Laut Bertelsmann-Stiftung haben 40 Prozent der jungen Niederrheiner schon die Pillen vom Arzt bekommen.

Studie
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Bei Virusinfekten wie fiebrigen Erkältungen können Antibiotika oft nichts ausrichten.

Niederrhein. Kinder und Jugendliche am Niederrhein schlucken zu viele Antibiotika. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Der „Faktencheck Gesundheit“ ergab, dass über 40 Prozent der Kinder in Krefeld, Mönchengladbach und dem Kreis Viersen im Jahr 2010 mindestens einmal Antibiotika verschrieben bekommen haben.

Die Quote ist in anderen Regionen wie Schleswig Holstein (31 Prozent), Bremen und Baden-Württemberg (jeweils 33 Prozent) deutlich geringer.

Antibiotika werden am häufigsten Drei- bis Sechsjährigen verschrieben

Die Bertelsmann-Stiftung stützt ihre repräsentative Studie im Wesentlichen auf Daten von Versicherten der Krankenkasse Barmer GEK. Antibiotika werden demnach am häufigsten Kindern im Kindergartenalter von drei bis sechs Jahren verschrieben. Hier erhielt 2010 jedes zweite Kind ein Antibiotikum verordnet.

Ab dem siebten Lebensjahr nimmt die Zahl der Verschreibungen spürbar ab, im Erwachsenenalter erhielt jeder Dritte ein Antibiotikum verschrieben, so die Studie. Vor allem Hausärzte würden bei Kindern schneller zu Antibiotika-Behandlungen neigen. Genaue Ursachen für die regionalen Unterschiede konnten die Gesundheitsexperten allerdings nicht herausfinden.

Eltern sollten kritisch nachfragen, wenn der Arzt ihrem Kind Antibiotika gegen eine akute Mittelohrentzündung oder eine fiebrige Erkältung verschreiben will, rät der Gesundheitsexperte der Stiftung, Stefan Etgeton. „Diese Erkrankungen sind in der Regel Virusinfekte, gegen die Antibiotika nichts ausrichten können.“

Der Faktencheck Gesundheit der Stiftung Bertelsmann ist repräsentativ. Die Grundlage für die Untersuchung bilden die Patientendaten der Barmer GEK Krankenversicherung.

Der Studie zufolge verordnen Ärzte Antibiotika deutlich häufiger an Kinder als an Erwachsene.

Etgeton empfiehlt, vor dem Einsatz von Antibiotika erst ein paar Tage abzuwarten und das Kind in der Zeit mit Schmerzmitteln zu behandeln, die die Wirkstoffe Paracetamol oder Ibuprofen enthalten und kindgerecht dosiert seien. Ohrenschmerzen könnten durch Auflegen eines Zwiebelsäckchens gelindert werden.

Der übermäßige Einsatz von Antibiotika kann gefährlich werden, weil die Medikamente irgendwann nicht mehr wirken, weil die Erreger resistent werden. Dann müsste auf Reserve-Antibiotika ausgewichen werden, die schweren Fällen vorbehalten sein sollten.

Auch in der Region waren die Zahlen unterschiedlich. Soviel Prozent aller Kinder erhielten im Jahr 2010 ein Antibiotikum verschrieben:

Krefeld40,7 %

M’gladbach 41,5 %

Kreis Viersen 38,4 %

Kreis Kleve 36,4 %

Kreis Wesel 38,7 %

Kreis Neuss 40,0 %

Düsseldorf 37,6 %

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