In einem Projekt tanzen Menschen zusammen, die einen Verlust erlitten haben.

Mehr als eine Ablenkung von der Trauer um den Partner war der Tango-Kurs für die Teilnehmer.
Mehr als eine Ablenkung von der Trauer um den Partner war der Tango-Kurs für die Teilnehmer.

Mehr als eine Ablenkung von der Trauer um den Partner war der Tango-Kurs für die Teilnehmer.

Caritas

Mehr als eine Ablenkung von der Trauer um den Partner war der Tango-Kurs für die Teilnehmer.

Kreis Viersen. Sechs Paare durchqueren zur rhythmischen lateinamerikanischen Musik das Bistro im Haus der Caritas in Viersen. Zwei Männer sind dabei, so dass sich zwei gemischte und vier Frauen-Paare gefunden haben. Sie üben die „Ochos“, die getanzten Achten im Tango und das Kreuzen, ein weiteres typisches Element des Improvisationstanzes.

Gemeinsam ist den zwölf Tänzern, dass sie trauern: Jeder von ihnen hat vor einiger Zeit den Partner durch Tod verloren. Sie nehmen an einem Tango-Kurs für Trauernde teil, veranstaltet vom Caritasverband für die Region Kempen-Viersen.

Der Ehemann starb an einem Hirntumor

Lächelnd bewegt sich Mechthild Herzogenrath über die Tanzfläche. Vor etwas mehr als zwei Jahren starb ihr Mann an einem Hirntumor. Das Paar war 19 Jahre zusammen und führte eine sehr enge Beziehung. „Das erste Jahr nach seinem Tod war einfach nur Horror“, erzählt die 48-jährige Schwalmtalerin. Inzwischen erlebt sie Phasen, in denen es ihr besser geht. Aber es folgen immer wieder auch „ganz fürchterliche Zeiten“, in denen die Trauer ungeheuer präsent ist.

Ein ständiges Auf und Ab. Sie fühle sich immer noch unsicher und sehr verletzlich, und deshalb betrachtet sie den Tango-Kurs auch als eine kleine Mutprobe: „Kann ich mich auf so etwas einlassen? Wie ist es, mit jemandem zu tanzen und körperliche Nähe zuzulassen?“

Zwar mag sie Musik und bewegt sich gern dazu, aber in eine Tanzschule wäre Mechthild Herzogenrath nie gegangen. „Hier tragen alle noch die Trauer in sich, das macht es leichter“, erklärt sie.

Das bestätigt Susanne Kiepke-Ziemes, die die Idee zu dem ungewöhnlichen Projekt hatte: „Tango kann die Trauerbewältigung sehr gut unterstützen. Unsere Teilnehmer machen sich auf, knüpfen Kontakte und lernen, sich selbst neu zu fühlen“, sagt die Koordinatorin des Projekts „Würdige Sterbebegleitung“ des regionalen Caritasverbandes.

Die Tango-Tänzer sind Besucher des „Trauercafés“ für Angehörige, das sie seit mehr als zwei Jahren gemeinsam mit Michael Dörmbach vom Mehrgenerationenhaus Viersen betreut. Karin Rast, Tangolehrerin und Ärztin, leitet den Kurs.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kurses denken inzwischen darüber nach, gemeinsam einem Tango-Club beizutreten. Mechthild Herzogenrath hat den jetzt beendeten Kurs – insgesamt sechs Abende – genossen: „Wir waren abgelenkt, und es hat sehr viel Spaß gemacht. Wenn man trauert, ist man buchstäblich am Boden zerstört. Tango zwingt einen, eine aufrechte Haltung einzunehmen.“ Red

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