Von Florian Schmitz
Peter Emmert ist „Plane-Spotter“, und zwar ein ganz spezieller: Sein Hobby ist es, Militärmaschinen vor das Teleobjektiv seiner Kamera zu bekommen.
Wülfrath. „Klick, klick, klick.“ Die digitale Spiegelreflexkamera läuft auf Hochtouren. Acht Bilder pro Sekunde. Auf den Auslöser drückt Peter Emmert. Der 60-Jährige fackelt nicht lange. Er kann es sich aber auch nicht erlauben. Denn über ihm zischt tosend ein grau schimmernder Lockheed Kampfflieger hinweg. Emmert zieht das 200-Millimeter-Objektiv hinter dem Flugzeug her, knipst und setzt die Kamera ab. Ein Blick auf das Display zeigt: erwischt, das Militärflugzeug ist im Kasten.
Allein im vergangenen Jahr 20 000 Kilometer zurückgelegt
Peter Emmert hat ein Hobby, das in letzter Zeit immer mehr Freunde gewinnt: Das sogenannte „Spotting“, dessen Anhänger versuchen, Züge, Schiffe oder eben Flugzeuge fotografisch festzuhalten und zu katalogisieren. Emmert reist mittlerweile durch ganz Europa, um an Militärbasen auf die Ausflüge der Kampfpiloten zu warten. Allein im vergangenen Jahr hat er 20 000 Kilometer zurückgelegt. „Das ist schon ein bisschen verrückt“, gibt er lachend zu, „aber ich habe den Segen meiner Frau.“ Sein Highlight in 2010 war eine einwöchige Tour nach Südfrankreich. Im Juni besuchte er dort acht Stützpunkte, machte rund 20 000 Fotos. Anlass war die Stationierung von Fliegern der indischen und der singapurischen Airforce in Istres. „Es sind zwar die gleichen Maschinen wie in Europa, aber indische Hoheitszeichen sind hier natürlich selten.“
Je seltener die Motive sind, desto wertvoller die Bilder
Dementsprechend steigt der Wert der Bilder, der meist ideell ist – auch wenn Emmert schon Fotos an Fachzeitschriften verkauft hat. Wann und wo seltene Motive möglich sind, erfährt er über Beziehungen, Spotterkollegen oder Internetforen, in denen er täglich aktiv ist.
Seit seinem 18. Lebensjahr frönt Emmert der Fotografie. Beigebracht hat er sich alles selbst, durch „learning by doing“. Ursprünglich vom Motorsport kommend, war der Technikfan schnell fasziniert von der Geschwindigkeit und der ausgeklügelten Bauweise der Kampfjets.
Seitdem ihn das Spotting-Fieber gepackt hat, verbringt er viel Zeit mit seinem Hobby. Vor sechs Jahren ging der ehemalige Werkzeugmeister, der lange in der Kalkindustrie gearbeitet hat, in Frührente. „Sonst könnte ich das gar nicht machen. Schließlich gehen die Flieger nur unter der Woche in die Luft“, sagt Emmert. Dann steht er manchmal nur 100 Meter entfernt unter den dröhnenden Turbinen.
„Spotting“ ist englisch und bedeutet so viel wie „beobachten“ oder „orten“. „Plane-Spotter“, „Train-Spotter“ oder „Birdwatcher“ fotografieren Flugzeuge, Züge oder Vögel.
Das Fotografieren von Militärflugzeugen im freien Luftraum ist erlaubt. Verboten sind hingegen Aufnahmen von Militärbasen. Dann droht eine Geldstrafe.
Über das Internet tauschen sich tausende von Spottern aus. Bilder werden gezeigt und über Veranstaltungen und kommende Ereignisse informiert. Ein Forum mit mehr als 20.000 Beiträgen findet man unter: www.spotterforum-nrw.de
Das Fotografieren wird gerade im Sommer in Gegenden wie Südfrankreich zur Geduldssache. Man wartet auf Abflug und Rückkehr der Flieger. „Das Warten an sich ist nicht schlimm. Aber damals hatten wir mittags gefühlte 50 Grad“, erinnert sich Emmert an schweißtreibende Tage.
Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei und Militärpolizei
Zusätzlicher Nervenkitzel entsteht dadurch, dass sich Spotter an der Grenze des Legalen bewegen. Es ist zwar erlaubt, Flieger im Luftraum zu fotografieren, aber dennoch wird Emmert regelmäßig, manchmal sogar mehrmals am Tag, von normaler und Militärpolizei vor Ort kontrolliert. Fotos von Militäranlagen sind nämlich nicht erlaubt. „Aber mich interessieren auch nur die Flugzeuge“, sagt Emmert.

