Was mit eigenen Kräften an närrischem Treiben möglich ist, zeigten die St. Huberter.

heideröslein
Großbild Lübke

Auch die junge Tanzgarde der Straßengemeinschaft stand am Wochenende auf der jecken Bühne im Forum am Hohenzollernplatz.

St. Hubert. Melanie Flock hat so ziemlich alles versucht: Sie trat den Weight Watchers bei, besuchte die Schwarzwaldklinik – doch alles ohne großen Erfolg. Am Ende brach die St. Huberterin in ihrer Büttenrede „Die Schlankheitskur“ eine Lanze für kurvige Frauen: „Mein Mann schwärmt für Mollige“. Der Auftritt mit rosa Perücke war einer der Höhepunkte bei der Karnevalssitzung „Danz on Dollerei möt de Hei“ am Samstag im Forum am Hohenzollernplatz. Das war mit 220 Gästen nicht ausverkauft, was der Stimmung jedoch keinen Abbruch tat.

„Hoch das Bein, in den Spagat – als Belohnung gibt’s Salat.“

Melanie Flock, Büttenrednerin

Die Narrenschar hatte an bunt geschmückten Tischen Platz genommen, Luftballons und lachende Clownsgesichter grüßten von den Wänden, über allem wallte der üppige Deckenbehang. Einmal mehr schaffte es die Straßengemeinschaft Heideröslein, mit ausschließlich eigenen Kräften närrisch zu punkten. Natürlich fehlte dabei nicht das Lokalkolorit, sei es bei der Sprache oder bei den Themen.

Büttenrednerin hinterfragt Schlankheitswahn mit viel Witz

Büttenrednerin Melanie Flock meisterte ihren ersten Auftritt vor großem Publikum erstklassig. Ihre Schlankheitskur in Reimkultur war zwar eine „sechswöchige Höllentour“ der kleinen schicken Dicken. Doch schnell merkte ihr Mann, dass an einer „mickrigen Zicke nix dran zum Schmusen“ ist. Da konnte die dünne Konkurrentin noch so aufreizend „mit ihrem Parmaschinken wackeln“ – was blieb, sind „dünne Falten wie beim Rock“.

Flock verstand es, mit einfachen Worten den Wahnsinn des Schlankheitswahns komödiantisch zu hinterfragen. So erzählte sie von der Diätklinik: „Hoch das Bein, in den Spagat – als Belohnung gibt’s Salat“. Das Publikum honorierte den gelungenen Auftritt mit Applaus, stehenden Ovationen und begeistertem Gejohle. Sitzungspräsident Nils Leenen war wie auch der Elferrat hin und weg.

„Hüppersche Dreamboys“ mit Perücke, Kittel und Schminke

Als Schornsteinfeger machten „Die Heidekracher“ eine gute Figur und kamen wie auch die „Dancegirls“ mit aufreizenden Kostümen sehr gut an. Getoppt wurde dies nur noch vom Tanz der „Hüpperschen Dreamboys“, die als „schneeweiße Luder“ mit blonder Perücke, Arztkittel und viel Schminke im Gesicht zu später Stunde für Freudentränen sorgten.

Nils Leenen war zum siebten Mal Sitzungspräsident. Er reiste dafür extra aus Lorsch 400 Kilometer an.

Hanni Mülders und Elsbeth Schiller bekamen als älteste Damen im Saal den Heide-Orden verliehen.

Das abgespeckte Sitzungsprogramm sorgte gestern Nachmittag bei Bewohnern der Lebenshilfe Viersen, ihren Betreuern und Verwandten für Kurzweil.

„Allein in einem schönen Dorf, allein in St. Hubert“ fanden sich die „Pink Devils“ wieder, eine Girlband mit pinken Korsetts. Kurios komisch gefiel das Zweigespräch „Vater und Tochter“ mit Nina und Thomas Gerrits.

Nicht familiär, dafür aber „retro“ sorgte die Playback-Show rund um die „Neue Deutsche Welle“ kurz vorm Finale für ordentliche Stimmung, bevor es „Bye bye my love“ hieß. Auf Wiedersehen, liebe Heide, und bis zum nächsten Mal!

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