Borussia Mönchengladbach hat eine Zittersaison hinter sich. Mit dem Retter auf der Bank verbinden sich alle Hoffnungen.

Bundesliga
Großbild Wiechmann

Trainer mit Retter-Bonus: Gladbachs Lucien Favre.

Mönchengladbach. Schon bald geht es wieder um Punkte. Vom 5. bis 7. August starten die Eliteklubs in die 49. Spielzeit der Fußball-Bundesliga. In unserer Serie stellen wir alle Vereine vor. Heute: Borussia Mönchengladbach.

Der unvergessliche Moment

Der ereignete sich in Bochum. Reus vollendete mit einem Flachschuss zum 1:1-Ausgleich und löste selbst beim sonst so kontrollierten Lucien Favre einen Jubellauf vor der Trainerbank aus. Reus’ Tor im zweiten Relegationsspiel bedeutete die Rettung im Abstiegskampf nach dem 1:0-Sieg im Heimspiel.

Zitat der Saison

Das lieferte eines der alten Borussen-Idole. Berti Vogts, Unterstützer der Initiative Borussia, die Präsident Rolf Königs stürzen wollte, urteilte in der Krise über die speziellen Gladbacher Verhältnisse und Sportdirektor Max Eberl: „Er weiß ja gar nicht, wie er in diese Position gekommen ist. Er ist wahrscheinlich zufällig mit dem Fahrrad vorbeigefahren, und Rolf Königs hat ihn gesehen und dann gesagt: ,Max, willst Du nicht Sportdirektor werden?’“

So steht es um den Trainer

Jahrelang reihten sich Gladbachs Trainer ganz weit vorne ein in der Liste derjenigen, denen als erste während einer Saison der Rauswurf drohte. Darüber muss sich Lucien Favre wenig Gedanken machen. Der Retter ist so stark, wie seit Hans Meyer niemand mehr. Und er nutzt seine Stellung, fordert Verstärkungen, die ihm Sportdirektor Eberl nicht erfüllen kann. Weil er kein Geld hat. Erst verkaufen, dann erst wieder einkaufen. Eine Bedingung, die Favre nicht mehr lange zähneknirschend akzeptieren wird.

Wer ist bei den Fans umstritten?

In der Euphorie des Last-Minute-Klassenerhaltes haben die Fans wieder alle lieb. Denenigen, der den Kredit als erster aufgezehrt hätte, haben die Gladbacher verkauft: Karim Matmour steht jetzt bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag. Aufgerückt ist deshalb Mohamadou Idrissou. Sein Pech: Auch beim Trainer steht der Kameruner auf dem Abstellgleis.

Des Trainers Liebling

Lucien Favre gehört in die Trainer-Kategorie höchste Kompetenz, größtmögliche Unabhängigkeit. Daher kommt er gänzlich ohne Lieblinge aus.

Innenansichten – Skurriles aus dem Verein

Wenn der Mythos wankt, melden sich die Alt-Stars. Erst griff Berti Vogts an, dann sprang ihm Günter Netzer zur Seite. Leidtragender war Sportvorstand Rainer Bonhof, der sich mit seinen Weltmeister-Freunden im Winter anlegte – heraus kam ein absurdes Theater.

Netzer kritisierte: „Der Verein wird von einem Präsidenten geführt, der alles an sich gerissen hat. Das ist viel zu viel Machtfülle.“ Dem widersetzte sich Bonhof, sprach von „Blödsinn“, betonte zugleich sein gutes Verhältnis zu Vogts und Netzer, hieß beide stets herzlich willkommen, um ihre Sicht darzustellen. „Kaffee und Kuchen ist auch immer da“, sagte Bonhof. Netzer konterte barsch: „Ich komme nicht.“

So wollen sie spielen

Weitgehend unverändert, weil es zuletzt durchaus gut funktioniert hat: Ter Stegen – Jantschke (Zimmermann), Stranzl, Dante, Daems (Wendt), Reus, Bradley (Neustädter), Nordtveit, Arango, Hanke (Bobadilla), de Camargo.

Was muss sich ändern?

Die Erwartungshaltung an eine junge Mannschaft. Im Vorjahr hatte die Klubführung offiziell das Wort Abstieg aus dem Wortschatz gestrichen. Es trieb dann noch zehn Tage nach dem Saisonende sein Unwesen. Nach dem Aufstieg 2008 hat Gladbach in zwei von drei Jahren den Abstieg erst in letzter Sekunde vermeiden können. Daher: Besser vom Abstieg reden – und dann sofort hellwach sein.

Einlauftipp

Ein elfter Platz mit Tendenz nach unten.

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