Von Stephan Esser
Der beste Spieler der Borussia sorgt mit seinem Tor beim 1:1 in Bochum für den Klassenerhalt.
Bochum. Es ist die verrückteste Rettung seit Jahrzehnten. Borussia Mönchengladbach bleibt in der Fußball-Bundesliga. Mit dem 1:1 (0:1) durch das Tor von Matchwinner Marco Reus (72.) beim VfL Bochum feierten die Gladbacher die Last-Minute-Rettung im zweiten Relegationsspiel vor 28 650 Zuschauern, darunter 4500 Gladbach-Fans, und wendeten den dritten Abstieg nach 1999 und 2007 ab. Ein Eigentor von Harvard Nordtveit (24.) hatte die Bochumer in Führung gebracht (den gesamten Spielverlauf können Sie hier in unserem Liveticker nachlesen).
Zehn Punkte nur hatten die Gladbacher in der Hinrunde erspielt, schienen hoffnungslos abgeschlagen, bis Lucien Favre am 14. Februar Michael Frontzeck als Trainer ablöste. Mit dem Dienstantritt des Schweizers begann eine beispiellose Aufholjagd mit dem krönenden Finale am Mittwoch in Bochum. Für die Gladbach-Fans ein Märchen aus 100 Tagen – so lange nur brauchte Favre für diese Herkulesaufgabe. Die Borussia hat mit dem Rettungswunder zudem Bundesliga-Geschichte geschrieben. Waldhof Mannheim war 1988/89 der bisher einzige Bundesligist, der mit nur zehn Punkten in der Hinrunde den Klassenerhalt noch geschafft hat.
Favre war es, der den Erfolg zurückbrachte, er verlieh dem Team neue Stabilität – durch taktische Detailarbeit, eine solide Defensive, eine moderne, offensiv ausgerichtete Spielidee und durch die Herstellung eines gutes Betriebsklimas. Der Klassenerhalt wird Favre versüßt mit einer Prämie von 500 000 Euro.
Erst nach dem Gegentor wachen die Gäste endlich auf
Farvre bot dieselbe Mannschaft vom Hinspiel auf. Marco Reus biss trotz der Muskelprobleme im Oberschenkel auf die Zähne. Bochum musste mindestens ein Tor schießen. Dass dies nach 24 Minuten schon geschah, war auch Ausdruck der engagierteren Darbietung der Gastgeber. Allerdings benötigte Bochum Gladbacher Hilfestellung beim Führungstor. Harvard Nordtveit lenkte eine Hereingabe von Christoph Dabrowski ins eigene Tor (24.).
Gladbach spielte bis zum Rückstand verkrampft, unkonzentriert, mitunter fahrig. Trainer Favre wirkte dennoch ruhig auf der Trainerbank. Erst nach dem 0:1 wachte seine Mannschaft auf. Schließlich war der Vorsprung aus dem Hinspiel verspielt. Erst gegen Ende der ersten Halbzeit entwickelten die Gladbacher Gefahr vor dem Tor der Bochumer. Nach einer Ecke von Arango köpfte Idrissou an die Latte (41).
- Reaktionen: Max Eberl (Sportdirektor der Borussia)
- Lucien Favre (Trainer der Borussia)
- Dante (Borussias Abwehrchef)
„Wir haben ein kleines Wunder vollbracht. Wir haben viel auf die Fresse bekommen, deshalb ist es schön, dass wir dieses Ende hier erleben. Wir wussten, dass die Mannschaft Qualität hat. Daraus kann der Klub viel Kraft ziehen.“
„Das ist fantastisch, das ist super. Mit den Fans zu feiern, ist wundervoll. Die Mannschaft hat es sehr verdient, sie hat hart gearbeitet sowie Persönlichkeit und Charakter gezeigt.“
„Es war sehr, sehr, schwer, weil wir einen guten Gegner hatten. Wir müssen profitieren von diesem Moment. Für diese besondere Mannschaft opfere ich meine Haare.“
Als der Ball zehn Minuten nach der Pause im Tor lag, stockte den Gladbacher Fans schnell der Atem. Denn Reus hatte das Zuspiel von Idrissou im Abseits ins Tor geschossen. In der 72. Minute erlöste Reus aber nach Doppelpass mit dem eingewechselten Igor de Camargo mit seinem Tor zum 1:1 die Gladbacher Fans. Der Rest ging im Jubel der Borussia-Fans unter.




