Von Achim Müller
Mit dem 4:1-Sieg gegen den VfL Wolfsburg legt Gladbach den besten Saisonstart seit 16 Jahren hin. Jungstar Marco Reus sticht dabei besonders hervor.
Endstand nach 90 Minuten: Borussia Mönchengladbach - VfL Wolfsburg 4:1
Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach hat zum Auftakt des 3. Bundesliga-Spieltages durch einem 4:1 (3:1)-Triumph gegen den VfL Wolfsburg den besten Saisonstart seit 16 Jahren hingelegt. Die Elf vom Niederrhein kletterte mit diesem Erfolg am Freitagabend vorübergehend auf Platz eins in der Tabelle.
Der Spieler des Spiels:
Borussias Jungstar Marco Reus wirbelte die Wolfsburger Hintermannschaft gehörig durcheinander und war an vielen guten Offensivaktionen der Fohlen beteiligt. Der 22-Jährige zeichnete sich als zweifacher Torschütze aus, holte zudem einen Strafstoß heraus. „Wir haben uns zusammen mit den Fans in einen Rausch gespielt. Letztes Jahr hat uns zusammengeschweißt. Wir sind ein richtiges Team geworden und ich denke, dass man das auch gesehen hat“, sagte Reus nach seiner Gala-Vorstellung.
Der Moment des Spiels:
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AbstimmenAls Schiedsrichter Markus Schmidt die Partie abgepfiffen hatte, war für die Fohlen noch längst nicht Feierabend. Die VfL-Treuen in der Nordkurve hatten zur Feier-Humba gebeten, skandierten „Die Nummer eins am Rhein sind wir“. Keeper Marc-André ter Stegen und Marco Reus schnappten sich das Stadion-Mikro, heizten allen ein. Zuerst ein „klein machen, klein machen“ - dann bebte der Park: die Borussen-Profis sprangen auf, hüpften zusammen mit den Fans im Rhythmus und alle zusammen sorgten mit ihrem Gesang für Gänsehaut-Atmosphäre: „Cha-la-la-la-la-la-la Bo-rus-si-a!“
Der Aufreger des Spiels:
„Den jungen Schulze trifft keine Schuld, dass wir hier so hoch verloren haben“, nahm Wolfsburgs Trainer Felix Magath nach dem Schlusspfiff seinen Verteidiger in Schutz. Schulze war für den verletzten Salihamidzic ins Spiel gekommen und war nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung an einer spielentscheidenden Szene beteiligt. Im Zweikampf mit dem quirligen Marco Reus stellte sich Schulze derart ungeschickt an, dass er Schiedsrichter Markus Schmidt in die Verlegenheit brachte, auf Strafstoß entscheiden zu müssen. Auch wenn die Wolfsburger heftig protestierten, Schmidt blieb bei seiner Entscheidung. „Bei dem Elfmeter sehe ich es so, wie in der letzten Woche gegen Stuttgart: den kann man geben. Ich versuche oft, in die Eins-gegen-Eins-Situation zu gehen. Aber ich versuche da nichts herauszuholen“, so Schlitzohr Marco Reus später. Kapitän Filip Daems schnappte sich die Kugel und verwandelte seinen insgesamt 9. Strafstoß erneut ganz sicher zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung.
Chronik des Spiels:
Die über 43 000 Zuschauer im Borussia-Park bekamen von Beginn an eine temporeiche Partie geboten, bei der in der Anfangsphase allerdings die Gäste aus Wolfsburg den Ton angaben. Wölfe-Coach Felix Magath hatte den erst am Mittwoch verpflichteten Thomas Hitzlsperger für den angeschlagenen Patrick Ochs in die Startelf gestellt, bei Gladbach fehlten Martin Stranzl, Roel Brouwers und Igor de Camargo.
Lucien Favre (Trainer Borussia Mönchengladbach):
Dieses Spiel war wichtiger als das gegen Bayern oder Stuttgart. Die Mannschaft war zu Beginn etwas nervös, sie wollte unbedingt gewinnen. Es ist nicht einfach, wenn du zwei Heimspiele hintereinander hast, jeder denkt, dass du unbedingt punkten musst. Ich bin sehr zufrieden, der Sieg war verdient. Aber trotzdem haben wir uns in der zweiten Halbzeit zu viele unnötige Ballverluste erlaubt, haben manchmal zu kompliziert gespielt. Aber wir haben auch viele Chancen durch zum Teil schöne Kombinationen herausgespielt. Das schnelle 1:1 hat uns geholfen, wir haben Selbstvertrauen bekommen und danach viel Druck gemacht. Jeder in der Mannschaft hat heute gut gespielt, mit sieben Punkten aus drei Spielen dürfen wir sehr zufrieden sein.
