Von Stephan Esser
Das 5:1 gegen Köln lässt Borussia nochmals an das Unmögliche glauben.
Mönchengladbach. Seine dunklen Bartstoppeln verraten, dass Mike Hanke sein blond schimmerndes Haupthaar nicht in natürlicher Farbe trägt. Aber es passt sehr gut zum braunen Teint des Stürmers, der Borussia vor dem Abstieg retten soll. Mit seinen Toren. Und seinem Gemüt. Stets fröhlich, selten verdrießlich. Das tut gut im Abstiegskampf, selbst wenn es mit dem Toreschießen nicht recht klappen will beim WM-Teilnehmer von 2006.
Bessere Tage hatte er sicher einige, bevor er im Winter aus Hannover gekommen war, aber seit Sonntag ist er wahrlich angekommen in Mönchengladbach. Und in dieser Mannschaft, die sich nun doch noch einmal massiv gegen den drohenden dritten Abstieg nach 1999 und 2007 zu wehren scheint. Das 5:1 im 78. Derby gegen den 1. FC Köln könnte sechs Spieltage vor Schluss als der ultimative Weckruf einer durchaus veranlagten Mannschaft gelten.
Mike Hanke bereitet drei Treffer vor
Das Team von Trainer Lucien Favre hat den Abstand auf den Relegationsplatz durch die Niederlagen von Wolfsburg und St. Pauli auf zwei Punkte verkürzt. „Es war sehr, sehr wichtig, heute zu gewinnen“, resümierte Favre gewohnt sachlich. „Die Mannschaft hat nach dem Führungstor Vertrauen gewonnen.“ Vielleicht auch für die restlichen fünf Spiele in diesem wohl bis auf die Zielgerade spannenden Abstiegskampf.
Hanke hat bei diesem höchsten Heimsieg der Gladbach gegen Köln in der Bundesliga zwar keinen Treffer erzielt, er hat aber die ersten drei Tore vorbereitet, um später kundzutun: „Ich bin hierhin gekommen, weil ich immer sicher war, dass wir den Klassenerhalt schaffen.“ Bei seinem besten Spiel für die Gladbacher war er kongenialer Partner des überragenden zweifachen Torschützen Marco Reus, den er einmal per Kopf und einmal mit einem passgenauen Zuspiel bediente. Nach zähem Beginn erlebten die Kölner innerhalb von zehn Minuten ihr Waterloo: 1:0 Arango (29.), 2:0 Reus (34), 3:0 Reus (39.). Beim Führungstor von Juan Arango verlängerte Hanke eine Reus-Ecke.
Kölns Trainer Frank Schaefer sprach von „einem bitteren, ganz schweren Tag, einem ganz grausamen Tag“. Auch deshalb, weil er eine gewisse Ohnmacht verspürt, die Auswärtsschwäche seines Teams abzustellen. „Wir haben 30 Minuten kompakt gestanden und das defensiv gut gemacht. Aber auf Kosten jeglicher Offensivqualität“, sagte Schaefer.
Gladbach zerstört mit einem Doppelschlag die FC-Hoffnungen
Das änderte sich im zweiten Spielabschnitt, Novakovic verkürzte zum 1:3 (50.). Doch ehe sich die Kölner stabilisieren konnten, hatten die Gladbacher einen Doppelschlag gesetzt. Mit einem Elfmeter durch Filip Daems nach Handspiel von Christian Eichner (65.) und nur zwei Minuten später durch das erste Tor des Winter-Zugangs Havard Nordtveit (67.). Die restliche Spielzeit ging im Jubel der Borussen-Fans unter.
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