Von Stephan Esser und Achim Müller
Der neue Trainer hat in Gladbachs Mannschaft verschüttetes Talent wieder frei gelegt. Seine Art kommt bei den Spielern an. Favre gilt als Disziplin-Fan, sein Enthusiasmus bei der Arbeit ist unverkennbar.
Mönchengladbach. „Gut“, sagte er, habe er geschlafen. Das ist nicht unwichtig, angesichts der kommenden Aufgabe für Lucien Favre. Während bei den Fans von Borussia Mönchengladbach der erste Heimsiege nach zehn Monaten mit 2:1 gegen Schalke nachhallte, war der Schweizer gestern bereits wieder in der Realität angekommen. „Das Programm ist extrem schwer“, sagt Favre.
Am Montag schaute er sich DVDs zu Wolfsburg an, den kommenden Gegner am Freitagabend (20.30 Uhr). Ab heute richtet er die Vorbereitung danach aus. „Wolfsburg ist eine sehr gute Mannschaft“, sagte der Schweizer und meint das sicher nicht nur so höflich, wie es klingt.
Erstmals dreht Gladbach in dieser Saison ein Spiel nach Rückstand
Favres Einstand verbreitet den Klang eines Paukenschlags. Weil die Defensive überraschend stabil stand, weil bei Ballverlust alle versuchten, wieder vor das Spielgerät zu kommen, weil in der Offensive alle Trümpfe stachen – Mohamadou Idrissou als Mittelstürmer, Marco Reus als kreisender Unruheherd dahinter und ein Juan Arango, den in Gladbach in dieser Form noch niemand gesehen hatte. Seit immerhin 18 Monaten.
Vor allem aber hat Gladbach erstmals in dieser Saison nach einem Rückstand ein Spiel gedreht. „Ich habe versucht, den Spielern Selbstvertrauen zu geben. Das Spiel war sicher gut für den Kopf“, sagte Favre, der auch die Stimmung im Stadion ansprach. „Die Fans, das Stadion, sie haben uns sehr geholfen.“ Siegtorschütze Idrissou gewährte einen Einblick in die Arbeitsweise des Trainers: „Er hat eine klare Ansage gemacht. Wer nicht gut trainiert, hat keine Chance zu spielen.“
Marco Reus: Favre hat neue Impulse gesetzt
Favre gilt als Disziplin-Fan, sein Enthusiasmus bei der Arbeit ist unverkennbar. Das Auslaufen der Schalke-Bezwinger am Montag überwachte er mit Argusaugen. Binnen weniger Tage ist es dem Fußball-Professor gelungen, zugeschüttetes Talent in der Mannschaft zu wecken. Favres Art kommt bei den Spielern an.
„Er hat neue Impulse gesetzt. Das war wichtig für uns. Er ist zwar erst eine Woche da, aber es hat sich schon etwas getan“, sagte Reus, der gestern wegen einer Fersen-Prellung behandelt wurde. Sein Einsatz beim Abstiegsgipfel am Freitag in Wolfsburg soll aber nicht in Gefahr sein. Bei vier Punkten Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz ist der Glaube an die Rettung in Gladbach zurückgekehrt.




