford Thiel betreffen.
Die Gutachter weisen auf das Einzelhandelskonzept hin
Die von der Stadt beauftragten Gutachter stellen in ihrer Bewertung fest: „Das Vorhaben widerspricht (. . .) den Zielen des Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes.“ Ein Aldi-Markt an der Wilhelmstraße gefährde das Nahversorgungszentrum Wülfrath.
Der Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung soll in der kommenden Woche daher den Bebauungsplan so fassen, dass eine Einzelhandelsnutzung in diesem Bereich der Wilhelmstraße nicht möglich ist.
Die Stadt spricht in der Sitzungsvorlage von einem „Tabubereich“. Eine Einzelhandelsentwicklung sei in dem in Rede stehenden Bereich „nicht wünschenswert“. Negative Auswirkungen seien für die zentralen Versorgungsbereiche Wülfraths zu erwarten – insbesondere für die Ellenbeek.
Der Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung befasst sich mit dem Bebauungsplan 2.16.1 – Östlich Tönisheider Straße/Hammerstein – am 28. Februar. Dann soll die öffentliche Beteiligung beschlossen werden.
Ein Dortmunder Fachbüro hat für die Stadt eine Analyse und Bewertung eines möglichen Vorhabens von Aldi an der Wilhelmstraße vorgenommen. Diese Untersuchung ist Basis der Beschlussempfehlung.
Eine Verdrängung von Gewerbe- und Gemeinbedarfsflächen durch Einzelhandelsansiedlungen und Vergnügungsstätten sei zu befürchten. Die Änderung des bestehenden Bebauungsplans soll das verhindern.
Die Gutachter weisen bei ihrer Einordnung des geplanten Vorhabens darauf hin, dass rund 300 Meter von dem Standort entfernt das Nahversorgungszentrum Ellenbeek liegt: mit dem Vollsortimenter Kaufpark (inklusive Getränkemarkt) und Aldi am Roten Platz.
Den von Aldi ins Auge gefassten Grundstücken bescheinigen die Gutachter unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten „gute Standortfaktoren“. Sie würden vom Durchgangsverkehr profitieren und gleichermaßen einer Nahversorgungsfunktion nachkommen.
„Die bereits eingetretene Erosion würde noch verstärkt“
Ein großer Aldi hat laut Gutachten Folgen für Innenstadt und Ellenbeek. In der Innenstadt wären Lebensmitteldiscounter von Umsatzrückgängen betroffen. Gravierend seien die Konsequenzen für die Ellenbeek: „Die Standortvorteile des neuen Markts führen voraussichtlich dazu, dass der Altstandort nicht erneut durch einen Lebensmittelmarkt belegt wird.“
Die Rahmenbedingungen – unter anderem eine zu geringe Fläche – seien nicht gut. Durch das dann prognostizierte Brachfallen dieser Fläche führe es „an zentraler Stelle zum städtebaulichen Missstand, der die bereits eingetretene Erosion des Zentrums verstärken würde“.
Die Gutachter warnen: „Das Planvorhaben an der Wilhelmstraße könnte im schlimmsten Fall zu einem vollständigen Wegbrechen des Nahversorgungsangebots im Zentrum Ellenbeek führen.“
Welche Pläne Aldi Nord für den aktuellen Standort am Roten Platz hat – auch für den Fall, dass die Bauvoranfragen negativ beschieden werden – ist nicht bekannt. Bis Redaktionsschluss hatte das Unternehmen auf eine WZ-Anfrage nicht geantwortet.
Kommentar
Risiko bleibt
Dass ein großer und moderner Aldi an der Wilhelmstraße den Märkten in der Ellenbeek ein Problem bereiten würde, ist unstrittig. Fraglich ist aber auch, ob Aldi den Standort Roten Platz überhaupt halten will. Wird der aufgegeben, ist die Nahversorgung gefährdet. Das ist ein Risiko, das bleibt. mehr

