Von Achim Müller
Ein 1:1 in Hamburg reicht für die Relegation, nicht aber für den direkten Klassenerhalt.
Hamburg. Borussia Mönchengladbach muss als Tabellen-16. der Fußball-Bundesliga in die Relegationsspiele gegen den Drittplatzierten aus Liga zwei. Die Fohlen erkämpften am letzten Spieltag beim Hamburger SV ein 1:1 (1:0)-Remis, verpassten aber durch das 3:1 der Wolfsburger in Hoffenheim den Sprung ans rettende Ufer. Wer der Gegner der Gladbacher in den Relegationsspielen (19. und 25. Mai) sein wird, entscheidet sich am Sonntag.
Der Spieler des Spiels
Nach einem Foul von Ricon an Mo Idrissou schnappte sich Borussias Scharfschütze Juan Arango den Ball, um den fälligen Freistoß auszuführen. Arango schaute genau hin, rund 22 Meter bis zum Tor von HSV-Keeper Frank Rost, dann haute der Venezolaner die Kugel links unten ins Eck, die verdiente Führung (41.) für Borussia. Mit seinem Treffer sicherte Arango am Ende Borussia den einen Punkt und Relegationsplatz 16.
Der Moment des Spiels
Als um 16.36 Uhr die Hoffenheimer Führung gegen Wolfsburg auf den Videowänden in der HSV-Arena angezeigt wurde, kannte der Jubel bei den rund 8.000 mitgereisten Gladbacher Fans keine Grenzen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Fohlen einen Nichtabstiegsplatz erreicht. Wenige Minuten später begann jedoch das große Zittern im Borussen-Block: Frankfurt war in Dortmund in Führung gegangen, Wolfsburg drehte die Partie in Hoffenheim. Kurz vor Spielende dann die Erleichterung: Durch das 3:1 von Meister Dortmund war den Gladbacher der Relegationsplatz nicht mehr zu nehmen.
Der Aufreger des Spiels
Es lief die 24. Spielminute, als Hamburgs Elia nach einem Fehlpass von Nordtveit auf und davon lief und schließlich die Kugel auch geschickt an Keeper Marc-André ter Stegen ins Gladbacher Gehäuse einschob. Die HSV-Fans bejubelten bereits die 1:0-Führung, doch Schiedsrichter Manuel Gräfe erkannte den Treffer nicht an. Richtige Entscheidung des Unparteiischen. Denn Hamburgs Ben-Hatira hatte beim Konter seinen Gegenspieler Tony Jantschke gefoult und so Elia den Laufweg frei gemacht.
Chronik des Spiels
Vor 57.000 Zuschauer in der ausverkauften Hamburger Arena zeigten die Borussen von Beginn an Kampf und Einsatz und nahmen das Heft in die Hand. Angefeuert von den VfL-Treuen, die auf einem großen Transparent schon vor dem Anpfiff „Vollgas“ gefordert hatten, erspielte sich die Fohlen die ersten Chancen. Ein Schuss von Neustädter (2.) verfehlte knapp das Tor, in der sechsten Minute klärte HSV-Abwehrspieler Westermann vor Mike Hanke. Auf der anderen Seite hatte der HSV Pech, als ein Schuss von Elia (14.) knapp am Gladbacher Tor vorbeirauschte. Auch in der Folgezeit machte die HSV-Deckung nicht immer den sichersten Eindruck, doch die Borussen konnten daraus zunächst kein Kapital schlagen. Bis zur 42. Minute, als Arango einen Freistoß eiskalt zur verdienten Führung ins HSV-Tor zirkelte.
