Minusgeschäfte wie bei der Sanierung Goethestraße/Schillerstraße und ein großer Instandhaltungsstau machen Finanzhilfe erforderlich.

Der Abriss des Bunkers Goethestraße ist ein Beispiel, bei dem die GWG draufgezahlt hat.
Der Abriss des Bunkers Goethestraße ist ein Beispiel, bei dem die GWG draufgezahlt hat.

Der Abriss des Bunkers Goethestraße ist ein Beispiel, bei dem die GWG draufgezahlt hat.

Simone Bahrmann

Der Abriss des Bunkers Goethestraße ist ein Beispiel, bei dem die GWG draufgezahlt hat.

Wülfrath. „Wir haben die Fehler erkannt und wollen gegensteuern“, sagt GWG-Geschäftsführer Juan-Carlos Pulido. Dabei soll auch die Stadt der Wohnungsbaugesellschaft helfen: „Wir investieren wieder in Steine. Wir schaffen Kapitalwerte“, sagt Bürgermeisterin Claudia Panke. Beide widersprechen auf einer Pressekonferenz den Gerüchten, die GWG stehe vor der Insolvenz. Sie verhehlen aber nicht, dass es Probleme gibt. Die haben zu einem Instandhaltungsstau in Millionenhöhe geführt.

„Die Gesellschaft übernahm bis 2009 Aufgaben, die sie überforderten“

Der Politik wurde das Konzept „Neuausrichtung der GWG“ bereits vorgestellt. Darin werden die Defizite einer Dekade herausgearbeitet: So habe die GWG im Auftrag der Stadt viele Aufgaben übernommen, „die die Gesellschaft schlichtweg überfordert haben“, sagt Pulido rückblickend auf die Jahre 1999 bis 2009.

Er nennt Beispiele: die Erschließung in Kocherscheidt und am Schlehenweg – Zuschussgeschäfte. Die Hundertwasser-Siedlung am Düsseler Tor, der dortige Kindergarten zum Festpreis, „bei dem die Kosten weggelaufen sind“, der Erwerb des Dienstleistungszentrums oder eben auch Kauf, Bunker-Abriss, Entwicklung und Sanierung des Areals Goethestraße/Ecke Schulstraße sind alles keine wirtschaftlichen Erfolge. Und in diesen zehn Jahren hat die GWG die Instandhaltung der 700 eigenen Wohneinheiten vernachlässigt.

Das soll nun aufgeholt werden. Hat die Stadttochter im Prüfungszeitraum 10,73 Euro pro Jahr und Quadratmeter für Instandhaltung ausgegeben, sind es aktuell fast 24 Euro. „Normal wären 15 bis 16 Euro“, merkt Pulido an. Die nötigen Investitionen übersteigen aber die Möglichkeiten der GWG.

Und deshalb sagt Pulido deutlich: „Kurzfristig ist die GWG nicht gefährdet. Wenn wir aber so weitermachen, mittelfristig sehr wohl.“ Gutachter haben drei Szenarien geprüft, „von der nur eine Lösung für uns infrage kommt“: Es soll ein Maßnahmenbündel geschnürt werden, um die GWG wieder auf sichere Beine zu stellen und den Instandhaltungsstau in Höhe von 6,3 Millionen Euro bis zum Jahr 2021 abzubauen.

Bürgermeisterin: Bürger sollen durch die Finanzhilfe nicht belastet werden

Im Juli 1925 wurde die GWG als gemeinnützige Gesellschaft gegründet. Die Gemeinnützigkeit ist 1989 „gefallen“. Seit 2009 ist Juan Carlos Pulido Geschäftsführer des Unternehmens.
 

Die Stadt Wülfrath ist Mehrheitseigner der GWG (85 Prozent). 15 Prozent halten die Rheinkalk GmbH und die Rheinkalk Holding. In der Gesellschafterversammlung sitzen acht Mitglieder – darunter sechs städtische. Bürgermeisterin Claudia Panke ist Vorsitzende der Gesellschafterversammlung.

2011 erzielte die GWG einen Jahresüberschuss von 354 000 Euro bei Umsatzerlösen in Höhe von 6,1 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr lag der Überschuss bei rund 800 000 Euro. Für 2011 wird die Bilanzsumme mit 47,8 Millionen Euro beziffert.

Dazu soll die Stadt ihrer Tochter neun Jahre lang 500 000 Euro überweisen. „Dadurch sichern wir den Bestand. Das ist in unserem Interesse. Wir brauchen die GWG“, sagt Panke und versichert, „dass die Anstrengungen für den Ausgleich des städtischen Haushalts davon unberührt bleiben sollen“. Die Bürger sollen durch diese „familieninterne Hilfe“ nicht belastet werden.

Die Gelder der Stadt würden am Ende „in etwa“ der Höhe des Minusbetrags entsprechen, der in den zehn Jahren der Gesellschaft entstanden ist, „weil die GWG für die Stadt in die Bresche gesprungen ist. Dann sind wir quitt“, so Pulido. Unberührt von den Instandhaltungsnotwendigkeiten werde sich die GWG ihren anderen Geschäftsfeldern – wie Projektentwicklung, Wohnungsverwaltung von Auftraggebern und Unterhaltung der städtischen Gebäude – weiter widmen. Und auch neue Projekte für die Stadt schließt Pulido nicht aus: „Aber nur, wenn wir nicht das Risiko tragen müssen.“

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