Diesseits der Grenze nehmen die Bestrebungen zu, große Zentren einzurichten.

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In Roermond laufen gerade Erweiterungen – zum größten Outlet-Center Europas.

Niederrhein. „Wenn das Angebot gut ist, sind die Menschen bereit, dafür weit zu fahren“, sagt Markus Ottersbach. Er ist Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Krefeld-Viersen – und schaut neidisch nach Roermond. Dort wird das Designer Outlet Center gerade wieder erweitert – es soll das größte in Europa werden.

Vor allem sonntags lockt es die Kunden vom Niederrhein nach Holland. „Vor diesem Hintergrund ist es absurd, wenn NRW wieder über die Einschränkung der Sonntagsöffnungszeiten diskutiert“, sagt Ottersbach.

Deutsche lassen deutlich mehr Geld in den Niederlanden als umgekehrt

Dass Kaufkraft in großem Stil abfließt, bestätigt auch Andree Haack, Geschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. Eine Studie habe belegt, dass Deutsche dreimal mehr Geld in den Niederlanden ließen als umgekehrt.

Kein Wunder, dass auch auf deutscher Seite die Bestrebungen zunehmen, große Outlet- oder Einkaufszentren einzurichten. „Der Wettbewerb der Zentren ist in vollem Gange“, sagt Ottersbach. Gebaut wird bereits in Oberhausen, wo das Centro erweitert wird.

Noch umstritten ist die Planung in Duisburg; dort soll in Hamborn auf der grünen Wiese quasi eine zweite Mitte für die Stadt entstehen. 2014 soll das Factory Outlet Center mit 140 Geschäften auf 28 000 Quadratmetern Verkaufsfläche fertig sein.

Das Designer Outlet Center (DOC) in Roermond umfasst derzeit 35 200 Quadratmeter Verkaufsfläche. Es soll bis 2015 weitere 50 Shops erhalten und dann mit 45 000 Quadratmetern Verkaufsfläche das größte Outlet-Center in Europa sein. Pro Jahr kommen knapp vier Millionen Besucher. Geöffnet ist an 363 Tagen im Jahr; nur am ersten Weihnachtsfeiertag und an Neujahr ist geschlossen.

Die Ruhrgebietsstadt mit dem schlechten Image hat mit dem Einkaufszentrum „Forum“ die Innenstadt gestärkt. Nun soll ein Outlet-Center im Stadtteil Hamborn dazukommen. 28 000 Quadratmeter Verkaufsfläche sind geplant (Eröffnung Ende 2013).

Im Herzen der Stadt plant Gladbach die Arcaden. Das Einkaufszentrum soll 26 000 Quadratmeter Verkaufsfläche umfassen. Abgerissen wird dafür das seit Jahren leerstehende Stadttheater. Die Fertigstellung ist für Herbst 2014 geplant.

Diese Pläne lehnen sowohl Haack als auch Ottersbach ab. Gerade bei sinkenden Bevölkerungszahlen müssten die Innenstädte gestärkt werden, dort müssten Leben und Handel stattfinden, sagt Ottersbach. Gerade erst habe Duisburg mit Masterplan und Forum wieder Leben in die Innenstadt gebracht; das werde nun mit den Outlet-Plänen wieder gefährdet, sagt Haack.

Kritik aus Viersen am Großprojekt in der Nachbarstadt Gladbach

Mitten im Herzen der Stadt plant gerade Mönchengladbach die Arcaden. 26 000 Quadratmeter groß soll das Einkaufszentrum werden. Ein bisschen kleiner hätte es auch getan, meint Haack, aber das Zentrum liege zentral, sei richtig eingebunden und beseitige den städtebaulichen Missstand des seit vielen Jahren leerstehenden Theaters.

Was für die Stadtentwicklung gut sein mag, trifft aber nicht überall auf Gegenliebe: So steht die Nachbarstadt Viersen dem Großprojekt kritisch gegenüber; dort wird massiver Kaufkraftabfluss nach Mönchengladbach befürchtet.

Auswirkungen für Krefeld befürchtet Ottersbach durch die Arcaden oder das Duisburger Outlet-Center nicht. Die Stadt habe gute Voraussetzungen, aber auch dringenden Handlungsbedarf, denn: „Die Menschen gehen dahin, wo sich etwas tut“, so Ottersbach. Die Stadt habe sich gegen den Bau eines neuen Centers entschieden und quasi die Innenstadt zum Einkaufszentrum erklärt. Krefeld verfüge über viele inhabergeführte Geschäfte, doch gebe es einen Renovierungsstau. Die Innenstadt benötige eine Art Facelifting, sagt Ottersbach.

Das trifft sicher auf mehrere Städte zu. Dabei stehe der Handel vor großen Herausforderungen, sagt Haack. Immer wieder hätten die Geschäftsleute in den Innenstädten mit Problemen zu kämpfen. Er nennt vier Punkte:

1. Die Konkurrenz auf der „grünen Wiese“.

2. Der neue Wettbewerber Internet.

3. Parkprobleme durch neue Umweltzonen.

4. Die Diskussion um die Ladenöffnungszeiten.

Vor diesem Hintergrund ist es gut, dass sich im Handel etwas tut, sagt Ottersbach. Dabei müsse man aber auch einen Weg finden, mit dem bestehende Strukturen im Einzelhandel nicht zerschlagen werden. „Wettbewerb ist wichtig“, sagt Ottersbach, „aber die Existenzen müssen auch gesichert werden. Sonst gehen Arbeitsplätze verloren.“

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