Von Herbert Baumann
Die Pavillons auf dem Marktplatz werden Ende Juni abgerissen. Zwei verbliebene Pächter sind sauer.
Pavillons auf Abruf. Das Foto von Jörg Knappe zeigt einen Blick auf die Alt-Gebäude vom Marktplatz aus.
Mönchengladbach. Der Handy-Anbieter ist weg, die City-Werkstatt der Stadt ist leer und bei Blumen Moll erinnert nichts mehr an blühende Landschaften. Die Pavillons auf dem Rheydter Marktplatz stehen zum Abbruch bereit. Wären da nicht zwei Mieter, die in eben so vielen Lokalen ihren Geschäften nachgehen. Das größte und bekannteste ist „Gregory’s Cafe“. Dessen Pächter Frank Biermann (42) wird „nicht mal so eben ausziehen“, wie er sagt. Schließlich besitze er einen Pachtvertrag bis 2025. Biermann dringt auf eine Ausgleichszahlung und will jetzt seinen Anwalt in Richtung Stadtverwaltung schicken.
Klage gegen alten Parkhaus-Betreiber
Der Stadt sind die maroden Pavillons nach dem Scheitern der Gespräche mit Q-Park ebenso zugefallen wie die sanierungsbedürftige Tiefgarage unter dem großen Marktplatz. Parkhaus-Betreiber Q-Park drängte auf eine Verlängerung des lange geltenden Erbbaurechtsvertrags – mit günstigeren Konditionen. Die Gespräche scheiterten. Jetzt hat die Stadt Schadenersatz-Klage gegen die Düsseldorfer eingereicht. Sie verlangt rund 3,5 Millionen Euro. Begründung, salopp formuliert: Q-Park habe die Groß-Garage verkommen lassen.
Die Stadt hält an Zeitplan fest
Wider Willen „und mit für mich hohen Kosten, die ich tragen muss“, wagt Natascha Siepmann, die Zweite unter den verbliebenen Pavillon-Pächtern, einen Neuanfang. Sie will ihr Sonnenstudio „Crazy Sun“ an der Marktstraße 5 neu eröffnen.
Die Bräuner und was sonst noch dazu gehört, muss sie bis 30. Juni am Marktplatz abbauen. Sie habe, sagt sie zur WZ, von der Stadt die Kündigung erhalten. Obwohl auch sie einen noch mehrere Jahre geltenden Vertrag hat. Den hatte sie mit Q-Park abgeschlossen. Doch den müsse die Stadt nicht übernehmen und folglich keinen Schadenersatz zahlen. Das hätten ihre Anwälte erklärt. Siepmann: „Das ist kein schöner, aber ein teurer Abgang.“
Andreas Wurff, Technischer Beigeordneter der Stadt, sagte: „Auch Herrn Biermann haben wir zum Ende Juni gekündigt und ihm den Ratskeller Rheydt als Ersatz angeboten.“ Dies habe er aber abgelehnt. Man sei bemüht, für das Gregory’s einen Ersatz zu finden. Biermann betont wiederum, ohne eine Ausgleichszahlung könne er das Gregory’s nicht an anderer Stelle eröffnen.
Die meisten von ihnen sind leer, in einigen Lokalen stapelt sich der Müll. Geht es nach dem Zeitplan der Stadt, erfolgt der Abriss der Flachbauten ab Anfang Juli.
Sie muss allein aus Sicherheitsgründen saniert werden. Kosten: rund sieben Millionen Euro. Die Hälfte der Summe käme bei erfolgreicher Klage gegen Q-Park zurück. Doch das dauert.
Er sieht schon lange schäbig aus. Die Neugestaltung – sie kostet 5,6 Millionen Euro – sieht vor: Bänke, Bäume, Brunnen, Biergarten, freie, fein gepflasterte Flächen. Baustart: Sommer 2012.
Bei der Stadt hält man am Terminplan fest. Nach dem Turmfest (22.-24. Juni) sollen die Bagger rollen – und die Pavillons beseitigen. Dann wird der Marktplatz gesperrt.
Ein weiterer, folgender Schritt sei die Sanierung der Tiefgarage. Das soll mehr als sieben Millionen Euro kosten. Die Decke des Parkhauses, von der Parkplatzgesellschaft der Stadt und Borussia gemanagt, ist undicht. Da sie aber auch Grundlage des Marktplatzes ist, muss sie erneuert werden. Damit danach – noch 2012 – mit der Neugestaltung des eigentlichen Platzes begonnen werden kann.
Kosten laut Stadtverwaltung: 5,6 Millionen Euro.




