Von Achim Müller
Trotz drückender Überlegenheit spielt die Borussia gegen Bayer nur 2:2.
Patrick Herrmann erzielte mit einem schönen Lupfer das zwischenzeitliche 2:1 für die Borussia.
Mönchengladbach. Es war das Sahnehäubchen auf eine bis zu diesem Zeitpunkt berauschende Gala der Gladbacher Borussia: Per Traumpass bediente der genial aufspielende Juan Arango Jungspund Patrick Herrmann, der schließlich alleine auf Leverkusens tollkühnen Torhüter Bernd Leno zulief und diesen mit einem herrlichen Lupfer zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung düpierte. „Eigentlich wollte ich den Ball in die Ecke schieben, aber Leno hat den Winkel sehr gut verkürzt, und dann habe ich mich im letzten Moment für einen Lupfer entschieden – es war die richtige Entscheidung“, beschrieb Herrmann später seinen Genie-Streich. Die Stimmung im fast ausverkauften Borussia-Park kochte in jener 72. Spielminute über, die Fohlen hatten Vize-Meister Leverkusen an die Wand kombiniert.
Schürrle bestraft die schlampige Chancenverwertung des VfL
„Die Nummer eins am Rhein sind wir“ – Gladbachs Fans hatten den Heim-Erfolg schon vor Augen. Doch dann bestrafte kurz vor dem Abpfiff Bayers Nationalspieler André Schürrle mit einem atemberaubenden Antritt und einem ebenso atemberaubenden Schuss in den Winkel zum 2:2-Endstand doch noch Borussias schlampige Chancenverwertung. Die Folge: Schockstarre im VfL-Lager, ungläubiges Kopfschütteln. Dass die Elf vom Niederrhein weiterhin sensationell einen Champions-League-Platz in der Tabelle belegt, geriet in den Hintergrund. Weil ein packendes und hochklassiges Derby völlig auf den Kopf gestellt worden war, nur ein Heim-Punkt aus einem Duell, das fünf oder sechs zu zwei für die Borussen hätte ausgehen müssen. Die Enttäuschung war den Jungs von Trainer Lucien Favre auch nach dem Auslaufen am Sonntag noch anzumerken. „Die vergeht leider nicht an einem Tag“, so Herrmann, „aber das ist ja auch klar, wenn man bis kurz vor Schluss 2:1 geführt hat und dann so einen Gegentreffer bekommt, das ist schon bitter. Aber wir müssen jetzt weiter nach vorne schauen.“
Herrmann selbst kann positiv in die Zukunft blicken. Der Mittelfeldspieler hatte bei seinem zweiten Startelf-Auftritt in dieser Saison das Vertrauen von Lucien Favre gerechtfertigt. Das Lob des Trainers ließ auch nicht auf sich warten. „Ich denke, Patrick hat gezeigt, was in ihm steckt. Er ist auf einem guten Weg.“ Schon in der vergangenen Saison, bei Borussias 6:3-Triumph in Leverkusen, zählte Herrmann zu den besten Borussen. Danach wurde es allerdings wieder etwas ruhiger um ihn – was auch am nervenaufreibenden Abstiegskampf lag. Nun, unter Favre, blüht der 20-Jährige auf. Er sei in einer Lernphase, wolle den nächsten Schritt machen. Und hat bereits wieder einiges an Selbstvertrauen dazugewonnen: „Wir kennen unsere Qualitäten und brauchen vor niemandem Angst zu haben.“ Auch nicht vor dem kommenden Gegner Hoffenheim, versichert Herrmann.
„Es hätte nur einen Sieger geben dürfen, nämlich uns. Aber das ist Bundesliga, wenn Schürrle mit seiner individuellen Klasse ein Traumtor macht.“
„Wir waren in der Innenverteidigung bei den Ersatzspielern zu jung aufgestellt. Durch Martin Stranzl haben wir viel mehr Stabilität bekommen.“
„Er passt zu dieser Mannschaft und diesen Verein. Er kommt als Erster und geht als Letzter. Die jungen Spieler brauchen so etwas. Seine Arbeit trägt nun Früchte.




