Von Achim Müller
Filip Daems verwandelte eiskalt einen Strafstoß und brachte seine Mannschaft so auf die Siegerstraße.
Berlin. Borussia Mönchengladbach hat erstmals seit acht Jahren wieder das Halbfinale im DFB-Pokal erreicht. Die Elf vom Niederrhein setzte sich am Mittwochabend bei Hertha BSC mit 2:0 nach Verlängerung durch.
Bei klirrender Kälte im Olympiastadion bekamen die 47.465 Zuschauer über weite Strecken der Partie Fußball-Magerkost geboten. Kapitän Filip Daems per Foulelfmeter und der eingewechselte Oscar Wendt sorgten mit ihren Treffern für die Entscheidung aus Gladbacher Sicht.
Der Moment des Spiels: Geschafft! Nach dem Schlusspfiff kannte der Jubel im Gladbacher Lager keine Grenzen mehr. Auf dem Platz fielen sich die VfL-Profis in die Arme, am Spielfeldrand hüpften und tanzten die Reservespieler, Trainer Lucien Favre riss die Faust hoch, dann liefen alle Fohlen in die Kurve zu den 8000 VfL-Fans. „Halbfinale, Halbfinale“, „der VfL ist wieder da“ feierte der Borussen-Anhang die Favre-Elf.
Der Spieler des Spiels: Gut, dass die Borussen „Mister Zuverlässig“ Filip Daems in ihren Reihen haben. Der Belgier behielt im entscheidenden Moment die Nerven, ließ sich nach dem umstrittenen Elfmeter-Pfiff des Unparteiischen nicht von den wütenden Berliner Spielern aus der Ruhe bringen.
„Ich bin extra weggegangen, habe das ausgeblendet“, so Daems später. Borussias Kapitän düpierte mit seinem Strafstoß Hertha-Keeper Kraft, verwandelte eiskalt und brachte seine Mannschaft so auf die Siegerstraße.
Der Aufreger des Spiels: Es lief die 100. Spielminute, als die Berliner vollkommen entsetzt Schiedsrichter Felix Brych anschauten. Der hatte auf Strafstoß entschieden, weil Hertha-Verteidiger Roman Hubnik Borussen-Stürmer Igor de Camargo im Strafraum eine Kopfnuss verpasst haben soll.
De Camargo ließ sich spektakulär fallen – Brych pfiff und Hubnik sah für seine dumme Aktion die Rote Karte. Daems verwandelte den fälligen Strafstoß eiskalt. Hertha-Trainer Michel Skibbe fauchte nach dem Schlusspfiff stinksauer: „Es ist ganz bitter für uns, dass solch ein unfassbarer Fehler des Schiedsrichters das Spiel entschieden hat.“
Chronik des Spiels: Sibirische Kälte und katastrophale Platzverhältnisse sorgten dafür, dass die Zuschauer zu Beginn mehr eine Rutschpartie zu sehen bekamen. Zahlreiche Fehlpässe auf beiden Seiten und immer wieder ausrutschende Profis prägten die ersten Minuten. Die Hertha präsentierte sich als die aktivere Mannschaft und hatte die erste halbe Chance, als Roel Brouwers einen Schuss von Stürmer Pierre-Michel Lasogga blockte (18.).
Auf der Gegenseite kam Patrick Herrmann nach einer Flanke von Tony Jantschke frei zum Kopfball, setzte die Kugel aber neben das Berliner Gehäuse (21.). Nach 30 Minuten übernahm die Hausherren immer mehr das Kommando, Mittelfeld-Star Raffael traf mit einem 14-Meter-Schuss nur das Außennetz (30.). Kurz darauf scheiterte Lasogga am glänzend reagierenden Marc-Andre ter Stegen (37.).
In Durchgang zwei bot sich zunächst das gleiche Bild: Wenn es zu Torraumszenen gab, war dies in erster Linie den Berlinern zu verdanken. Ein Schuss von Peter Niemeyer (60.) klatschte an den Pfosten. Einen Kopfball von Bastians (71.) pflückte VfL-Keeper ter Stegen weg. Den Siegtreffer hatte dann aber plötzlich Borussen-Stürmer Igor de Camargo 13 Minuten vor Schluss auf dem Fuß. Doch der Belgier legte sich nach tollem Pass von Mike Hanke den Ball zu weit vor.
In der Verlängerung übernahmen dann die Borussen die Initiative. Die dumme Aktion von Roman Hubnik und der fälligen Elfmeterpfiff führten dann dazu, dass Daems die Fohlen per Strafstoß mit 1:0 in Führung brachte.
Die größte Chance zum Ausgleich für Berlin vergab der eingewechselte Adrian Ramos, der aus 14 Metern deutlich über das Tor schoss (119.). Mit dem letzten Konter des Spiels sorgte dann der wenige Sekunden zuvor eingewechselte Oscar Wendt in der Nachspielzeit der Verlängerung (120.+2) für das 2:0 und die endgültige Entscheidung.
"Wir wussten, dass es extrem schwer wird. In der ersten Halbzeit war Hertha besser als wir. Die zweite Hälfte war besser für uns. Am Ende war es dann ausgeglichen. Der Sieg ist aber nicht unverdient. Die Szene, die zum Elfmeter führte, habe ich auf der Bank nicht gesehen. Deshalb kann ich das nicht beurteilen. Wir hätten aber auch vorher in Führung gehen können. Wir hatten zwei, drei klare Torchancen, haben aber insgesamt kein gutes Spiel gemacht."
"Wir haben eine tolle erste Halbzeit gespielt und haben im Grunde genommen keine Chancen der Gladbacher zugelassen. Selbst hatten wir zwei bis drei tolle Möglichkeiten. In der zweiten Hälfte hatten wir den Pfostenschuss und noch eine weitere gute Chancen. Insgesamt sind die Gladbacher in der zweiten Halbzeit aber stärker aufgekommen. Der Schiedsrichter hätte in der entscheidenden Szene einfach Foul von de Camargo pfeifen müssen. Wir haben danach alles auf eine Karte gesetzt, hatten aber keinen Erfolg mehr."
Hertha BSC: Kraft - Morales, Hubnik, Mijatovic, Kobiashvili (80. Ronny) - Ottl (106. Ramos), Niemeyer - Ebert, Lustenberger (60. Bastians) - Raffael, Lasogga Borussia
Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Brouwers, Dante, Daems - Nordtveit, Neustädter - Herrmann (69. de Camargo), Arango - Hanke (120.+1 Wendt), Reus (115. Marx)
Tore: 1:0 Daems (101./FE), 2:0 Wendt (120+2)
Gelbe Karten: Ebert / Dante, de Camargo
Rote Karte: Roman Hubnik (Hertha BSC/Tätlichkeit)
Schiedsrichter: Dr. Felix Brych
Zuschauer: 47.465




