In St. Katharina und St. Cornelius vermitteln die farbenprächtigen Fenster eine christliche Botschaft.

Von Walther Benner stammt das Fenster zu Christi Geburt in St. Katharina in Willich.
Von Walther Benner stammt das Fenster zu Christi Geburt in St. Katharina in Willich.

Von Walther Benner stammt das Fenster zu Christi Geburt in St. Katharina in Willich.

Gustav Fünders hat für St. Cornelius in St. Tönis die Verkündigung an Maria geschaffen.

F. Reimann, Bild 1 von 2

Von Walther Benner stammt das Fenster zu Christi Geburt in St. Katharina in Willich.

Willich/Tönisvorst. Der Heilige Josef sieht ein wenig überrascht aus: In der linken Hand hält er noch locker den Stab, während er die Rechte wie erschreckt vor den Mund schlägt. Sind es die vielen jubilierenden Engel um ihn herum, die ihn so aus der Fassung bringen? Wenn ja, steht er damit allein: Die Heilige Maria zu seinen Füßen ist gelassen eingeschlummert. Das Jesuskind wirkt ebenfalls sehr müde. Hirten, Schafe und die Heiligen Drei Könige halten sich derweil vornehm im Hintergrund. Der Glasmaler Walther Benner hat Mitte der 50er Jahre Christi Geburt so dargestellt. Zu sehen ist sein Werk auf einem Chor-Fenster in der Pfarrkirche St. Katharina in Willich.

Fenster waren die Bibel für arme Menschen

Dass Fenster eine ganze Geschichte erzählen können, ist keine Erfindung des 20. Jahrhunderts. „Schon im Mittelalter gab es auf Kirchenfenstern die Tradition der Biblia pauperum, der Bibel für die Armen“, erzählt Paul Schrömbges vom Kirchenbauverein. Da die Menschen damals nicht lesen konnten, sollten ihnen die biblischen Erzählungen in leuchtenden Farben auf den Kirchenfenstern vor Augen geführt werden. Was nach der Reformation allerdings aus der Mode kam: Schlichte Fenster waren nun gefragt. Erst im 19. Jahrhundert setzte die Begeisterung für die farbige Glasmalerei wieder ein. „Das war in der Kirchengeschichte immer eine Pendelbewegung“, berichtet Schrömbges.

Mehrere Fenster mit bildlichen Darstellungen aus der Bibel gibt es in St. Katharina im Chor: Aus Sicht des Hochaltars auf der rechten Seite sind die Mariendarstellungen (Verkündigung, Aufnahme Marias in den Himmel, Begegnung mit Elisabeth) zu sehen. Die himmlischen Heerscharen umgeben die Mutter des Erlösers, an der obersten Spitze eines der drei Fenster ist ein vierflügeliger Cherub, ein Engel von besonders hohem Rang, zu sehen.

In St. Katharina gibt es noch Werke aus dem Kirchenbaujahr

Auf der linken Seite des Altars: die sogenannten Josefsfenster. Die Geburt Christi, die Flucht nach Ägypten und das Auftreten Jesu im Tempel hat Walther Benner dargestellt. „Das Ganze ist natürlich keine Biblia pauperum mehr, da die Menschen mittlerweile ja lesen können“, so Schrömbges. Vielmehr seien die Fenster als ein „Zitat“ der Gotik zu verstehen, wie es sie in der neugotischen Kirche an vielen Stellen gebe.

Die übrigen Kirchenfenster von St. Katharina sind deutlich schlichter gehalten: Farbige Ornamente mit symbolischen geometrischen Mustern bestimmen das Bild. „Von den Willichern werden sie spöttisch Verkehrsschilder genannt“, verrät Schrömbges. In der Taufkapelle finden sich deutlich filigranere Ornamente auf dem Glas. Die Fenster hier stammen aus dem Kirchenbaujahr 1900 und haben als einzige den Krieg überlebt.

Gustav Fünders hat 16 Fenster für St. Cornelius geschaffen

Die bekanntesten Werke des 1912 in Aachen geborenen Walther Benner sind die Fenster des Aachener Domchores, mit 27 Metern die höchsten Fenster Europas, die Diskussionen über die Darstellbarkeit christlicher Themen anregten. Gestorben ist Benner 2005 in Belgien.

Gustav Fünders ist 1903 in Krefeld geboren und 1973 in St. Tönis gestorben. Ab 1927 besuchte er die Kunstschule Hans Carp in Düsseldorf. Während des Krieges war er Soldat in Russland. 1953 entstand sein Hauptwerk, die Fenster in der Pfarrkirche St. Cornelius.

Davon finden sich in St. Cornelius in St. Tönis keine mehr. Das älteste Kirchenfenster wurde 1951 von dem Künstler Gustav Fünders gefertigt: Christus der Weltenrichter. Es begrüßt und verabschiedet die Kirchenbesucher, denn es befindet sich direkt über der Eingangstür. 16 Fenster hat der Krefelder Künstler für St. Cornelius gestaltet. Beim Betreten der Kirche springen dem Besucher direkt leuchtende Farben ins Auge.

Allerdings werden die Seitenschiffe hauptsächlich von Werken des Künstlers Jochem Poensgen bestimmt. 1988 hat er sechs schlichte Ornament-Fenster geschaffen.

In den Querschiffen und im Chor werden die Fenster bildhaft. Von Abrahams Opfer über die Kreuzigung bis zur Auferstehung Christi hat Gustav Fünders wichtige Geschichten der Bibel illustriert. Auch wenn die Bilder nicht abstrakt sind, erschließt sich die Symbolik oft erst beim näheren Betrachten. So auch bei dem großen Fenster im rechten Querschiff. Es zeigt die Schöpfungsgeschichte, wobei die Spiralen als Symbole der unaufhörlichen Bewegung des Weltalls kaum erkennbar sind. Auch Werner Lessenich, Archivar des Heimatbundes St. Tönis, muss zweimal hinschauen. „Das liegt aber auch daran, dass früher im rechten Querschiff immer die Jungen saßen. Deshalb hatte ich das Fenster im Rücken“, sagt er.

Geschaut hat er damit auf ein anderes Bild: die Apokalypse. Das imposante und sehr kleinteilige Fenster wurde von Fünders 1968 gemalt. Es ist sein letztes Bild für St. Cornelius. Zu sehen sind unter anderem das Lamm im himmlischen Jerusalem und der Strom des ewigen Lebens.

In der Taufkapelle ist das Fenster klarer strukturiert. Dort ist die Taufe Jesu abgebildet. Am ehesten behandelt das Fenster im Seitenchor die Geburt Christi. Das zeigt Maria, als ihr Erzengel Gabriel die Geburt Christi ankündigt. Das wird am 25. März, also neun Monate vor Weihnachten, gefeiert.

Neben den Fenstern von Gustav Fünders gibt es in St. Cornelius auch zwei Werke seines Sohns Rainer. Diese sind abstrakter. Sie zeigen Symbole für die Landwirtschaft und Industrie. „Das muss man allerdings wissen, um es zu erkennen“, sagt Lessenich. Die Werke des Vaters sprechen eine deutlichere Sprache.

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