Von Jochen Schmitz
Der angehende Nationalspieler hadert mit seinen vergebenen Chancen bei der 0:1-Niederlage der Gladbacher in Freiburg.
Marco Reus will in den Länderspielen gegen die Türkei und Belgien sein Debüt in der Nationalmannschaft geben.
Freiburg. Der letzte Angriff, die letzte Chance – aus und vorbei. Marco Reus schlug mit beiden Fäusten auf den Rasen. Aus dem Blick des Superstars im Team von Borussia Mönchengladbach sprach die pure Verzweiflung. Als Reus in der Nachspielzeit aus kurzer Entfernung an Torwart Oliver Baumann gescheitert war, stand dem zweiten Saisonsieg (1:0) des SC Freiburg nichts mehr im Weg.
Löw: „Marco hat alles gegeben und ein tolles Pensum absolviert“
Borussias „Lebensversicherung“ im Kampf um das Dasein in der Bundesliga aber war kaum zu beruhigen: „So ein Mist. Ein Tor hätte ich unbedingt machen müssen. Ich bin richtig sauer und kann mich kaum beruhigen.“ Erst als er wenig später das dicke Lob des Bundestrainers vernahm, hellte seine Miene wieder auf: „Das tut gut.“ Der Schwarzwälder Jogi Löw, Ehrenspielführer des SC Freiburg, fand in „seinem Wohnzimmer“ tröstende Worte für die Verlierer vom Niederrhein, speziell für Reus: „Marco hat alles gegeben und ein tolles Pensum absolviert. Dann fehlt halt schon mal die letzte Konzentration vor dem Tor.“
Löw mag solch bescheidene Typen wie Reus, die immer alles in die Waagschale werfen, die Initiative an sich reißen und den Abschluss suchen. Spieler eben, die Siegeswillen und Einsatzbereitschaft an den Tag legen. Und deshalb ist das Debüt von Reus im Nationaltrikot in einem der beiden EM-Qualifikationsspiele gegen die Türkei und Belgien ab kommenden Freitag durchaus wahrscheinlich.
Gladbach rennt glücklos frühem Rückstand hinterher
Reus wäre in dem Fall der 29. deutsche Nationalspieler, den Borussia Mönchengladbach hervorgebracht hat. Dessen Trainer Lucien Favre machte das zweite 0:1 in dieser Spielzeit beileibe nicht an Reus’ Abschlussschwäche fest. „Marco ist klasse, wie er arbeitet und die anderen mitreißt. Er macht den Unterschied. Nein, wir waren diesmal zu überhastet in vielen Szenen. Es gab zu langatmige Passagen zwischen Ballbesitz und Beschleunigung. Das müssen wir besser machen.“
Trotzdem habe ihn seine Mannschaft keineswegs enttäuscht: „Ein Unentschieden wäre doch hoch verdient gewesen.“ Die aufopferungsvoll kämpfenden Freiburger brauchten in der Tat viel Glück, um das Spiel, das vor der Pause dahin plätscherte wie das Flüsschen Dreisam hinter der Nordtribüne, zu ihren Gunsten zu entscheiden. Beim Tor des Tages durch Johannes Flum fälschte Gladbachs Thorben Marx den Ball ab und schickte Torwart Marc-André ter Stegen in die falsche Ecke.
Überragend: –
Gut: Reus
Durchschnittlich: Ter Stegen, Dante, Stranzl, Neustädter, Arango, de Camargo
Enttäuschend: Jantschke, Wendt, Marx und Hanke
Überragend: –
Gut: Baumann, Putsia
Durchschnittlich: Bastians, Barth, Mujdza, Abdessadki, Makiadi, Flum, Schuster, Butscher
Enttäuschend: Krmas, Cissé
Ein fieses, verstecktes Foul des ansonsten unauffälligen Pappis Cissé im Strafraum an Tony Jantschke blieb zudem ungesühnt. So rannten die Borussen am Ende glücklos dem frühen Rückstand (19.) hinterher und machten nichts aus ihrer spielerischen Überlegenheit. Immerhin hielt eine große Serie dem Druck stand: Seit dem 25. Februar (1:2 in Wolfsburg) kassieren die Gäste nie mehr als einen Treffer.




