Von Achim Müller
Mit 5:0 fegt Gladbach Werder Bremen aus dem Stadion und sorgt für Begeisterung.
Mönchengladbach. Als Regisseur Lucien Favre seinem Protagonisten Marco Reus in der 87. Minute den vorzeitigen und umjubelten Abgang von der Rasen-Bühne gewährt, kocht in der Fußball-Oper Borussia-Park die Stimmung über.
Das ekstatische Publikum feiert mit Steh-Applaus und Oh-wie-ist-das-schön-Gesängen Reus’ Darbietung. Die Fußball-Profis von Borussia Mönchengladbach, die Fast-Absteiger der vergangenen Saison, haben im Bundesliga-Spitzenspiel Werder Bremen mit 5:0 (3:0) in Grund und Boden gespielt, zeitweise gedemütigt.
Reus ist mit mit drei Treffern der Garant für die Borussen-Gala
Und Reus, der 22 Jahre alte Hochgeschwindigkeits-Dribbler, liefert mit drei herrlich herausgespielten Treffern entscheidende Beiträge zur magischen Borussen-Gala. Der dritte Sieg in Folge, der VfL auf einem Champions-League-Platz, in der Gladbacher Arena kreist minutenlang „La Ola“, die Welle der Begeisterung. Ein älterer Herr ruft ergriffen die Renaissance der legendären Fohlen-Elf aus. Tränen fließen, es fällt der Satz: „Wie früher! Dass ich das noch erleben darf.“
In der Nordkurve tanzen sie derweil den VfL-Walzer und läuten die heiße Phase vor dem Derby beim Erzrivalen Köln ein. Reus gesteht später: „Es hat wahnsinnigen Spaß gemacht gegen Bremen, nicht nur mir, sondern der ganzen Truppe. Wir haben uns in einen Rausch gespielt.“
Bereits gegen Hannover und Hertha BSC war der Nationalspieler mit jeweils einem Doppelpack der gefeierte Held, nun das Drei-Treffer-Kunststück. Solch einen Torreigen in Serie hatte zuvor noch kein Borusse in Liga eins geschafft – Klubrekord. „Es ist nicht wichtig, wer die Tore macht, sondern dass wir als Mannschaft Erfolg haben“, so Reus. Ohne seine Mitspieler könne er keine Tore machen, den Erfolg habe man sich gemeinsam hart erarbeitet.
. . . über den Erfolg: „Der Erfolg beruht nicht nur auf Marco Reus. Seine Tore gegen Bremen waren fantastisch vorbereitet. Es herrscht ein guter Geist in der Mannschaft.“
. . . über Marco Reus: „Er wird von seinem Vater und seinem Berater gut geführt. Er ist keineswegs abgehoben, so wie es manch anderen Spielern passiert. Er hat eine große Karriere vor sich. Sollte seine Ablöse tatsächlich jährlich um drei Millionen Euro sinken, er uns aber jedes Jahr nach Europa schießen, wäre es ein gutes Geschäft, ihn zu halten.“
. . . andere Spieler: „Bei der Vertragsverlängerung von Marc-André ter Stegen hat sich der Klub weit aus dem Fenster gelehnt. Er stammt wie Tony Jantschke und Patrick Herrmann aus dem eigenen Nachwuchs. Der Verein redet nicht nur davon, eigene Leute einzubauen, er tut es auch.“ gon
In der Tat war es nicht nur Reus, sondern das Kollektiv Borussia, das konsternierte Bremer überrollte. Ob der freche Windhund Patrick Herrmann (Kopfballtreffer zum 1:0) oder Arangos Paukenschlag per Außenrist zum 5:0 in den Winkel – die Elf vom Niederrhein spielte wie aus einem Guss.
„Wir müssen solche Momente genießen, das haben wir uns auch verdient. Aber keiner hebt hier ab! Wir wissen alle, wie schnell sich das auch wieder ändern kann“, sagt Stürmer Mike Hanke, der gegen Werder zwar erneut torlos blieb, dabei aber dennoch in allen Belangen überzeugen konnte.