In Durchgang zwei änderte sich das Spielgeschehen allerdings. Die Hamburger erhöhten deutlich das Tempo und drückten den VfL immer mehr in die eigene Hälfte zurück. Allerdings konnten sich die Hanseaten keine hochkarätigen Torchancen erspielen. In der 71. Minute schlug dann aber der kurz zuvor eingewechselte Ruud van Nistelrooy zu: Ihm fiel ein Abpraller vor die Füße, der Holländer lupfte gekonnt die Kugel über den verdutzten VfL-Keeper ter Stegen Richtung Tor, Dante versuchte noch, gegen van Nistelrooy zu retten, schließlich staubte aber Ben-Hatira zum 1:1-Ausgleich ab. Danach begann das große Zittern bei den Borussen, die aber zumindest den einen Punkt bis zum Abpfiff retten konnten.
Nun muss die Elf vom Niederrhein im Kampf gegen den Abstieg noch in die Relegation. Ob der Gegner Bochum oder Greuther Fürth heißen wird, entscheidet sich am Sonntag, an dem der 34. Spieltag der 2. Bundesliga ausgetragen wird. Fest steht bereits, dass Borussia als zunächst Heimrecht genießt. Das Hinspiel wird am Donnerstag, 19. Mai, ab 20.30 Uhr im Borussia-Park ausgetragen
Inhaber von Dauerkarten haben zu dieser Partie freien Eintritt und bekommen das Zutrittsrecht auf die Dauerkarte übertragen. Somit wird kein spezielles Ticket verschickt. „Dass unsere Dauerkarten-Inhaber für das Heimspiel freien Eintritt haben, ist für uns selbstverständlich“, so VfL-Geschäftsführer Stephan Schippers. „Sie haben uns in dieser komplizierten Saison großartig unterstützt, ihnen gebührt dafür ein Danke schön.“ Tickets für das Auswärtsspiel am Mittwoch, 25. Mai (20.30 Uhr), sind ab Mittwoch erhältlich.
Das sagen die Trainer
Lucien Favre (Trainer Borussia Mönchengladbach):
Als wir gehört haben, dass Frankfurt in Dortmund führt, haben wir ein wenig die Orientierung verloren, aber das ist keine Entschuldigung für die schwache zweite Hälfte. Wir hätten Fußball spielen sollen, aber das ist uns nach dem Wechsel nicht mehr gelungen. Ich war sehr enttäuscht über unsere zweite Halbzeit, da war sowohl auf den Flügeln als auch vorne viel zu wenig Bewegung, dazu kamen zu viele unnötige Ballverluste – dafür haben wir auch die Quittung in Form des Gegentreffers erhalten. Dennoch denken wir positiv, denn wir haben den Relegationsplatz erreicht, das ist schon etwas. Aber es wird, egal ob gegen Bochum oder Fürth, extrem schwer, weil der Druck enorm groß ist. Wenn wir so spielen wie in der zweiten Hälfte, werden wir es nicht schaffen. Wir müssen wieder einfach kombinieren, und nicht mit zehn Ballkontakten spielen.
Michael Oenning (Trainer Hamburger SV):
Es war ein schwieriges Spiel, Gladbach hat es in der ersten Halbzeit gut gemacht und auch verdient geführt. Wir haben in der Halbzeit dann deutlich angesprochen, was besser werden muss, die Mannschaft hat es dann auch umgesetzt. Mit dem 1:1 waren wir wieder im Spiel und hätten vielleicht sogar noch gewinnen können. Ich wünsche Borussia in der Relegation viel Glück und hoffe, dass wir uns in der nächsten Saison wiedersehen.
Rost – Diekmeier (85. Benjamin), Kacar, Westermann, Aogo - Tesche, Zé Roberto (68. van Nistelrooy) - Rincon, Ben-Hatira, Elia – Guerrero (38. Pitroipa)
ter Stegen – Jantschke, Stranzl, Dante, Daems – Nordtveit, Neustädter – Reus, Arango – Hanke (74. de Camargo), Idrissou
0:1 Arango (41.)
1:1 Ben-Hatira (71.)
Ben-Hatira / Arango
Manuel Gräfe (Berlin)
57.000 (ausverkauft)




