Insgesamt 1200 Frauen kamen zu den drei Sitzungen in den Kaisersaal. Männer waren dort nur eine Randerscheinung.

Pfundig: Engel Hettwich begeisterte mit kessen Witzen und Sprüchen.
Pfundig: Engel Hettwich begeisterte mit kessen Witzen und Sprüchen.

Pfundig: Engel Hettwich begeisterte mit kessen Witzen und Sprüchen.

Lübke, Kurt (kul)

Pfundig: Engel Hettwich begeisterte mit kessen Witzen und Sprüchen.

Willich. Steckt das Winterbrauchtum in der Krise? Kein „großes“ Stadtprinzenpaar, enttäuschend wenig Anmeldungen für den Tulpensonntagszug und keine Sitzung der Kolpingsfamilie sind deutliche Anzeichen hierfür. Aber es geht auch anders: Die Sitzungen des „Vereinigten Männerchores“ – sie heißen Hausfrauennachmittag – im Kaisersaal Schiffer waren an drei Tagen in Folge ausverkauft.

Rund 1200 Frauen bekamen viel zu lachen, das vierstündige Programm war sehr ausgewogen. Männer waren im wahrsten Sinne des Wortes Randerscheinungen: Michael Atsuki, Vorsitzender des Chores, regelte die Abläufe. Ebenfalls VMC-Mitglied: „Eisbrecher“ Michael Nelke. Er heizte den Damen mit Stimmungsliedern gleich zu Beginn der Sitzung ein. Und danach startete Jumbo-Engel Hettwich mit Heiligenschein und Fliegerbrille den ersten Angriff aufs Zwerchfell.

„Dat Chantalle“ klagte übers starke Geschlecht

Die Alternative zur politischen Büttenrede: Gesang mit frechen Texten, dazu bekannte Ohrwurm-Melodien. „Et Zweigestirn“ aus Düsseldorf – dahinter verbergen sich Roland Jansen und Carsten Forg – machten Angela Merkel zur „Sex Bomb“, aus Steinbrück, Gabriel und Steinmeier wurden „Drei kleine SPDler“ und aus Silvio Berlusconi eine Rampensau. Die Frauen strahlten – aber noch nicht alle.

Das sollte sich wenig später ändern: Manfred Dreschers aus Alsdorf trat als „Dat Chantalle“ im knappen Minirock und mit phänomenaler Oberweite auf. Dreschers widerlegte das Vorurteil, dass nur Männer über Witze unterhalb der Gürtellinie lachen, auf eindrucksvolle Weise. Der als Vamp verkleidete Mann klagte über das starke Geschlecht: „Heutzutage gilt jemand schon als Gentleman, wenn er beim Küssen die Zigarette aus dem Mund nimmt.“

Sebastian Reich war jetzt zum dritten Mal aus Würzburg angereist. Mit im Gepäck des hervorragenden Bauchredners: Die Puppe Amanda, ein liebenswertes Nilpferd in Tanzmariechen-Kluft. Für eine tolle Leistung gab es nach ziemlich genau zwei Stunden und somit zur „Halbzeit“ die erste „Rakete“.

Ein Hilfslehrer gründete 1820 eine Sonntags-Gesangsschule. Die sah es als hauptsächliche Aufgabe an, den Gottesdienst zu verschönern. Aber schon 1822 gab es das erste Konzert. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zur Fusion mit dem „Willicher Männerquartett“. Zurzeit hat der VMC etwa 60 Aktive.

Tanz gehört natürlich auch zu einer gelungenen Karnevalssitzung. Beim VMC gab es davon reichlich: Die Gardegirls der Rheydter Prinzengarde kamen als bunt-schillernde Paradiesvögel, aus der Domstadt fuhren die „Kölner Rheinveilchen“ vor. Der Samba dominierte den Auftritt des Männerballetts unter der Leitung von Uli Eirmbter – diese Tänzer sind Mitglieder des Vereinigten Männerchors 1820 Willich.

Natürlich durfte auch die Prinzengarde der Stadt Willich nicht fehlen. Der Vorsitzende Frank Schreiber kürte Sitzungspräsidentin Sandra Stocks-Nelke, die wie immer souverän und schlagfertig durch das Programm führte, zum „Mariechen des Jahres 2013“. Kinderprinz Paul I. forderte die Närrinnen auf, sich möglichst zahlreich an den noch ausstehenden Karnevalsveranstaltungen – von der Schlosserstürmung bis zum Tulpensonntagszug – zu beteiligen.

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