Felix Magath (Trainer VfL Wolfsburg):
Wir haben eine Viertelstunde gut gespielt und haben nicht zufällig geführt. Aber das Gegentor nach dem schweren Fehler haben wir nicht verkraftet. Wir hatten uns viel vorgenommen, aber ich habe Verständnis für meine Mannschaft, dass sie den Faden verloren hat. Die Niederlage war in der Höhe verdient.
Marc-André ter Stegen: Beim Gegentreffer von Hasebe ohne Chance, sehr sicher, tolle Parade gegen Helmes, Note: 2
Tony Jantschke: Der Rechtsverteidiger mit vielen Ballkontakten, solider Part, Note: 3+
Havard Nordtveit: Rutscht in die Innenverteidigung, rettet mehrmals stark, gute Spieleröffnung, Note: 2-
Dante: Strahlt als Abwehrchef große Sicherheit aus, ohne Fehl und Tadel, Note: 2
Filip Daems: Der Kapitän überzeugt in der Defensive und in der Offensive, verwandelt eiskalt den Strafstoß zur 2:1-Führung, Note: 2-
Thorben Marx: Räumt als Staubsauger vor der Abwehr einiges ab, traut sich auch nach vorne was zu, Note: 3
Roman Neustädter: Zu Beginn mit Problemen, kommt zu spät bei Hasebes Führungstor, kniet sich im Anschluss aber richtig rein, Note: 3
Marco Reus: Zweifacher Torschütze, holt zudem einen Elfer raus, überragender Auftritt, Note: 1
Juan Arango: Toller Ideengeber, kurbelt immer wieder das Spiel an, starke Standards, sehenswert seine Vorarbeit zum 4:1, Note: 2+
Mike Hanke: Schuftet und ackert, läuft viel, immer anspielbar, nur im Abschluss ohne Fortune, Note: 3+
Raul Bobadilla: Bärenstark als Vorbereiter und Torschütze, wirbelt immer wieder die Wölfe-Abwehr durcheinander, gibt alles, Note: 1
Borussia Mönchengladbach:
ter Stegen - Jantschke, Nordtveit, Dante, Daems - Marx, Neustädter , Reus (88. Herrmann), Arango - Bobadilla (81. Leckie), Hanke (86. King).
VfB Stuttgart:
Benaglio – Hasebe, Russ, Kjaer, Schäfer – Hitzlsperger, Josué (84. Knoche), Träsch, Salihamidzic (23. Schulze) – Mandzukic (58. Lakic), Helmes.
Tore: 0:1 Hasebe (12.), 1:1 Reus (15.), 2:1 Daems (32./FE), 3:1 Bobadilla (45.), 4:1 Reus (67.)
Gelbe Karten: Hanke / Schulze, Russ
Schiedsrichter: Markus Schmidt
Zuschauer: 43.224
Die Wolfsburger präsentierten sich zunächst gut erholt vom 0:1 gegen Bayern München am vergangenen Wochenende und gingen früh in Führung. Hasebe (12.) nutzte eine Unachtsamkeit in der Gladbacher Hintermannschaft und brachte die Niedersachsen mit einem Schuss von der Strafraumgrenze in Führung. Kurz darauf sorgte allerdings ein folgenschwerer Ausrutscher von Wolfsburgs Simon Kjaer für die Wende. Der Däne, der zuletzt mit dem italienischen Erstligisten AS Rom in Verbindung gebracht wurde, vertändelte gegen Bobadilla leichtsinnig den Ball.
Der Argentinier reagierte blitzschnell, bediente den mitgelaufenen Reus, der mühelos zum 1:1 einschob. Im Anschluss nahm die Mannschaft von Trainer Lucien Favre, der Nordtveit in die Innenverteidigung und Marx ins Mittelfeld beordert hatte, das Heft in die Hand. Die Borussia gefiel mit schnellen Spielzügen und erspielte sich ein deutliches Übergewicht. In der 32. Minute gingen die Fohlen schließlich durch das zweite Saisontor von Kapitän Daems per Strafstoß in Führung.
Der für den angeschlagenen Salihamidzic eingewechselte Schulze hatte zuvor ziemlich ungeschickt Borussen-Wirbler Reus im Strafraum zu Fall gebracht. Kurz vor der Pause erhöhte der starke Bobadilla nach einer Arango-Ecke per Kopf zum 3:1. Auch nach dem Seitenwechsel dominierte die Borussia das Geschehen und spielte wie entfesselt auf, derweil wackelte die Defensive der Gäste bedenklich und ließ Chancen im Minutentakt zu: Bobadilla (50.), Neustädter (52.) vergaben, der Pfosten bewahrte Wolfsburgs Josue vor einem Eigentor.
Für die endgültige Entscheidung sorgte Reus, der einen Spielzug wie aus dem Lehrbuch mit einer Direktabnahme vollendete. Arango hatte ihn mit einem sensationellen Außenrist-Pass bedient. „Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen, sie haben das sehr gut gemacht. Wir waren die klar bessere Mannschaft und hätten höher als 4:1 gewinnen können“, lautete das Fazit von Borussen-Coach Favre.




